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Impfung gegen Covid-19 - Was Schlusslicht Sachsen fürs Impftempo tut

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Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland sind gegen Corona geimpft - nur Sachsen liegt noch unter der 50-Prozent-Marke. Woran liegt das und was wird getan? Ein Überblick.

Sachsen, Markkleeberg: Ein mobiles Impfzentrum steht im Rathaus von Markkleeberg. Archivbild
Mit mobilen Impfzentren, wie hier in Markkleeberg, versucht Sachsen, das Impftempo zu erhöhen.
Quelle: dpa

Aufs Tempo kommt es bei den Impfungen gegen das Coronavirus weiter an, auch in der gerade sommerlich entspannteren Infektionslage. Im Vergleich der Länder liegt Bremen bei den Erstimpfungen mit 65,5 Prozent der Einwohner vorn. Bundesweit haben über 47 Millionen Menschen oder 56,8 Prozent der gesamten Bevölkerung mindestens eine erste Impfung erhalten. Unter der 50-Prozent-Marke liegt mittlerweile nur noch Sachsen mit 48,5 Prozent. Auch bei der Zahl der verabreichten Impfdosen pro 1.000 Einwohner ist es Schlusslicht.

So viele Menschen sind in Sachsen aktuell geimpft:

  • 48,5 Prozent mindestens einmal geimpft
  • 37,5 Prozent vollständig geimpft

In der Vergangenheit seien zu wenig Impf-Dosen geliefert worden, als Sachsen zustanden, teilt das Sozialministerium Sachsen auf ZDFheute-Anfrage mit. "Dafür kommen jetzt Ausgleichslieferungen." In den Arztpraxen sei zudem noch Luft nach oben. "Momentan impfen in Sachsen von 4.000 Arztpraxen nur 2.300. Wir wünschen uns, dass noch mehr Praxen teilnehmen."

Zugleich sinkt die Nachfrage: "Tatsächlich fließen die Termine im Buchungsportal aktuell langsamer ab", teilt das Sozialministerium Sachsen mit. "Auch die Arztverbände spiegeln uns, dass die Nachfrage in den Praxen zurückgeht."

Ist die Impfskepsis in Sachsen höher?

Eine Studie der Technischen Universität (TU) Dresden hat ergeben, dass rund 73 Prozent der Sächsinnen und Sachsen einer Impfung aufgeschlossen gegenüber stehen oder bereits gegen Corona geimpft sind.

Über dem Bundesdurchschnitt liegt demnach allerdings der Anteil der impfskeptischen erwachsenen Personen. Neun Prozent lehnen eine Impfung gegen Covid-19 "eher ab", zwölf Prozent geben sogar an, sich "auf keinen Fall" impfen zu lassen. Im Bundesdurchschnitt äußerten dies zuletzt nur knapp fünf Prozent. Die verbleibenden sechs Prozent in Sachsen machten keine Angabe oder waren sich nicht sicher.

Auf Grundlage der Daten der TU-Studie lässt sich außerdem erkennen, dass viele Impfskeptiker in Ostsachsen, etwa in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zu Hause sind.

Zudem ist die Skepsis gegenüber Astrazeneca in Sachsen offenbar höher als im Rest Deutschlands. Über 50.000 Dosen lagern in Beständen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) registrierte, dass Impftermine immer häufiger frei bleiben.

"Wir sind natürlich sensibilisiert für die Sommerpause, die Situation, dass sich alles leichter anfühlt", stellt Franziska Weiß, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des DRK Sachsen fest. "Das Thema Corona rutscht ein bisschen runter, die Menschen sind jetzt vielleicht mit Urlaubsplänen beschäftigt. Da sind wir gefragt." Am 26. Juli beginnen in Sachsen die Sommerferien.

Wie will Sachsen das Impftempo erhöhen?

Mit niedrigschwelligen Angeboten will das Land der "Impfmüdigkeit" entgegensteuern. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) appellierte an die Menschen, sich impfen zu lassen. "Corona wird nur ein Ende haben, wenn mindestens 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sind", sagte er dem Portal "Sächsische.de" am Montag. Der Impfstoff sei jetzt da. Auch ist in den Impfzentren im Freistaat seit vergangenem Wochenende spontanes Impfen ohne Termin möglich. Am Sonntag wurde im Stadion von Erzgebirge Aue geimpft:

Zurzeit verläuft die Impfkampagne in Sachsen eher schleppend. Der Freistaat versucht daher mehr Menschen zu Corona-Impfungen zu bewegen.

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Auch zivilgesellschaftlich gibt es Bemühungen, die Menschen in die Impfzentren und Arztpraxen zu bringen. Das Deutsche Rote Kreuz in Sachsen etwa arbeitet nach Angaben eines Sprechers an einem Konzept: Wer ins Impfzentrum kommt, soll Rabatte für Dienstleistungen oder Produkte bekommen. Details seien aber noch offen.

Ein weiteres Projekt: Nicht die Menschen sollen zu den Impfungen kommen, sondern die Impfungen zu den Menschen. "Wenn man in die Fläche geht, erreicht man eindeutig viel mehr Menschen, auch welche, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, lange Reisen ins Impfzentrum anzutreten", sagt Mirko Simmert, Leiter des Impfzentrums Annaberg-Buchholz.

Für den 20. Juli plant Sachsen außerdem einen Impfgipfel. Staatskanzleichef Oliver Schenk (CDU) hält nichts von Restriktionen gegen Impfmuffel, wie er am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Dresden sagte. Man wolle vielmehr mit Anreizen arbeiten, das sei vielversprechender. "Ich glaube nicht, dass man Solidarität durch Zwangsabgaben erzwingen kann."

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