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Interview

Streitgespräch - Sind Corona-Impfungen an Schulen sinnvoll?

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Einige Bundesländer sind mit mobilen Impfteams an Schulen unterwegs. Setzt das Jugendliche unter Druck? Gehören medizinische Angebot in Arztpraxen?

Jakob Maske vom Berufsverband Kinder- und Jugendärzte trifft im moma duell auf Heinz-Peter Meidinger vom Lehrerverband

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Seit der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission für die 12- bis 17-Jährigen hat die Nachfrage in dieser Altersgruppe deutlich zugenommen. Die Quote vollständiger Impfungen liegt aber noch unter 20 Prozent. Die Regierungen einiger Bundesländer wollen das Impfen nun durch Angebote an den Schulen beschleunigen - dort, wo die Kinder und Jugendlichen direkt erreichbar sind. Kinder können in der Regel ab 14 oder spätestens ab 16 Jahren auch selbst entscheiden.

Aber sollten Kinder nicht besser zu ihrem eigenen Arzt gehen? Und entsteht für die Einzelnen nicht enormer Druck oder Gruppenzwang an den Schulen, bei einer Entscheidung, die freiwillig bleiben sollte? Braucht es überhaupt eine hohe Impfquote bei Kindern?

Darüber diskutieren der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger und Verbandssprecher der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, im ZDF-Morgenmagazin.

Seit die StiKo die Impfung auch für Über-12-Jährige empfiehlt, steigt die Nachfrage.

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ZDF: Herr Meidinger, wie wollen Sie verhindern, dass Kinder unter Druck geraten? Oder finden Sie Druck sogar gut?

Heinz-Peter Meidinger: Nein, ich glaube, Druck ist nie gut. Ich glaube aber, man unterschätzt auch unsere Kinder und Jugendlichen. Die setzen sich schon seit längerem mit diesem Problem auseinander. Sie tauschen sich übrigens auch aus untereinander. Deshalb ist es nicht davon abhängig, ob jetzt das Impfangebot an der Schule ist oder nicht.

ZDF: Herr Maske, kann man Gruppenzwang nicht durch klare Ansprache hinsichtlich Freiwilligkeit entgegenwirken?

Jakob Maske: Nein. Ich glaube, dass der Gruppenzwang in der Klasse auf jeden Fall da ist. Es gibt auch überhaupt gar keinen Grund, das in die Öffentlichkeit zu tragen.

Die Impfungen können beim Kinder- und Jugendarzt oder auch beim Allgemeinmediziner stattfinden.
Jakob Maske, Verbandssprecher der Kinder- und Jugendärzte

Es ist überhaupt nicht einsehbar, dass der öffentliche Gesundheitsdienst - der auch jetzt schon seine Aufgaben nicht mehr vollständig wahrnehmen kann, sogar seine gesetzlichen Aufgaben - hier noch zusätzlich belastet wird durch Impfungen in Schulen. Das ist wirklich Blödsinn. Der schafft die Eingangsuntersuchung schon nicht mehr.

Da könnte man auch nach Impfungen fragen. Hier wird zwar abgefragt, ob Impfungen gemacht werden, aber sie werden nicht nachgeholt. Auch hier schafft der öffentliche Gesundheitsdienst nicht, zu impfen. Wieso soll man jetzt noch Impfmobile in die Schulen bringen? Sollen wir doch erst einmal die Aufgaben lösen, die bisher noch anstehen.

Sinnvoll oder riskant?

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ZDF: Verstoßen Impfmobile nicht gegen eine wichtige Schutzpflicht für die Kinder?

Meidinger: Nein, ich glaube überhaupt nicht. Also das große Ziel muss doch sein - und da sind wir uns alle einig - , dass wir vollständigen Schulbetrieb im Herbst sicherstellen. Und da ist die Impfung ein ganz wichtiger Punkt für mehr Sicherheit an Schulen.

Wir haben jetzt erst seit kurzem diese allgemeine Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Das heißt, es gibt hier eine ganz große Nachfrage, und es ist ja keinem Elternteil, keinem Kind verwehrt, trotzdem zum Hausarzt zu gehen, zum Kinderarzt oder auch ins Impfzentrum. Aber um diese Quote schnell zu erhöhen, um diese Impfbereitschaft abzurufen, glaube ich, ist es ganz wichtig, dass wir an Schulen zusätzliche Angebote schaffen.

Das ist auch kein öffentlicher Raum mehr. Da gibt es ein Impfmobil, das übrigens dann auch vor der Schule oder nach der Schule besucht werden kann. Und es wird in keiner Weise ein Druck ausgeübt auf die Kinder und Jugendlichen.

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ZDF: Herr Maske, wenn denn außerhalb der Schule in Begleitung der Eltern geimpft werden würde, wären Sie dann einverstanden?

Maske: Natürlich ist es eine empfohlene Impfung. Wir impfen schon lange auch Jugendliche, die das wollen, auch vor der Stiko-Empfehlung. Die hat es ja auch schon vorher freigegeben, und insofern haben wir auch vorher schon geimpft. Und ich möchte auch noch einmal ganz deutlich widersprechen. Die Impfung darf überhaupt gar kein Grund sein, Schulen offen zu halten. Überhaupt nicht.

Also man muss klarstellen, dass Schulen offen bleiben müssen und auch Kitas offen bleiben müssen, ganz unabhängig vom Impfstatus. Das geht überhaupt nicht, dass wir die Jugendlichen jetzt hier wieder unter Druck setzen: Wenn ihr euch nicht impfen lasst, dann werden die Schulen geschlossen.

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ZDF: Herr Meidinger, sind Kinder in Praxen nicht besser aufgehoben?

Meidinger: Man muss festhalten, es gibt eine allgemeine Impfempfehlung. Das heißt, es ist eindeutig klar, dass die Risiken einer Erkrankung erheblich größer sind als die Risiken einer Impfung. Und ich glaube, die Eltern und Kinder setzen sich damit ja auch auseinander. Es ist eben nicht so, dass da jetzt ein Druck da ist, sondern die sind sehr rational.

Das ist natürlich auch ein Schein für mehr Freiheiten. Die wissen ganz genau, dass ein Impfnachweis durchaus mal wichtig werden kann. Und es hat Auswirkungen auf den Schulbetrieb. Ich muss Herrn Maske ausdrücklich widersprechen - wenn wir eine hohe Impfquote haben unter Jugendlichen, haben wir weniger Infektionsfälle. Haben wir weniger Quarantäne-Fälle, müssen wir auch weniger Kinder in Quarantäne schicken.

Das hat massive Auswirkungen, auch auf die Sicherheit des Schulbetriebs, ob wir viele Impfungen haben oder wenige.
Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes

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ZDF: Können Sie das nachvollziehen, Herr Maske?

Maske: Nein, absolut nein. Es ist nicht nachvollziehbar, dass wir jetzt die Jugendlichen schon wieder unter Druck setzen und sagen: Wenn ihr euch nicht impft, machen wir die Schulen zu. Das ist nicht nachvollziehbar.

Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass man sagt: Ihr werdet in euren Freiheiten eingeschränkt, wenn ihr euch nicht impfen lasst. Das ist für Jugendliche nicht nachvollziehbar. Sie werden unter Druck gesetzt. Und die Impfungen für die Jugendlichen bringt zwar einen kleinen Vorteil, aber eben keinen großen Vorteil.

Warum die Politik hier nicht mehr Druck auf die Erwachsenen, die sich nicht impfen lassen, ausübt, ist aus meiner Sicht und der unseres Berufsverbandes völlig unverständlich. Und dass sich jetzt auch die Pädagogen schon in die Medizin einmischen und das besser wissen, das ist auch letztendlich ein bisschen so, wie wenn sich Politiker einmischen.

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