Sie sind hier:

"Querdenken"-Strömungen - Politologe warnt vor "Corona-RAF"

Datum:

In der "Querdenken"-Bewegung treffen ganz unterschiedliche Strömungen aufeinander. Der Terrorismus-Experte Peter Neumann warnt vor einer extremistischen, gewaltbereiten Abspaltung.

Seit Monaten demonstriert die Bewegung auf den Straßen gegen die Corona-Maßnahmen. Doch wie radikal sind die "Querdenker"-Proteste?

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Der Terrorismus-Experte Peter Neumann vom Londoner King's College hält die Abspaltung einer gewaltbereiten Gruppe aus der "Querdenken"-Bewegung für möglich.

Neumann hält "Corona-RAF" für möglich

Zwar gebe es in der "sehr heterogenen Bewegung" einzelne Strömungen, die durchaus legitime Bedenken gegen staatliche Maßnahmen im Kampf gegen Corona vorbrächten, sagte der Politikwissenschaftler.

Es könnte aber eine kleine extremistische Minderheit geben, die ins Gewaltbereite abdriftet und schließlich eine Art "Corona-RAF" gründen, sagte er.

Auch der Protestforscher Edgar Grande beobachtet seit Monaten "Querdenken" und die Proteste gegen die Corona-Politik. Er sagte gegenüber ZDFheute, die "Querdenken"-Demonstrationen hätten inzwischen einen radikalen Kern, der auch bezifferbar sei: Er liege bei etwa zehn Prozent. Die "Querdenken"-Szene im Ganzen sei zwar nicht radikal. Doch dieser harte Kern trete offensichtlich sehr viel radikaler in Erscheinung, als das in der Vergangenheit der Fall gewesen sei.

"Querdenken"-Demonstration in Leonberg. Archivbild

Protestforscher zu "Querdenken" -
Vernetzt mit Verfassungsfeinden
 

Der Verfassungsschutz beobachtet den ersten "Querdenken"-Ableger. Ein Protestforscher hält den Gründer Michael Ballweg als Leitfigur für "verbrannt".

AfD-Verbindungen "eine Einbahnstraße"

Die AfD versuche derzeit "fast schon verzweifelt", sich an die "Querdenker"-Bewegung dranzuhängen, sagt der Terrorismus-Experte Neumann. Doch die Gegner der staatlichen Corona-Maßnahmen bräuchten die AfD "derzeit nicht wirklich", die Verbindungen seien derzeit "eine Einbahnstraße" von der Partei in die Bewegung hinein.

Die Verbindungen zwischen AfD und Pegida seien von Anfang an viel stärker gewesen. Die AfD müsse auch aufpassen, die letzten bürgerlichen Reste in ihren Reihen nicht durch eine zu große Nähe zu den "Querdenkern" zu vergraulen, sagte er.

"Größere Bedrohungslage" islamistischer Anschläge

Nach den islamistisch motivierten Anschlägen in Paris, Nizza und Wien sieht Neumann aktuell eine größere Bedrohungslage für solche Anschläge als noch vor ein, zwei Jahren. Allerdings sei das Risiko immer noch deutlich geringer als vor fünf bis sechs Jahren.

Damals habe es mit dem Islamischen Staat (IS) eine Organisation gegeben, die im Nahen Osten ein großes Territorium hatte, um dort Terroristen auszubilden. Da das "vermeintlich tausendjährige Reich" des IS kollabiert sei, habe es bei den Islamisten eine gewisse Sinnkrise gegeben. Diese sei aber vorbei.

Generell erwartet Neumann, dass die Polarisierung in der Politik momentan schon wieder rückläufig ist - auch in Deutschland. Die populistischen Strömungen hatten durch die Flüchtlingskrise ab 2015, durch den Brexit, durch die Wahl von Donald Trump in den USA oder Boris Johnson in Großbritannien einen Auftrieb erlebt: "Aber dieser 'Siegeszug' scheint mir vorbei", sagte der Experte für Radikalisierungstendenzen.

Der "Drang zu den Rändern" habe aufgehört." Die Wähler hätten nun erlebt, dass die gewählten Populisten "vor allem als Sprücheklopfer gut sind".

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.