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#Corona-Protokolle: Pflegekräfte - "Schon am Limit, bevor es Corona gab"

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Fast ein Drittel der Pflegekräfte denkt aktuell über den Berufsausstieg, kurz "Pflexit", nach. Vier Pflegekräfte erzählen, was ihren Alltag so schwierig macht.

Ein Bericht von der Lungen-Intensivstation der Uniklinik Homburg.

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2 min
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Michael*, Intensivpfleger, Hessen:

"Die Intensivstation ist ein anstrengendes Feld, man wählt es bewusst. Aber durch die Corona-Pandemie stößt man selbst als Mitte 30-Jähriger an seine Grenzen. Teils müssen wir Patienten mehrfach am Tag vom Rücken auf den Bauch und zurück drehen, sie sehr engmaschig überwachen, ständig die Beatmung nachjustieren.

Zusätzlich immer in der Schleuse die Schutzkleidung an und aus, damit man andere Patienten nicht kreuzkontaminiert. Trotz aller Vorsicht haben ich und andere Kollegen uns Ende 2020 bei der Reanimation eines Patienten angesteckt. Mir geht es wieder gut, doch einige Kollegen mussten sogar auf der Intensivstation behandelt werden und sind bis heute nicht fit.

Das Gitter eines geschlossenen Friseursalons in Pforzheim ist heruntergelassen.

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Das macht einen auch psychisch fertig, genauso wie die Patientenschicksale: Wir haben welche liegen, die eigentlich noch in der Blüte ihres Lebens sind und dann aus dem Leben gerissen werden. Das macht schon was mit einem, wenn so ein Mensch stirbt, obwohl wir alles gegeben haben. Mich stört auch der gesellschaftliche Blick auf uns: Es wird wie selbstverständlich erwartet, dass wir den Karren aus dem Dreck holen. Aber wenn die Belastung nicht abnimmt, wollen wir diesen Job, den wir eigentlich lieben, bald nicht mehr machen."

Edith*, ehem. Krankenpflegerin, Sachsen/Bayern:

"Ich habe Anfang des Jahres den "Pflexit" gemacht und arbeite jetzt in der EDV. Dabei war ich zuletzt nicht "im Auge des Sturms", der Intensivstation, sondern in der Wochenbettpflege für Mütter. Doch auch solche Bereiche sind von der Pandemie betroffen: Durch die Besuchsverbote mussten wir alles, was sonst Angehörige machen, abfangen. Und es kamen auch infizierte Frauen zu uns. Für die mussten Kollegen abgestellt werden, was den Workload auf der restlichen Station erhöht hat.

Einige Patientinnen haben sich partout nicht an die Schutzmaßnahmen gehalten – sodass sich Pflegekräfte angesteckt haben und in Quarantäne mussten. Das hat die Personalnot noch verschärft. Die ist seit Jahren so groß, dass man oft im Urlaub angerufen wurde, um auszuhelfen. Das hat mich fertig gemacht."

Und dann das Klatschen, die Plätzchen und ein Pandemie-Bonus, den nicht mal alle bekommen haben. Dieser Umgang mit uns hat mir den letzten Glauben an eine bessere Perspektive genommen.
Edith*, ehem. Krankenpflegerin, Sachsen/Bayer

Kathrin, ehem. Intensivpflegerin, Nordrhein-Westfalen:

"Ich bin zu Jahresbeginn ausgestiegen. Denn in der Pandemie wurde an vielen Stellen völlig ignoriert, dass wir auch Menschen sind, die geschützt werden müssen. Statt auf der Intensiv arbeite ich jetzt in einem Bürojob im Homeoffice - und verdiene dabei sogar besser. Was sich ändern müsste, damit nicht mehr so viele von uns den "Pflexit" machen?

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1 min
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Mehr Kollegen: Die Personalschlüssel müssten weniger auf Kante genäht sein, um so was wie eine Pandemie abfangen zu können, dann bessere Bezahlung. Es kann nicht sein, dass viele mit unter 3.000 Euro brutto rausgehen, bei der Verantwortung und dem Druck, den wir tragen. Wir brauchen auch mehr Karriereoptionen: Nach der Fachpflegeausbildung ist für viele Schluss und es gibt keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten mehr, selbst wenn man studiert hat. Das muss mehr anerkannt und honoriert werden. Und wir brauchen flexiblere Arbeitszeitmodelle: Damit auch Eltern in dem Job arbeiten können. Digitalisierung der Krankenhaus-Dokumentation: Damit sie schneller geht und wir wieder mehr Zeit am Patienten haben."

Sandra, Pflegerin in der Psychiatrie, Baden-Württemberg:

"Wir gingen alle schon am Limit, bevor es Corona gab. Ich bin direkt nach der Ausbildung aus dem Krankenhaus ausgestiegen, weil ich mehrere Burn-Outs hatte. Kein Wunder - ich war damals in der Kardiologie allein für 14 Patienten zuständig. Also bin ich in die Psychiatrie gewechselt, in Teilzeit. Aber auch in solchen Bereichen brennt der Kittel! Viele Einrichtungen laufen gerade über, womöglich als Folge des Lockdowns - ich weiß es nicht.

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*Name von der Redaktion geändert

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