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Länder wehren sich gegen Merkels Schulpläne

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Halbierte Klassen? - Länder wehren sich gegen Merkels Schulpläne

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Maskenpflicht für alle und halbierte Klassen: Eigentlich wollte der Bund neue Maßnahmen für Schulen. Die sind nun aber vorerst vom Tisch. Stattdessen sind die Länder gefragt.

Blick in einen Klassenraum
Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, ab einem bestimmten Grenzwert Schulklassen zu teilen.
Quelle: dpa

Am Nachmittag beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Eine der großen Fragen sollte sein: Wie geht es weiter an den Schulen?

In einer ersten Beschlussvorlage hatte der Bund dazu sehr konkrete Forderungen aufgestellt. Nach einer neuen Vorlage, die dem ZDF vorliegt, soll es aber vorerst keine Beschlüsse geben. Stattdessen sollen die Länder bis zur kommenden Woche einen Vorschlag vorlegen, wie Ansteckungsrisiken im Schulbereich weiter reduziert werden könnten.

In einer Beschlussvorlage der Länder ist auch von diesem Vorschlag keine Rede mehr. Stattdessen heißt es dort nur, dass die "Offenhaltung von Einrichtungen im Präsenzunterricht (...) eine hohe politische Priorität" genieße.

Das Wichtigste zur Debatte nachfogelnd im Überblick.

Welche Maßnahmen hatte der Bund für die Schulen gefordert?

Die Schulen sollten - wie im Teil-Shutdown - weiter offen bleiben. Die Maßnahmen sollten allerdings deutlich verschärft werden:

  • Auf dem Schulgelände und während des Unterrichts sollte eine Maskenpflicht für alle gelten.
  • Falls keine größeren Räume zur Verfügung stehen, sollten Klassen halbiert und in feste Gruppen eingeteilt werden.
  • In Schulbussen sollte der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden.
  • Für Schüler in Quarantäne sollte Distanzunterricht angeboten werden.

Die Maskenpflicht an Schulen ist bislang nicht in allen Bundesländern vorgeschrieben, vor allem Grundschulen sind ausgenommen.

Bei zu hohen Corona-Infektionszahlen empfiehlt das RKI Schulen, den Unterricht halb in Präsenz und halb aus der Ferne abzuhalten. Eine Schule in Hamburg hat es ausprobiert.

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Wie haben die Länder reagiert?

Die vom Bund geforderten Maßnahmen waren zum Teil deutlich kritisiert worden. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) stellte klar: "Das ist kein Vorschlag, der mit den Ländern besprochen oder abgestimmt ist - im Gegenteil." Die Vorschläge für den Schulbereich seien "unverhältnismäßig", schrieb sie auf Twitter.

Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP) hielt die geforderte Halbierung der Schulklassen für nicht umsetzbar. "Wo kommen die doppelten Lehrerinnen und Lehrer für diesen Vorschlag her?", fragte er am Montagmorgen auf Twitter.

Wie weit weg ist das Bundeskanzleramt von unseren Kindern und Familien?
NRW-Familienminister Stamp

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plädierte dagegen im ZDF für verschärfte Maßnahmen wie einen Wechselunterricht. "Der eine Teil wird via Internet zu Hause beschult, der andere in der Schule", sagt Söder im Morgenmagazin.

Um Schülerinnen und Schüler zu entlasten, bringt Söder auch neu formulierte Leistungsanforderungen ins Spiel. Schulaufgaben und Klausuren könnten angepasst werden. "Es wird kein normales Schuljahr werden, aber es soll ein faires Schuljahr werden", sagt Söder.

Das ganze Interview mit Markus Söder im Video.

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Wären die Maßnahmen im Kampf gegen Corona denn sinnvoll?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Maskenpflicht und eine Halbierung der Klassen ab 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Davon ausgenommen wären derzeit nur 27 Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland (Stand 16.11.2020, 10 Uhr).

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte am Wochenende in den Zeitungen der "Funke-Mediengruppe":

Wir kommen in eine Situation hinein, wo der Schulbetrieb für Kinder, Lehrer, Eltern und Großeltern zu einem hohen Risiko wird.
Karl Lauterbach

Tragen die Schulen zum Infektionsgeschehen bei?

Das RKI registriert immer mehr Ausbrüche an Schulen. Die Bundesregierung weist zudem darauf hin, dass "Jugendliche über zwölf Jahren ein mit Erwachsenen vergleichbares Infektions- und Übertragungsrisiko haben".

Auch die Zahlen der Kultusministerkonferenz vom vergangenen Donnerstag weisen auf ein deutliches Infektionsgeschehen an Deutschlands Schulen hin:

  • 106 Schulen geschlossen, mehr als 4.000 Schulen teilweise geschlossen
  • 198.156 Schülerinnen und Schüler sowie 13.101 Lehrkräfte in Quarantäne

Wären die Schulen auf verschärfte Maßnahmen vorbereitet?

Hier sieht Bildungsexperte Olaf Köller bei einer vorhersehbaren Situation echte Versäumnisse. Man hätte längst Formate entwickeln müssen, die es Lehrkräften ermöglichten, mit ihren Schülern im Distanzunterricht in Kontakt zu bleiben. "Nicht nur einmal die Woche, sondern idealerweise täglich", sagt Köller.

Dazu hätte man die Lehrer weiter professionalisieren müssen, "dass sie auch selbst dazu in der Lage sind, mit diesen Formaten regelmäßig zu arbeiten", sagt Köller.

Nicht alle auf einmal, aber in festen kleineren Gruppen - so soll Unterricht aussehen. Die einen arbeiten daheim, die anderen in der Schule und das im Wechsel.

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Auch der Lehrer und Blogger Bob Blume kritisiert im ZDF: "Politisch ist da zu wenig gekommen. (...) Fenster zu öffnen und Masken auf ist einfach zu wenig." Die Digitalisierung sei an vielen Schulen noch ganz am Anfang.

Das ganze Interview mit Bob Blume im Video.

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Welche Ideen gibt es noch?

Das Deutsche Kinderhilfswerk spricht sich für ein bundesweites Corona-Register an Kitas und Schulen aus. Dort müssten "fortlaufend aktualisierte Daten" erfasst werden. Das Ziel: Eine "verlässliche Entscheidungsgrundlage" bekommen, "wie das Recht auf Bildung in Schulen und Kitas bestmöglich umgesetzt werden kann".

Wir brauchen endlich einen aussagekräftigen Gesamtüberblick, wie es bei den nach wie vor hohen Infektionszahlen in der Gesamtbevölkerung in unseren Schulen und Kitas ganz konkret aussieht.
Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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