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Kommunikation in Corona-Krise : "Wir bräuchten ein ganz großes 'Yes, we can'"

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Kommunikationsberater Matthias Burkard rät der Politik, die Bevölkerung mehr bei den Gefühlen zu packen. Wichtig sei ein 'Wir gemeinsam gegen Corona', sagt Burkard bei ZDFheute.

Angela Merkel im Bundestag
Debatte um Corona-Impfstoff
Quelle: epa

ZDFheute: Was wäre derzeit das Entscheidende für eine PR-Strategie, die sich gegen das Coronavirus wendet?

Matthias Burkard: Man kennt das ja aus den amerikanischen Action-Filmen: Der Feind will immer den Zusammenhalt zerstören, aufsplitten, einen Keil reintreiben. Und genau diesen Keil dürfen wir als Bedrohte jetzt nicht zulassen.

Die Gemeinsamkeit, in der wir vor dieser riesigen Herausforderung stehen, muss daher stärker betont werden. Denn das Coronavirus ist eine extrem starke Bedrohung von außen. Und der müssen wir entschlossen und geschlossen entgegentreten.

Es muss sehr klar herausgearbeitet werden, dass wir in einer einzigartigen globalen Bedrohungssituation stehen, die wir auch nur mit einzigartigem globalen Zusammenhalt lösen können. Wer das eine versteht, wird auch das andere verstehen.

ZDFheute: Wird die Betonung des "Gemeinsamen" derzeit vernachlässigt?

Burkard: Ich denke schon. Das wird natürlicherweise umso schwieriger, je länger die Bedrohung andauert. Weil man so ein "Wir-Gefühl" auf längere Sicht nur mühsam aufrechterhalten kann. Und sobald dann Diskussionen über die Strategie anfangen, verschwindet immer ein wenig mehr von diesem "Wir-Gefühl". Das ist der Unterschied zwischen der ersten "Lockdown"-Situation und der zweiten.

Das Gefühl - ‘da gibt es eine Bedrohung und wir müssen alle zusammenhalten, damit wir das schaffen‘ - war lange ein bisschen verschwunden. Es wiederzubeleben, darauf käme es jetzt an.

ZDFheute: Wie kann denn eine ähnliche Kraftanstrengung wie im Frühjahr entstehen?

Burkard: Für meinen Geschmack ist die Argumentation, die wir haben, zu zergliedert. Ich glaube, wir müssten grobmaschiger argumentieren. Wir müssen sehr deutlich sagen: Es gibt diese Bedrohung, unter der wir gemeinsam leiden.

Wir werden als Menschen quasi in unserer Existenz angegriffen und das dürfen wir nicht zulassen.

Die gesellschaftliche Diskussion ist mir zu sehr von Zahlen, Fakten und Statistiken dominiert. Man kann es meiner Meinung nach auch mehr auf den Kern konzentrieren.

Was will denn so ein Virus anderes als Menschenleben vernichten? Beide, Mensch und Virus, kämpfen doch um die Vorherrschaft.

Das ist doch die Bestimmung des Virus. Und wir müssen uns mit allen Mitteln verteidigen. Wissenschaftlich zum Beispiel, aber auch durch einzigartigen Zusammenhalt und durch große Disziplin.

ZDFheute: Wie erreicht man alle Zielgruppen für die Corona-Maßnahmen am besten?

Burkard: Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass man die Menschen immer weniger durch Argumente erreicht, sondern viel eher durch emotionale Botschaften. Das wäre auch jetzt wichtig.

Es wird gerade allen Bevölkerungsgruppen viel abverlangt: Den Risikogruppen, den Familien, den Arbeitnehmern, den Kindern - unser ganzes Gesellschaftssystem steht sehr unter Druck. Ich glaube, dass müsste stärker rauskommen.

Wir bräuchten jetzt noch einmal ein ganz großes "Yes, we can!" für den Sieg über Corona.

ZDFheute: Ist das Emotionale während der Diskussion über den Teil-Shutdown im November untergangen?

Burkard: Es gab die Ansätze von Angela Merkel, sehr emotional zu argumentieren. Ich glaube, damit war sie auf der richtigen Fährte.

Man hätte das vielleicht noch weiter ausbauen sollen. Und man hätte diesen Weg noch ein wenig konsequenter gehen müssen, indem man sagt: Es sind jetzt eben noch drei, vier harte Wochen, dann wird es sicherlich schon wieder leichter.

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ZDFheute: Wie bewerten Sie insgesamt die bisherige Kommunikation der Politik, etwa auch von den Ministern Söder und Laschet.

Burkard: Eigentlich ganz gut. Vor allem am Anfang, im Frühjahr, hat man gesehen, dass die Bundeskanzlerin sehr stark eine fürsorgliche Rolle eingenommen hat. Dass Herr Laschet eher der Freigeist war und Herr Söder dann eher der Hardliner.

Aus dem Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Rollen heraus ist eine Strategie entwickelt worden, und diese Strategie ist dann abgewogen, der können und sollten wir folgen.

Das Interview führte Jan-Frederik Fischer.

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