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Vor dem Bund-Länder-Treffen - Corona-Regeln: Auf diese Zahlen kommt es an

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Wie lange bleibt Deutschland im Shutdown? Wo wird gelockert, wo vielleicht sogar verschärft? Auf dieser Zahlengrundlage entscheiden Bund und Länder am Mittwoch darüber.

Bund-Länder-Treffen, Lockdown
Deutschland ist im Shutdown - wie lange noch?
Quelle: ZDF/epa

Neuinfektionen, Intensivpatienten, Todesfälle - es gibt viele Zahlen, die beschreiben, wie schwer Corona ein Land trifft. Für die Corona-Regeln ist aber bisher eine maßgeblich: die Sieben-Tage-Inzidenz.

Das Infektionsschutzgesetz legt fest, dass bei mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern in sieben Tagen "umfassende Schutzmaßnahmen" zu ergreifen sind. Wird dieser Wert in ganz Deutschland überschritten, sollen die Corona-Regeln "bundesweit abgestimmt" werden.

Aktuell liegt die Inzidenz im bundesweiten Schnitt über 50. Seit 11. Januar sinkt sie aber, laut Robert-Koch-Institut (RKI) aktuell auf knapp 73.

Der Rückgang ist in allen Bundesländern zu beobachten: Am stärksten in Sachsen, wo die Corona-Lage zuletzt besonders schlimm war. Am wenigsten in Bremen, das seit Mitte Januar um eine Inzidenz von 80 pendelt.

Aktuell haben alle Bundesländer noch eine Inzidenz von mehr als 50, doch auf Kreisebene sieht es zum Teil deutlich besser aus. Die folgende Karte basiert auf Daten des Thinktanks Risklayer, die aktueller als die des RKI sind:

95 der 401 Kreise und Städte in Deutschland verzeichnen weniger als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Davon kommen 34 sogar auf eine Inzidenz von höchstens 35 - und unterschreiten damit den ersten Schwellenwert, ab dem das Infektionsschutzgesetz "breit angelegte Schutzmaßnahmen" fordert. Am besten steht Dithmarschen in Schleswig-Holstein mit einer Inzidenz von 16 da (Stand: 9. Februar, 21:50 Uhr).

[Einen Überblick, wo die Inzidenz steigt, wo sie sinkt und wie es bei Ihnen aussieht, finden Sie in unserem Live-Tracker für die Kreise.]

Auch bundesweit könnten die Corona-Obergrenzen bald wieder eingehalten werden: Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, wird laut einer Berechnung der Universität Saarbrücken Mitte Februar im Deutschland-Schnitt eine Inzidenz von maximal 50 erreicht, um den 10. März herum eine Inzidenz von 25.

Corona-Varianten breiten sich in Deutschland aus

Alles gut also? Leider nicht, denn Mutationen machen das Coronavirus gefährlicher. Drei Varianten stehen im Fokus, alle wurden in Deutschland nachgewiesen:

  • B.1.1.7: Die britische Variante ist ansteckender. Impfstoffe wirken gegen sie aber wohl genauso gut wie gegen den Wildtyp, also das ursprüngliche Coronavirus.
  • B.1.351: Die südafrikanische Variante gilt ebenfalls als ansteckender. Zudem schützen Impfstoffe nicht so gut vor ihr. Auch Menschen, die schon eine Covid-Infektion durchgemacht haben, können sich wohl nochmal anstecken.
  • P.1: Die brasilianische Variante könnte wie die südafrikanische ansteckender und gefährlich auch für Genesene und Geimpfte sein.

Laut RKI ist von den Varianten die britische in Deutschland am verbreitetsten. Sie macht nach offiziellen Angaben knapp sechs Prozent der Corona-Fälle aus - allerdings Stand 29. Januar. Regionale Daten zeigen, dass der Anteil der Mutanten inzwischen deutlich höher liegen dürfte:

  • Das Labor Becker und Kollegen hat im Raum München vom 5. bis 7. Februar in 30,9 Prozent der positiven Corona-Proben Mutanten nachgewiesen.
  • Das Land Baden-Württemberg veröffentlicht regelmäßig Fallzahlen der Corona-Varianten. Auf dieser Grundlage schätzt der Datenwissenschaftler Cornelius Roemer deren Anteil an allen Fällen auf etwa zwölf Prozent.
  • Für Köln hat Roemer einen Anteil der britischen Variante von etwa 12,5 Prozent errechnet, die südafrikanische kommt demnach auf 4,7 Prozent.
  • Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schätzt den Anteil der Mutanten-Fälle bundesweit auf etwa 20 Prozent.

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Tausende Fälle in ganz Deutschland

Roemer hat ein Crowdsourcing-Projekt gestartet, das Meldungen über Mutanten-Nachweise aus ganz Deutschland sammelt. Daran beteiligt sich auch der Thinktank Risklayer. Aktuell finden sich in der Datenbank mehr als 3.500 Fälle (Stand: 9. Februar, 21:50 Uhr), alle Bundesländer sind vertreten. Am verbreitetsten ist demnach die britische Variante. Die südafrikanische Variante macht den Beobachtungen zufolge jeden 10. bis 20. Mutanten-Fall aus, die brasilianische kommt in Deutschland nur vereinzelt vor.

Klar ist: Die Corona-Varianten sind in Deutschland angekommen und breiten sich aus. Experten warnen daher davor, die Corona-Regeln bei einer Inzidenz von 50 zu lockern und sehen eher 25 oder sogar 10 als Zielmarke. Professor Thorsten Lehr von der Uni Saarbrücken spricht sich dafür aus, "die Fälle komplett runterzufahren". Lockerungen seien wegen der Mutanten derzeit nicht verantwortbar, erklärte er in ZDFheute live.

Prof. Dr. Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes stellt den von ihm und seinem Team entwickelten Corona-Simulator vor und diskutiert mit FDP-Chef Christian Lindner.

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7 min
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Denn durch die ansteckenderen Corona-Varianten könnten die Fallzahlen schnell wieder ansteigen. "Der Lockdown reicht nicht aus, um die Mutanten aufzuhalten", analysiert Roemer. "Die Varianten nehmen stärker zu als der Wildtyp abnimmt." Und SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach prognostiziert: "Fallzahlen sinken bis Ende Februar, dann dritte Welle."

Fazit: Die Inzidenz sinkt seit einem knappen Monat. Allerdings hat noch kein Bundesland die 50er-Marke erreicht - für Lockerungen ist es demnach also noch zu früh. Zudem stellen die neuen Corona-Varianten die alten Messgrößen in Frage - Experten sind sich sicher, dass sie sich schneller ausbreiten und ihr Anteil in Deutschland weiter wachsen wird.

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