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Experten zur Omikron-Variante : Erreichen "sehr schnell, sehr hohe Zahlen"

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Die Corona-Variante Omikron ist in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Das könnte sich aber rasant ändern, meinen Experten. Maßnahmen müssten jetzt schon getroffen werden

Eine Spritze vor dem Omikron-Schriftzug. Symbolbild
Die Omikron-Variante könnte zu sehr vielen Infektionen führen. Experten fordern schnelle Entschedinungen von der Politik.
Quelle: Pavlo Gonchar/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Die im November entdeckte Corona-Variante Omikron breitet sich in Europa mit einer Geschwindigkeit aus, die bisher bei keiner anderen Variante des Coronavirus beobachtet wurde. In Großbritannien etwa verdoppeln sich die Omikron-Infektionen alle zwei bis drei Tage. Die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Omikron bereits am 26. November als besorgniserregende Variante eingestuft hat, rät ihren Mitgliedstaaten umgehend Maßnahmen einzuleiten, um die Verbreitung der Variante frühzeitig einzudämmen.

Modellrechnungen aus anderen Ländern zeigen eine Infektionswelle, die höher werden könnte als alle, die bisher durch die Bevölkerung gelaufen sind. Eine Variante mit einer derart schnellen Verdopplungszeit "hatte keiner auf dem Radar", meint Dirk Brockmann, Leiter der Projektgruppe Epidemiologische Modellierung von Infektionskrankheiten vom Robert Koch-Institut.

Die Verdopplungszeit ist etwa drei bis vier Mal schneller als bei bisher bekannten Varianten. Da werden sehr schnell sehr hohe Zahlen erreicht.
Dirk Brockmann, Virologe

Wie verbreitet ist Omikron in Deutschland?

Bis zum 07.12.2021 wurden in Deutschland lediglich 28 Fälle der Omikron-Variante mittels Genomsequenzierung nachgewiesen. Das Robert-Koch-institut rechnet damit, das aktuell etwa 0,2 aller Infektionen in Deutschland auf Omikron zurückgehen. Neue Daten für die aktuelle Woche werden am Mittwochabend vom RKI veröffentlicht.

Ein Blick in andere europäische Länder zeigt jedoch, wie schnell die Fallzahlen steigen können. Mit Daten aus Großbritannien und Dänemark sei die Lage besser zu beurtilen, so Brockmann. Damit könne man Schlüsse ziehen, wie es in Deutschland aussehen wird, die Frage sei nur, wann die Omikron-Welle starte. Modellrechnungen aus Großbritannien rechnen mit bis zu 400.000 bis 700.000 Infektionen pro Tag - und das trotz Maßnahmen gegen die Ausbreitung. Etwa 30 bis 40 Millionen Menschen könnten sich so infizieren.

Nach Einschätzung von Christoph Neumann-Haefelin, Leiter der Arbeitsgruppe Translationale Virusimmunologie am Universitätsklinikum Freiburg, wird sich Omikron bis Mitte Januar in Deutschland durchsetzen.

Zu stoppen ist das nicht. Ich würde mich gerne irren, aber das ist, was ich aktuell sehe.
Dirk Brockmann, Virologe

Was ist über Krankheitsverläufe bei Omikron bekannt?

Es gibt weiterhin viele offene Fragen zu der Omikron-Virusvariante. Die bisherigen Erkenntnisse ließen aber wenig Spielraum für Experimente. Man müsse sehr vorsichtig sein, dass die Gesellschaft nicht sehenden Auges in eine Katastrophe laufe, so Neumann-Haefelin.

"Wir haben noch keine systematischen Daten für Deutschland und auch nicht, wie schwer die Erkrankungen sind", sagte die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt am Mittwoch bei einem Presse-Briefing des Science Media Center. "Man kann noch nicht wirklich sicher etwas zur Krankheitsschwere bei uns sagen und wir dürfen uns auch nicht eins zu eins mit Südafrika vergleichen." Dort sei die Bevölkerung im Schnitt deutlich jünger und die bisherige Infektionsrate sehr viel höher.

Daten aus Dänemark zeigten eine Hospitalisierungsrate von 0,8 bei Infektionen mit Omikron, also die Anzahl derer, die bei einer Infektion im Krankenhaus behandelt werden müssen. Für Delta lag dieser Wert bei 0,7, also sogar etwas niedriger. Diese Zahlen seien aber mit Vorsicht zu betrachten, da sie sich noch auf sehr wenige Fälle beziehen, so Ciesek. Es gelte "zu hoffen und zu beten", dass die Krankheitsschwere sich als geringer erweise.

Omikron-Mutationen sorgen für schnelle Verbreitung - auch bei Geimpften

Omikron besitzt eine Vielzahl von Mutationen, die es der Variante ermöglichen, sich noch schneller zu verbreiten als Delta und einer bestehenden Immunität zumindest teilweise zu entkommen. Was genau die neue Gefahr der Mutation ist, hat Virologe Christian Drosten hier erklärt:

Christian Drosten, Virologe. Archivbild

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Was muss jetzt getan werden?

In dieser Frage waren sich die Experten des Presse Breifings einig: Es müsse diesmal wirklich schnell gehandelt werden, abwarten sei keine Option. Es sei - wie zu Beginn der Pandemie - wichtig, die Kurve der Infektionen flach zu halten.

Ciesek warnte, sich zu sehr auf Booster-Impfungen zu verlassen und auf die Testpflicht für Geboosterte zu verzichten.

Im Moment habe ich das Gefühl, das vermittelt wird: 'Lassen sie sich boostern und die Welt ist wieder gut.' Das ist nicht so.
Sandra Ciesek, Virologin

Auch eine Auffrischungsimpfung sei kein hundertprozentiger Schutz vor einer Infektion. Insbesondere bei Kontakt mit Risikogruppen sei Vorsicht geboten. Experten nehmen an, dass der Schutz Geimpfter vor schwerer Erkrankung bei Omikron besser sein dürfte, als der Schutz vor einer Ansteckung.

Die Politik müsse Notfallpläne auf den Tisch legen, forderte Dirk Brockmann. Er sei "sehr besorgt". Es sei bisher immer zu spät reagiert worden, das könnte jetzt ein großes Problem sein. Es müsse schon jetzt klar festgelegt werden, was passiert, wenn Omikron dominant wird. Was passiert, wenn eine bestimmte Fallzahl oder Auslastung der Krankenhäußer erreicht wird.

Auf der Illustration sind vier Kreise zu sehen. In den einzelnen Kreisen sind jeweils Pesonen rot (steht für infiziert) und blau (steht für immun).

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