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Kampf gegen die Pandemie - WHO und Corona: Zu träge, zu chinafreundlich?

Datum:

Zu intransparent, zu langsam, zu chinafreundlich: 2020 hagelte es Kritik an der Weltgesundheitsorganisation. Ein Rückblick auf die Entscheidungen der WHO während der Pandemie.

Blick auf das Logo vor einem Gebäude der WHO in Genf
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stand im Laufe der Pandemie mehrfach in der Kritik, zu langsam reagiert zu haben.
Quelle: reuters

31. Dezember 2019

Zum Jahreswechsel erhält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum ersten Mal Meldung darüber, dass im chinesischen Wuhan ein neuartiges Coronavirus ausgebrochen sei. Einige Tage später informiert sie ihre 194 Mitgliedstaaten.

30. Januar 2020

In einer Krisensitzung ruft die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand aus - das äußerste Mittel der Organisation. Durch den Notstand werden weitreichende finanzielle Mittel freigesetzt. Da eine Übertragung von Mensch zu Mensch noch nicht nachgewiesen wurde, empfiehlt die WHO, die Grenzen zu China geöffnet zu lassen. Regierungen stellt sie offen, Maßnahmen zum Schutz ihrer Bürger einzuleiten. Einen Tag später verhängt die USA ein Einreiseverbot für Reisende aus China.

In einer UN-Sondersitzung wurde Anfang Dezember über die globale Krise beraten.

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1 min
Datum:

12. März 2020

Die WHO erklärt die Ausbreitung des Coronavirus zur globalen Pandemie [Wie die Welt dagegen kämpft, verfolgen Sie in unserem Blog]. Zu spät, sagen Kritiker. Die WHO habe die beschwichtigenden Zahlen aus China zu lange ungeprüft akzeptiert. Stimmt das? Maike Voss von der Stiftung Wissenschaft und Politik kann nachvollziehen, warum die Weltgesundheitsorganisation Chinas Handhabung der Epidemie nicht in Frage stellte. "Die WHO arbeitet mit den Daten, die die Mitgliedstaaten melden und erhebt keine eigenen Daten", sagt Voss.

Der Vorwurf, sie hätte da nicht richtig hingeschaut, stimmt nicht. Sie tut das, was sie tun darf.
Maike Voss

14. April 2020

Donald Trump friert die Beitragszahlungen der USA an die Weltgesundheitsorganisation ein. Seine Kritik: Die Organisation sei zu "chinafreundlich". Die internationale Gemeinschaft kritisiert den Zahlungsstopp scharf. Andreas Wulf von der Hilfsorganisation medico international hält Trumps Beschluss gar für ein Ablenkungsmanöver:

Ich sehe das ganz klar als eine innenpolitische Auseinandersetzung, die Trump mit seinen Kritikern führt.
Andreas Wulf

Diese würden dem Präsidenten vorwerfen, die Bedrohungslage falsch eingeschätzt zu haben. "Jetzt sucht er einen anderen Schuldigen."  

Das Video aus dem April thematisiert Trumps Kritik an der WHO.

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4 min
Datum:

6. Juli 2020

Die USA treten offiziell aus der WHO aus. Wirksam wird dieser Schritt genau ein Jahr später, am 6. Juli 2021. Aus der internationalen Gemeinschaft hagelt es erneut Kritik an Trumps Entscheidung. Denn damit verliert die WHO mitten in der Pandemie einen ihrer größten Geldgeber.

Aber auch die Finanzierung der Organisation steht in der Kritik - Angriffsfläche bietet sie durchaus. Nur 20 Prozent ihrer Einnahmen bezieht die WHO aus den Beiträgen ihrer Mitgliedstaaten. Der Rest sind Spenden - etwa von privaten Geldgebern, Stiftungen oder Staaten. Darin sieht Thomas Gebauer von der Hilfsorganisation medico international ein Problem:

Die WHO tritt nicht stark genug für die Interessen ein, die sie eigentlich vertreten müsste: Sie müsste in der Forderung einer unabhängigen Finanzierung eine lautere Stimme haben.
Thomas Gebauer

August und September 2020

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der WHO, warnt während der Sommermonate davor, die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus vorschnell zu lockern. Die Lage in Westeuropa sei momentan zwar stabil, aber eine zweite Welle wahrscheinlich.

Damit Menschen gegen Corona geimpft werden können, müssen viele klinische Studien durchgeführt werden. Und dafür braucht es Freiwillige.

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2 min
Datum:

20. November 2020

Ein Dämpfer für die Virusbekämpfung: Die WHO rät explizit davon ab, Corona-Patienten mit Remdesivir zu behandeln. Erst im Juli hatte das Medikament in Deutschland als erstes Arzneimittel überhaupt die Zulassung erhalten, um spezifisch gegen Covid-19 eingesetzt werden zu dürfen. Eine groß angelegte Studie der WHO ließ den Hoffnungsschimmer jedoch erlöschen: Es gebe keine Hinweise auf die Wirksamkeit, so die Organisation.

Fazit: Wie sah sie nun also aus, die Rolle der WHO in der globalen Ausnahmesituation? Fakt ist: Mit konkreten Impulsen zur Stabilisierung hat die Organisation 2020 vergleichsweise selten auf sich aufmerksam gemacht.

Stattdessen geriet sie in die Kritik, nicht schnell genug reagiert zu haben und bot somit eine teils willkommene Angriffs- und Projektionsfläche für die politische Bühne eines überhitzten Jahres.

Logo der Weltgesundheitsorganisation WHO

Nachrichten | Politik -
Die Krise der WHO in der Corona-Pandemie
 

Die Pandemie hat Unzulänglichkeiten des Systems WHO aufgezeigt: Erst spät kam die Meldung aus China, das Agieren der Weltgesundheitsorganisation zunächst zögerlich.

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