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Corona-Neuinfektionen - Merkel hatte mit ihrer Prognose Recht

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Vor gerade einmal einem Monat prognostizierte Angela Merkel über 19.000 Neuinfektionen bis Weihnachten. Stimmt, jetzt schon. Die Szene sagt viel über Merkel aus. Und auch über uns.

Am 29. September warnt Angela Merkel vor täglich 19.200 Neuinfektionen bis Weihnachten. Wie kommt Merkel auf die Zahl? Sehen Sie hier die Berechnungen der Kanzlerin nochmals.

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"Deutschland unter Corona-Schock. Kann DIESE Horrorzahl stimmen?" Mit solchen Schlagzeilen titelt am 29. September so manche Nachrichtenseite im Internet. Am Abend nimmt ZDF-Moderator Markus Lanz die Frage auf: "Warum immer dieses Worst-Case-Szenario", fragt er den Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher.

Grund für die Aufregung: Eine simple Rechnung der Kanzlerin. Angela Merkel hält bis Weihnachten 19.200 Neuinfektionen täglich für möglich. Das sagt sie erst hinter verschlossenen Türen. Dann wird sie nach Beratungen mit den Ländern auf einer Pressekonferenz darauf angesprochen. Wie kommt die Kanzlerin auf diese Zahl?

Merkels Prognose inzwischen schon überholt

Merkel rechnet vor: Ende Juni habe es an manchen Tagen 300 Infektionen gegeben. Ende September sei man bei etwa 2.400 angekommen. Die Zahlen hätten sich also dreimal verdoppelt. "Wenn das in den nächsten drei Monaten weiter so wäre, dann würden wir von 2.400 auf 4.800 auf 9.600 auf 19.200 kommen", sagt Merkel. So sei eben exponentielles Wachstum.

Gerade einmal einen Monat ist das her. An diesem Donnerstag meldet das Robert-Koch-Institut 19.990 Neuinfektionen. Wohlgemerkt: Nicht an Weihnachten, sondern am 5. November. Merkel hatte also Recht. Mehr noch: Die Wirklichkeit hat ihre Prognose längst überholt. Trotzdem verkneift sie sich öffentlich alles, was nach Rechthaberei aussehen könnte.

Corona-Test

19.200 Fälle an Weihnachten? -
Corona-Infektionen weit über Merkel-Szenario
 

Fast 20.000 Neuinfektionen an Weihnachten fürchtete Kanzlerin Merkel. Unrealistisch? Nicht unbedingt. Denn die aktuellen Corona-Zahlen haben ihre Prognose bereits überholt.

von Robert Meyer

Zeit für etwas Selbstkritik

Angela Merkel, die Physikerin. Sie lädt Virologen und Epidemiologen ins Kanzleramt, quasi als Argumentationshilfe für ihre Politik der Vorsicht. Seit Wochen schon mahnt sie strengere Corona-Beschränkungen an, hätte den Shutdown gerne schon früher gegen die Länder durchgesetzt. Doch politisch gab es dafür keine Mehrheit - so lange in einigen Bundesländern die Zahlen an Infektionen noch vergleichsweise gering waren.

Beispiel: Bodo Ramelow. Kleinlaut musste der thüringische Ministerpräsident bereits zugeben, die jetzigen Zahlen in seinem Bundesland hätten ihn überrascht. Es ist ein Beleg dafür, wie schwer es für Nicht-Naturwissenschaftler ist, exponentielles Wachstum richtig einzuschätzen. Dass die Zahlen eben doch derart sprunghaft gestiegen sind, könnte Anlass für Selbstkritik sein - bei manchem Politiker und vielleicht auch bei einigen Journalistinnen und Journalisten.

Bund und Länder beschließen einen Shutdown im November. Bodo Ramelow gibt zu, er habe die Dynamik des Infektionsgeschehens in seinem Bundesland so nicht erwartet.

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Yogeshwars prophetische Worte im Mai

Und dann sagt Merkels Szenario auch noch etwas über uns aus. Über unsere Psyche, die abstumpft gegenüber Gefahren. Darauf hat Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar bereits Anfang Mai hingewiesen - in einem Text mit der Überschrift "Phase zwei" der Pandemie: "Wir werden verdrängen. Wir können das gut, haben eine lange Erfahrung darin. Wir fliegen und verdrängen das Klima, wir kaufen billige T-Shirts und verdrängen, wo und wie sie hergestellt werden", so Yogeshwar.

Und in Bezug auf die Pandemie schrieb er:

Wir werden uns abwenden von denjenigen, die uns die Rechnung hinhalten, und werden uns einigen, dass es immer auch andere Zahlen und andere Studien gibt.
Ranga Yogeshwar im Mai 2020
Archiv: Ranga Yogeshwar am 15.01.2020 in Berlin

"Ein Irrsinn" -
Yogeshwar kritisiert Stimmung gegen Virologen
 

Gerade noch hat Deutschland seine Virologen gefeiert, auf einmal erhalten sie sogar Morddrohungen. Ranga Yogeshwar hat dafür kein Verständnis und warnt vor schnellen Lockerungen.

von Dominik Rzepka

Lauterbach: Panikmache-Vorwurf "ist Diffamierung"

Von Politikern forderte Yogeshwar damals "Leadership". Kein Populismus, sondern faktenbasierte Entscheidungen. Auch, wenn die Mehrheit nach Lockerungen rufe. Dem zu widerstehen sei wahre politische Führung, so Yogeshwar. Denn: "Wir wollen keine analytischen Denker, die uns schlechte Nachrichten verkünden, sondern wünschen uns Erlöser, die uns von der Last dieser ansteckenden Geißel befreien."

Das hat auch Karl Lauterbach zu spüren bekommen. Der SPD-Gesundheitsexperte muss sich Panikmache vorwerfen lassen - etwa, als er am 14. Oktober 100 Tote am Tag prognostiziert, sollten die Infektionszahlen auf etwa 10.000 steigen. Zwei Wochen später meldete das Robert Koch-Institut tatsächlich 103 Todesfälle. Ähnlich wie die Kanzlerin vermeidet Lauterbach Rechthaberei. Doch den Vorwurf der Panikmache weist er im ZDF dann doch als "Diffamierung" zurück. Lauterbach warnt wie Merkel vor noch weiter steigenden Zahlen.

Das Doppelte von 19.990 ist übrigens 39.980. Und das Doppelte davon ist 79.960.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mahnt, warnt und eckt an in der Corona-Krise. Den Vorwurf der Panikmache weist er im ZDF-Interview als "Diffamierung" zurück.

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