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Corona-Schnelltests in Heimen - Pflegekräfte: "Wir schaffen es nicht!"

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Antigen-Schnelltests sollen Bewohner von Pflegeeinrichtungen vor Corona-Infektionen schützen. Tests gibt es genug - aber das ohnehin überlastete Personal stößt an seine Grenzen.

Pflegeheime
In Pflegeeinrichtungen fehlt viel Personal. Archivbild.
Quelle: ZDF

Altenheim-Geschäftsführer Frank Kadereit hatte unlängst eine Sitzung mit der Einrichtungs- und Pflegeleitung. Dabei wurde entschieden, einen Belegungs- und Aufnahmestopp zu verfügen. Denn Kadereit braucht jetzt das Personal, um regelmäßig Antigen-Schnelltests in seinen Einrichtungen durchführen zu können.

Derzeit herrscht in seinen Häusern großer Unmut, weil zusätzlich zur eigentlichen Arbeit nun auch noch Corona-Tests durchgeführt werden müssen: "Wir schaffen es nicht!", stellt Kadereit fest. Dabei hält er die Tests eigentlich für sinnvoll - wenn das Problem mit den Kapazitäten nicht wäre.

Für die Tests ist das Pflegefachpersonal zuständig

Kadereit ist Geschäftsführer mehrerer Altenpflegeheime in Hessen und Rheinland-Pfalz mit insgesamt 1.200 Pflegebetten. Immer wieder sagt er gegenüber ZDFheute: "Aber wir schaffen es nicht, diese Regeltestung zu machen". Das Land Hessen jedoch hat eine entsprechende Verordnung erlassen.

Menschen in Alten- und Pflegeheimen gelten als gefährdet - bislang hat man die Situation nicht im Griff.

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Das Bundesgesundheitsministerium stattet Pflegeheime seit Dezember mit Antigen-Tests aus, damit in den Einrichtungen schneller auf das Coronavirus getestet werden kann. Je Bewohner*in stehen 30 Tests zur Verfügung, bezahlt vom Bund. Das ist die Theorie.

Jeder Schnelltest kostet eine halbe Stunde Zeit

In der Praxis sieht das so aus: Für das Testen in den Einrichtungen ist das Pflegefachpersonal zuständig - das heißt konkret:

Für einen einzelnen Test muss ich Schutzausrüstung anziehen, muss das alles dokumentieren und muss das Testergebnis abwarten. Da ist ruckzuck eine halbe Stunde vergangen.
Herbert Mauel, Geschäftsführer Bundesverband private Anbieter

Das erklärt Herbert Mauel, Geschäftsführer des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Eine halbe Stunde, die Pflegekräfte oft nicht haben. Um mehrere Menschen gleichzeitig testen zu können, fordert Mauel deshalb Sprechstunden. Das würde Ordnung und System in die Test-Abläufe bringen.

Christine Vogler, Vizepräsidentin des Deutschen Pflegerates: "Wir brauchen dringend Personal".

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Und es kommt ja auch noch Weihnachten

Das beträfe aber auch Angehörige, die die Bewohner*innen besuchen wollen. Spontane Besuche gingen dann nicht mehr, sagt Mauel. Und bittet manchmal vergeblich um Verständnis bei den Besucher*innen. Dabei geht es bisher nur um den Alltag, die Weihnachtsfeiertage sind da noch gar nicht berücksichtigt. Das macht auch Ulrike Döring vom Deutschen Pflegerat Sorgen. Sie mahnt:

Es ist ganz bestimmt an Heilig Abend nicht möglich nachmittags bei 50 Menschen einen Schnelltest zu machen, damit die dann ihre Angehörigen besuchen.
Ulrike Döring, Deutscher Pflegerat

Laut einer Studie des Bremer Gesundheitsökonomen Heinz Rothgang bräuchten Pflegeeinrichtungen sogar 36 Prozent mehr Personal, als sie heute auf Basis der Stellenschlüssel in den Altenpflege-Einrichtungen haben. Aktuell fehlen Mitarbeiter*innen allein schon aufgrund von Krankheit und Quarantäne-Zeiten bereits häufiger.

Archiv: Das Bild zeigt das Pflegepersonal in einem Pflegeheim in Deerlijk, Belgien, am Dienstag, 21. April 2020.

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von Kristina Hofmann

"Politik muss den Notstand erklären"

Mit der neuen Verantwortung, testen zu müssen, erhöht sich die Anspannung unter den Pflegekräften. Die Politik nehme das nicht genug wahr, meint Altenheim-Geschäftsführer Kadereit:

Es wird einfach noch was drauf gepackt und gar nicht registriert, dass die Mitarbeiter jetzt schon an der Belastungsgrenze sind.

Und wieder klagt Kadereit: "Es geht nicht mehr!"

Konsequenzen fordert nun auch der Deutsche Pflegerat, bekräftigt Ulrike Döring: Die Politik müsse den Notstand erklären und das fehlende Personal für die Testungen in den Einrichtungen aufstocken, "zum Beispiel durch Bundeswehrfachkräfte, durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung oder Hilfsorganisationen".

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