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Zum Schutz der Infrastruktur - Quarantäne verkürzen wegen Omikron?

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Die Omikron-Welle nimmt nun auch in Deutschland Fahrt auf. Um die kritische Infrastruktur aufrechtzuerhalten, wird über eine Verkürzung der Quarantäne diskutiert. Ist das ratsam?

Quarantäne in Niederbayern
Kürzere Quarantäne, um personelle Engpässe in wichtigen Bereichen zu vermeiden?
Quelle: dpa

Noch ist die vielfach beschriebene "Wand" aus Omikron-Infektionen nicht in Deutschland angekommen. Eventuell liegt das aber auch nur an den verzögerten Meldewegen über die Weihnachtsfeiertage. Ein Blick ins Ausland zeigt: Omikron treibt die Infektionszahlen in vorher ungekannte Höhen.

Omikron wird zum Risiko für Infrastruktur

Anders als bei vorherigen Corona-Wellen scheint das Hauptproblem diesmal nicht die Schwere der Covid-19-Erkrankungen oder ein gar tödlicher Verlauf zu sein. Es ist vielmehr die schiere Masse an Krankheitsfällen, die die Infrastruktur belasten könnte.

Zusätzlich müssen aktuell Kontaktpersonen zu Omikron-Fällen in Quarantäne. Auch diese Menschen fehlen dann als Personal, etwa in Kliniken oder Betrieben. In Großbritannien und in den USA wird bereits das Krankenhauspersonal knapp, in New York fehlten letzte Woche 2.700 Polizisten. Weltweit sind Tausende Flüge ausgefallen, weil kein Personal verfügbar war. Auch die Krankenhäuser in Frankreich arbeiten am Rande der Kapazität.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat sich vor diesem Hintergrund dafür ausgesprochen, über eine Verkürzung der Corona-Quarantänezeit nachzudenken. Man müsse sich das genau anschauen, auch mit Bezug auf die kritische Infrastruktur, sagt der CSU-Politiker im ZDF-Morgenmagazin. Er erwarte dazu sehr zeitnah Vorschläge vom Robert-Koch-Institut.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, CSU, plädiert für die zeitnahe Umsetzung einer allgemeinen Impfpflicht und "Konsequenzen, wenn man sie nicht einhält".

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Überarbeitung der Quarantäne-Regeln gefordert

Zuvor hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das Thema bereits ins Spiel gebracht: "Die aktuell gültigen Quarantäne-Regeln bedürfen mit Blick auf eine mögliche explosionsartige Verbreitung von Omikron einer Überarbeitung - wir können nicht das ganze Land in Quarantäne schicken", sagte er der "Welt am Sonntag".

Der Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Sepp Müller (CDU), hat vorgeschlagen, dass Menschen sich bereits nach fünf Tagen "freitesten" können sollen, um eine Massenquarantäne zu verhindern.

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USA halbieren Quarantänezeit für symptomfreie Infizierte

In den USA wurde genau das bereits von der Gesundheitsbehörde CDC beschlossen: Dort wird die Quarantänezeit für symptomfreie Infizierte halbiert. Wer positiv auf das Virus getestet, aber beschwerdefrei ist, muss künftig nur noch fünf statt zehn Tage in Quarantäne.

Die Entscheidung sei eine Reaktion auf die Omikron-Variante, deren Ausbreitung "alle Teile unserer Gesellschaft" zu beeinträchtigen drohe, erklärte CDC-Chefin Rochelle Walensky. Die Behörde schlägt in ihren neuen Richtlinien auch vor, dass der fünftägigen Quarantäne eine fünftägige Sicherheitsphase folgen sollte, in der die Betroffenen in Gegenwart anderer eine Schutzmaske tragen.

Am Wochenende wurden in den USA jeweils mehr als 200.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet.

Virologe: Omikron-Welle wird Risikoabwägung

Genaue Daten darüber, wie lange man nach einer Infektion mit der Omikron-Variante ansteckend ist, gibt es noch nicht. Es ist aber bekannt, dass zum Höhepunkt der Ansteckungsgefahr die Virenlast höher ist als bei anderen Varianten, so der Frankfurter Virologe Martin Stürmer auf Anfrage von ZDFheute.

Sollte die Dauer der Ausscheidung infektiöser Partikel bei Omikron insgesamt kürzer sein, könne man eine Verkürzung der Quarantäne gegebenenfalls verantworten, so Stürmer.

Es ist wie immer: Hundertprozentige Sicherheit wird es nicht geben, es ist eine Risikoabwägung von Lahmlegen des öffentlichen Lebens durch zu lange Quarantäne, versus Gefahr von neuen Ausbrüchen durch zu kurze.
Martin Stürmer, Virologe

Bundesregierung will "schrittweise" reagieren

Die Bundesregierung strebt wegen Omikron derzeit noch keine Lockerung der Quarantäne-Regeln an, hält aber Änderungen für möglich. "Im Moment besteht dazu kein Anlass", sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Montag in Berlin.

In der Pandemie müsse "schrittweise" auf Entwicklungen reagiert werden. Die Ampel-Koalition äußerte sich zuversichtlich, die angepeilte Impfquote von 80 Prozent nun bis Ende Januar zu erreichen.

Auf der Illustration sind vier Kreise zu sehen. In den einzelnen Kreisen sind jeweils Pesonen rot (steht für infiziert) und blau (steht für immun).

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