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Corona-Krise in Russland - Zuckerbrot und Impf-Peitsche

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Weil die russischen Bürger impfunwillig sind, setzt die Regierung jetzt auf drastische Maßnahmen: Zwangsimpfungen zum Beispiel.

Trotz Maßnahmen für eine bessere Impfquote sind in die Zahlen der Corona-Neuinfektionen weiterhin fünfstellig. Die Todeszahlen steigen, weil die Krankheit nun oft schwerer verläuft

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Auf Telegram und Whatsapp kursiert ein Video, das gut zeigt, warum die Lage so ist wie sie ist im Riesenreich. Ein aufgebrachter Mann schimpft in seine Handykamera: "In einem Land, in dem einfache Menschen jeden Tag belogen und betrogen werden - in diesem Land sollen wir glauben, dass Herr Ginzburg innerhalb weniger Monate den weltweit besten Impfstoff gegen eine bislang unbekannte tödliche Krankheit entwickelt hat?"

Das Vertrauen fehlt

Herr Ginzburg - damit ist Alexander Ginzburg gemeint, der Chef des staatlichen Gamaleja-Instuts. Die Forschungseinrichtung, die den Impfstoff "Sputnik V" entwickelt und - nicht ohne Stolz - schon sehr früh freigegeben hat. Das war im August 2020. Als die Welt noch weit von wirksamen Lösungen entfernt war.

Allein: Viele - vor einigen Wochen noch die meisten - Russen lehnen die hiesigen Vakzine, von denen es inzwischen bereits vier gibt, rundheraus ab. Es geht dabei um mehr als eine Immunisierung gegen das Coronavirus. Es geht um ein zutiefst defektes Verhältnis zur politischen Führung. Und das hat viel mit der inkonsistenten Corona-Politik des Landes zu tun.

FILE PHOTO: File labelled "Sputnik V coronavirus disease (COVID-19) vaccine

Skepsis vor Sputnik V - Warum die Russen ihren Impfstoff nicht wollen 

Sputnik V wird in Russland bereits seit vielen Monaten verimpft. Doch die Akzeptanz des eigenen Corona-Impfstoffs ist im Land nicht besonders hoch, so ZDF-Korrespondent Semm.

Heute so, morgen so

Noch im Oktober 2020 verkündet Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin: "Die Moskauer sind auf dem Weg, das Virus zu besiegen." Immer wieder wurde versichert, es werde keine Impfpflicht geben.

Monatelang war das Leben in den russischen Metropolen so, als sei Corona ein Problem im fernen Ausland, es gab einen einzigen Lockdown. Danach ging alles weiter wie gehabt. Menschen tanzten, trieben Sport, gingen aus. Jetzt aber sterben an Covid-19 jeden Tag mehr als 700 Menschen. Und die russische Politik schwingt die Peitsche.

Für die über 23.000 neu gemeldeten Corona-Fälle in Russland soll überwiegend die Delta-Variante des Corona-Virus verantwortlich sein. Besonders betroffen ist Sankt Petersburg.

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Wie viele müssen noch sterben?

Wer am Außenministerium in Moskau vorbei läuft, kann das bezeugen. "Wie viele müssen noch sterben, bevor Du Dich impfen lässt?", prangt dort auf großen Plakaten. Die Plakate appellieren an die Vernunft - es ist die mildeste Stufe der Aufforderung. Etwas eindringlicher, vorab bei Gläubigen, dürfte die Aussage von Metropolit Hilarion im Staatsfernsehen wirken: "Wer sich nicht impfen lässt, begeht eine Sünde", verkündete er neulich. Besonders harte Bandagen aber werden am Arbeitsplatz aufgefahren.

"Wie viele müssen noch sterben, bevor Du Dich impfen lässt?" steht auf dem Plakat in Moskau, Russland.
"Wie viele müssen noch sterben, bevor Du Dich impfen lässt?" steht auf dem Plakat in Moskau, Russland.
Quelle: ZDF

Ohne Impfung droht Freistellung am Arbeitsplatz

Niemand in Russland wird gezwungen, sich impfen zu lassen. Wer aber in einer der von der Politik als besonders gefährdet angesehenen Branche arbeitet - in der Gastronomie, als Beamter im Staatsdienst, in Teilen des Dienstleistungsgewerbes und im Bildungswesen -, sollte es tun. Denn sonst droht die Freistellung vom Arbeitsplatz auf unbestimmte Zeit. Ohne Bezüge.

Von Moskau und Sankt Petersburg bis nach Sachalin - in vielen Regionen des Landes müssen sich Arbeitnehmer nun immunisieren lassen. Oder die Konsequenzen tragen. Der Mann, dessen Nachricht in den sozialen Medien kursiert, sagt dazu: "Sie sagen uns, es gibt keine Impfpflicht. Und dann sagen sie zu Leuten, die es nicht tun wollen: Schert Euch zum Teufel!"

Portugal und Russland gelten ab heute als Virus-Variantengebiete. Heimkehrer müssen ab heute in Qurantäne.

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Umstrittener Strategiewechsel

Geht es nach Staatschef Wladimir Putin sind die neuen Gesetze aber keine generelle Impfpflicht, denn die lehne er ab, ließ er in einer Call-in-Show vernehmen. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen aber verteidigte er. Er sei zuversichtlich, dass durch sie die Corona-Welle ausgebremst und ein landesweiter Lockdown verhindert werden könne.

Und Russlands Bürger? Die sollen nun von all dem halten, was sie wollen. Und das tun sie. Auch, wenn die Impfstationen im Land inzwischen gut besucht sind: Laut des renommierten Meingsforschungsinstituts Lewada sind immer noch mehr als die Hälfte der Bürger nicht dazu bereit, sich piksen zu lassen.

Auf der Illustration ist eine Frau zu sehen, die auf dem Boden sitzt. Ihren Kopf stützt sie auf ihrem linken Arm.

Nachrichten | Panorama - Wenig Impfreaktion, wenig Schutz? 

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