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Skepsis vor Sputnik V : Warum die Russen ihren Impfstoff nicht wollen

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Sputnik V wird in Russland bereits seit vielen Monaten verimpft. Doch die Akzeptanz des eigenen Corona-Impfstoffs ist im Land nicht besonders hoch, so ZDF-Korrespondent Semm.

FILE PHOTO: File labelled "Sputnik V coronavirus disease (COVID-19) vaccine
Ampulle mit Sputnik V und Spritze
Quelle: zdf

Sie wollten unbedingt die Ersten im Impfwettlauf sein, so kam Sputnik V bereits auf den Markt, bevor die Tests für Wirksamkeit und Sicherheit vollständig abgeschlossen waren. Seitdem kämpft Russland mit Skepsis und Verunsicherung gegen das eigene Vakzin. "Die Skepsis gegenüber Sputnik V war von Anfang an sehr groß", berichtet der Russland-Korrespondent des ZDF, Christian Semm.

Nachdem im Februar in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "The Lancet" eine Studie veröffentlicht wurde, die dem Impfstoff eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent bescheinigte, erhöhte sich zumindest das internationale Ansehen. Wobei einige Forscher*innen, die die Studienergebnisse nicht überprüfen konnten, die Nachvollziehbarkeit der Studiendaten anzweifeln.

Mehr Angst vor Impfstoff als vor Covid-19

Bei den Russ*innen hätte die Studie jedoch wenig an der allgemeinen Akzeptanz des Vakzins geändert.

Viele wollen sich immer noch nicht impfen lassen.
Christian Semm

So hätten bislang erst 9,7 Millionen Menschen in Russland die erste Impfdosis erhalten, das sind 6,7 Prozent der Bevölkerung (Stand 16.04). Das liege unter anderem daran, dass viele nach wie vor nicht an Corona und die Folgen einer Erkrankung glauben würden.

Hinzu komme, dass Sputnik V "ein staatlicher Impfstoff von einem staatlichen Institut ist, das macht viele misstrauisch", erklärt Semm. Viele hätten mehr Angst vor dem Impfstoff als vor einem schweren Covid-Verlauf. Daran hätte auch der niedrigschwellige Zugang zu Impfungen wenig geändert. In Moskau können sich die Russ*innen fast überall impfen lassen: im Supermarkt, im Fußballstadion, nach dem Mittagessen neben dem Restaurant.

Nachdem ein leckeres Süppchen gegessen wurde, kann man sich die Ladung Sputnik holen.
Christian Semm

Selbst in der Pause in der Oper gelte Sputnik statt Sektflöte. Und auch im traditionsreichen Luxus-Kaufhaus "GUM" am Roten Platz, gegenüber vom Kreml wird geimpft. Die Impfung ist zudem für alle kostenlos. Außerhalb der großen Städte fehle es aber häufig an entsprechender Infrastruktur, so Semm.

Propaganda verhindert Aufklärung

Aufklärungsarbeit und Informationen über die Impfung fänden öffentlich weniger statt. Über Nebenwirkungen des eigenen Impfstoffs wird nicht gesprochen, sagt Semm. Im russischen Staatsfernsehen werde lieber auf Probleme und Herausforderungen beim Impfen und der Corona-Bekämpfung in Europa hingewiesen.

Ein weiterer Vorwurf, der von Seiten des Staates gerne gemacht werde: Europa wolle Sputnik V nicht einsetzen, aus Ressentiments gegenüber Russland, erklärt Semm. Gleichzeitig arbeite Russland intensiv an internationalen Kooperationen, um mehr Sputnik in die Welt zu verbreiten.

Putin hält Impfung geheim

Interessant sei zudem, dass Präsident Putin selbst lange Zeit nicht öffentlich machte, ob er bereits geimpft wurde. Inzwischen, berichtet Semm, sei bekannt, dass der Präsident geimpft ist, jedoch ließ er offen, um welchen Impfstoff es sich dabei handelte. Angeblich, um keinen der russischen Impfstoffe zu bevorzugen.

"Er wollte sich bei der Impfung nicht filmen oder fotografieren lassen", erzählt Semm. Dies sei verwunderlich bei einem Präsidenten, der sonst die große Inszenierung liebt. Außerdem wurde so die Chance verpasst, mehr Menschen zum Impfen zu bewegen und vor Corona zu warnen.

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