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Massive Kritik an Beschlüssen - Kirchen "überrascht", Handwerk schockiert

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Nach den Corona-Beschlüssen hagelt es Kritik: "Wut, Ärger, Verzweiflung" - so umschreibt die Tourismusbranche ihre Stimmung. Die Kirchen fühlen sich überrumpelt - der Handel warnt.

Mit den neuen Corona-Beschlüssen haben Bund und Länder einen harten Kurs für die Osterfeiertage eingeschlagen. Theo Koll mit einer Einschätzung zu den Entscheidungen aus Berlin.

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Über die Ostertage soll ein verschärfter Shutdown gelten, die derzeit eingesetzten Maßnahmen zur Corona-Eindämmung werden bis zum 18. April fortgeführt - darauf haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder in der Nacht zum Dienstag geeinigt. Doch seit Verkündung der Beschlüsse hagelt es von vielen Seiten massive Kritik.

Tourismusverband: Stimmungslage dramatisch

So reagierte der Deutsche Tourismusverband (DTV) mit Unverständnis auf den beschlossenen Oster-Shutdown. "Wut, Ärger, Verzweiflung – damit kann man es eigentlich umschreiben", sagt der stellvertretende DTV-Hauptgeschäftsführer Dirk Dunkelberg dem Radiosender SWR. Die Stimmungslage in der Branche sei dramatisch. Es gebe immer noch keinen Plan der Politik für eine Öffnungsstrategie. Dunkelberg kritisiert, dass die Bund-Länder-Runde Möglichkeiten wie den kontaktarmen Urlaub in Ferienwohnungen und Wohnmobilen völlig außer Acht gelassen habe.

Während Intensivmediziner die verschärften Corona-Regeln begrüßen, gibt es heftige Kritik von der Opposition. Auch die Wirtschaftsverbände sind besorgt und fürchten immense Folgen.

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Dunkelberg äußert darüber hinaus Unverständnis, dass Reisen ans Mittelmeer möglich seien, die Vermietung von Ferienwohnungen etwa im Schwarzwald aber verboten blieben. "Das kann man eigentlich nicht mehr wirklich ernsthaft begründen."

Kirchenvertreter: Wollen auf Messe nicht verzichten

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, fühlt sich von den Beschlüssen überrumpelt. "Wir sind überrascht worden. Ostern ist das wichtigste Fest für uns, Gottesdienste sind kein Beiwerk", sagte Bätzing in einem Tweet, den die Bischofskonferenz bei Twitter veröffentlichte.

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"Zu Weihnachten haben wir gezeigt, wie wir mit Vorsicht Messe feiern können. Darauf wollen wir Ostern nicht verzichten." Darüber wolle man nun Gespräche mit den Regierungen von Bund und Ländern führen, kündigte der Limburger Bischof an.

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht Gesprächsbedarf. "Der Beschluss des Corona-Gipfels hat uns sehr überrascht, zumal davon das wichtigste Fest der Christen betroffen wäre", erklärte Bedford-Strohm.

Wir werden uns in den von der Bundeskanzlerin angekündigten Gesprächen zunächst genau erläutern lassen, warum die bewährten Hygieneschutz-Maßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdiensten haben, nun nicht mehr ausreichen sollen.
Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland

Handel: "Lage bei vielen Händlern verzweifelt"

Auch der Handelsverband Deutschland reagierte mit scharfer Kritik auf die Verlängerung der Beschränkungen bis Mitte April. "Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus", sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Sie konzentrierten sich auf Infektionszahlen, nicht aber auf die tatsächliche Infektionsgefahr beim Einkaufen. Diese sei gering. Der Handel rechnet mit erhöhtem Kundenandrang in Lebensmittelmärkten am Mittwoch und Samstag vor Ostern. Die vereinbarte Schließung am Gründonnerstag sei daher kontraproduktiv, teilte der Handelsverband weiter mit.

In der Hoffnung, die Corona-Zahlen zu senken, haben Bund und Länder sich auf verschärfte Maßnahmen über die Osterfeiertage geeinigt. Der Shutdown wird bis zum 18. April verlängert.

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Der Branchenvertreter fordert, alle Geschäfte wieder zu öffnen und dabei Hygienekonzepte strikt einzuhalten. Im Nicht-Lebensmittelhandel hinterlasse der seit drei Monaten andauerende Lockdown tiefe Spuren. Gut jeder zweite Händler von Bekleidung, Schuhen und Lederwaren sehe sich in Insolvenzgefahr.

Nach einem Jahr mit Corona ist die Lage bei vielen Händlern verzweifelt, vielerorts gibt es keine Hoffnung mehr, diese Krise wirtschaftlich überstehen zu können.
Stefan Genth, Handelsverband Deutschland

Das Aus für viele Betriebe ihrer Branche fürchten auch die Autohändler. "Wir können und dürfen nicht warten, bis die Pleitewelle rollt. Die Politik muss Handlungswege aufzeigen und darf unser Land nicht länger stilllegen", sagte Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Viele Existenzen im mittelständischen Kraftfahrzeuggewerbe stehen auf dem Spiel."

Handwerk warnt vor Zusammenbruch von Betrieben

Ähnlich sieht das auch das Handwerk: Angesichts steigender Infektionszahlen sei die Shutdown-Verlängerung zwar nicht überraschend, teilte der Zentralverband des Deutschen Handwerks in Berlin mit. Sie sei aber für viele Handwerksbetriebe ein großer Schock.

Damit mag ein Kollaps des Gesundheitssystems vermieden werden. Ein breitflächiger Betriebe-Kollaps wird jedoch immer wahrscheinlicher.
Zentralverband des Deutschen Handwerks

Viele Betriebe würden wegen eines fehlenden Planungshorizontes und stockender oder unzureichender Überbrückungshilfen nicht überleben können. Der Verband lobte zugleich, dass die Bundesregierung weitere Hilfen für besonders schwer und über lange Zeit betroffene Betriebe entwickeln will.

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von Tim-Julian Schneider

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