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Hohe Corona-Infektionszahlen : Warum Österreich so schlecht dasteht

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Vom Musterknaben zum Problemfall: Die zweite Corona-Welle hat Österreich mit Wucht getroffen. Wie konnte es dazu kommen? Ein Experte sagt: "Der Schalter wurde zu spät umgelegt."

Noch im Sommer galt Österreich als Corona-Musterland. Die Infektionszahlen waren niedrig, das öffentliche Leben verlief fast normal - selbst Einkaufen ohne Maske war möglich. Dann kam der Herbst.

Mitte November verzeichnete Österreich teilweise über 9.000 Neuinfektionen am Tag. Zum Vergleich: In Deutschland, mit fast zehn mal mehr Einwohnern, lag der Spitzenwert bisher bei 23.648 Fällen. Zeitweise kamen etliche Hotspots in Österreich auf eine Inzidenz (neue Fälle innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner) von über 1.000, der Bezirk Rohrbach gar auf 1.500 - weltweiter Rekord.

Die Zahl der Corona-Toten pro 100.000 Einwohner ist in Österreich fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Mit Teil-Lockdown und Kontaktbeschränkungen versucht die Regierung ,der Lage wieder Herr zu werden. Wie konnte es so weit kommen?

Kaum Risikobewusstsein auf dem Land

Österreich spüre jetzt die Konsequenzen des Infektionsgeschehens, das im Spätsommer seinen Ausgang nahm, erklärt Peter Klimek, Forscher am Complexity Science Hub Vienna, im Gespräch mit ZDFheute. "Wir haben uns alle fleißig auf die Schultern geklopft, dass die erste Welle für Österreich so gut gelaufen ist."

Es hat sich die Meinung durchgesetzt, dass man die Pandemie im Wesentlichen mit Maske tragen, Abstand halten, Händewaschen in den Griff bekommt - und dann alles gut ist.
Peter Klimek, Forscher am Complexity Science Hub Vienna

Die Folge: Durch zunächst niedrige Fallzahlen gab es gerade auf dem Land kaum Risikobewusstsein, so Klimek. Das merkten auch deutsche Touristen: Während in Deutschland beim Einkaufen in Geschäften Maskenpflicht herrschte, war in Österreich Shopping ohne Maske im Sommer kein Problem.

Diskussion um zweite Welle oder "Labor-Tsunami"

"Wir haben den ersten großen Anstieg Mitte August gehabt, getrieben von Reiserückkehrern vom Westbalkan. Im September, als die Schulen begonnen haben und damit nochmal die Reisetätigkeit stieg, kam der nächste Schub. Aber viele haben gesagt, das sei ein 'Labor-Tsunami' - wir hatten lange eine Diskussion, ob das überhaupt eine zweite Welle ist oder nicht."

Zudem hätte die Politik das Narrativ verbreitet, dass man mit hohen Infektionszahlen gut umgehen könne. Überwiegend jüngere Menschen hätten das Infektionsgeschehen getrieben - "da ging man davon aus, dass die gut ausgebauten Intensivstationen nicht unter Druck geraten würden", so Klimek.

Experte: "Der Schalter wurde zu spät umgelegt"

Doch im Oktober schlugen die Gesundheitsexperten Alarm, warnten vor begrenzten Kapazitäten in den Kliniken.

Wir haben dann einen zu langen Bremsweg gehabt bis zum Teil-Lockdown. Wir mussten ja das Stimmungsbild umdrehen.
Peter Klimek, Forscher am Complexity Science Hub Vienna

Als in Österreich Anfang November harte Maßnahmen mit Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten, war das Infektionsgeschehen bereits sehr weit fortgeschritten, die Inzidenz lag nach Zahlen der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei über 400. Zum Vergleich: Als der Teil-Lockdown in Deutschland am zweiten November in Kraft trat, lag die Inzidenz hierzulande laut Robert-Koch-Institut bei 120.

Deutschland hatte offenbar einen Zeitvorsprung von einigen Wochen im Vergleich zu Österreich. Klimek fasst die Situation in der Alpenrepublik zusammen: "Der Schalter wurde zu spät umgelegt."

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