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Epidemiologe Gérard Krause : Zahl der Erkrankungen wichtiger als Inzidenz

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Der Epidemiologe Gérard Krause hält die Zahl der Corona-Erkrankten für relevanter als die Zahl der Infizierten. Ausgangssperren hält er für wenig wirksam.

Immer mehr Intensivstationen kommen an ihre Belastungsgrenze. "Die Lage ist sehr ernst", sagt Prof. Gérard Krause, Epidemiologe am Helmholtzzentrum für Infektionssforschung im ZDF-Morgenmagazin. Denn man könne nicht sagen, wie lange der Anstieg der Neuaufnahmen auf Intensivstationen in der Corona-Pandemie anhalten werde.

Zahl der Intensiv-Neuaufnahmen besser als Inzidenz

Die Inzidenz ist für Krause kein geeigneter Wert zur Bebachtung der Corona-Lage im Land. "Die Sieben-Tage-Inzidenz misst lediglich die diagnostischen Nachweise von Infektionen." In den ersten drei Monaten sei ein Drittel der Nachweise ohne Symptome einhergegangen, also ohne Erkrankung.

Wesentlich wichtige ist, dass wir berücksichtigen: Wieviele Erkrankungen haben wir?
Gérard Krause, Epidemiologe

Aufgrund der Zunahme der Testungen und auch wegen der steigenden Zahl Geimpfter werde man weiterhin viele Infektionen haben, "aber hoffentlich deutlich weniger Erkrankungen". Diese Zahl sei die entscheidende.

Insbesondere die Neuaufnahme von Covid-Patienten auf Intensivstationen bilde "sehr zeitnah und sehr gut die Dynamik der Pandemie ab".

Die Beratungen über eine bundesweite Corona-Notbremse gehen in die möglicherweise entscheidende Woche. Das Parlament hatte vergangene Woche erstmals über den Entwurf der Regierung beraten, am Mittwoch will es darüber abstimmen.

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Änderungen am Infektionsschutzgesetz nötig

Im Infektionsschutzgesetz müsse es einige kleinere Änderungen gaben. Damit werde dem Robert-Koch-Institut ermöglicht weitere Daten von den Gesundheitsämtern zu erhalten. Beispielweise Daten zu Berufsgruppen oder anderer Expositionen dürften im Moment die Gesundheitsämter nicht weitergeben.

Wenn man aber weiß wo Kontakte und Infektionen stattfinden, dann kann man sehr viel schneller reagieren.
Gérard Krause, Epidemiologe

Andere Maßnahmen müssten, da wo sie wirksam sind, trotzdem verschärft und gezielt eingesetzt werden. Man müsse die Kapazitäten der Intensivstationen im Blick behalten und über Verschiebungen oder Optimierungen reagieren.

"Von Ausgangssperren nicht zu viel versprechen"

Der Effekt nächtlicher Ausgangssperren, wie sie in der "Bundes-Notbremse" geplant sind, sei nicht sehr groß, das belegten Studien. "Gerade aus Frankreich gibt es entsprechende Beobachtungen, dass Menschen sich dann vor der Ausgangssperre gegenseitig besuchen und dann möglichweise die ganze Nacht auf improvisiertem, verengtem Raum miteinander verbringen."

Gérard Krause: „Maßnahmen schärfen, wo wirksam“
Epidemiologe Krause: Intensivstationen im Blick behalten.

Auch sei das Risiko der Übertragung unter freiem Himmel sehr gering. "Man darf sich zumindest mal von einer Ausgangssperre nicht zu viel zusätzlichen Effekt erhoffen."

Holetschek: "Ausgangssperre wichtiger Baustein"

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sieht dagegen in den nächstlichen Ausgangssperren zwischen 21 und 5 Uhr einen Baustein der Bundes-Notbremse. "Kontakte unterbrechen, Mobilität einschränken ist jetzt wichtig," sagt Holetschek.

Studien aus Großbritannien - von der TU Berlin bestätigt - hätten belegt, dass die Ausgangssperre ein Teil eines Gesamtkonzepts sei.

Und sie kann dazu beitragen, dass der R-Faktor gesenkt wird und, dass weniger sich treffen.
Klaus Holetschek (CSU)

Holetschek gesteht aber auch ein, dass Ausgangssperren eine erhebliche Grundrechtseinschränkung darstellen. "Deswegen muss ja auch die Verhältnismäßigkeit immer wieder geprüft werden." Die Inzidenz sei ein Vorwarnwert, andere Parameter wie die Belegung der Intensivbetten habe man aber auch im Blick.

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