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Experten nicht einig - Schüler-Massentests: Ja, nein, vielleicht

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Soll man Jüngere gegen Corona impfen lassen? Oder doch lieber Massentests? Diese Fragen treiben derzeit Eltern, Politiker und Experten um. Die Lösungsansätze sind unterschiedlich

Eine Schülerin macht den Selbsttest auf das Sars-CoV-2-Virus
Selbsttest von Schülern im Klassenzimmer.
Quelle: imago/Jörg Halisch

Nachdem am Wochenende erstmals seit langem die Infektionszahlen in Deutschland wieder leicht gestiegen waren, gibt es verstärkt Forderungen nach Impfungen auch bei Kindern und Jugendlichen.

Bislang empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen nur bei bestimmten Vorerkrankungen. Doch es mehren sich die Forderungen nach Änderungen an dieser Empfehlung.

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Stiko-Chef zweifelt Sinnhaftigkeit von Massentests an

Stiko-Chef Thomas Mertens zweifelt indes auch an der Sinnhaftigkeit von Massentests für Schüler. "Ich frage mich, wie wichtig es tatsächlich ist, jedes symptomlos infizierte Kind durch Testung zu entdecken", sagte Mertens der "Schwäbischen Zeitung" in Ravensburg.

Würde es möglicherweise reichen, jedes Kind mit Symptomen frühzeitig zu identifizieren und zu isolieren? Das mag zwar ketzerisch klingen, aber man sollte darüber nachdenken.
Stiko-Chef Thomas Mertens

Mertens betonte, alle Maßnahmen zum Infektionsschutz an Schulen sollten "auch hinsichtlich ihrer spezifischen Wirksamkeit" überprüft werden. Diese solle man "möglichst sinnvoll" einsetzen.

Esken: Brauchen dringend Impfstoff für Kinder

Ganz anders die Meinung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er twitterte als Antwort auf Mertens' Einschätzung, dass ungeimpfte und ungetestete Schüler seiner Meinung nach im Herbst in großer Zahl schwer erkranken könnten. Auch mit mehr Long-Covid-Fällen unter den Jüngeren sei dann zu rechnen. Das sei für ihn viel zu riskant.

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SPD-Chefin Saskia Esken hat die Stiko aufgefordert, ihre Haltung zur Corona-Impfung von Jugendlichen zu überdenken. "Wir brauchen dringend einen Impfstoff für Kinder, und ich hoffe auch, dass die Stiko ihre eingeschränkte Impf-Empfehlung für Jugendliche bald überdenkt", sagte sie der "Rheinischen Post".

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Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Wochenende gefordert: "Die Stiko sollte dringend überlegen, wann sie das Impfen von Jugendlichen empfiehlt." Das würde den Schutz für alle erhöhen und einer Generation, die auf viel verzichten musste, wieder Freiheiten zurückgeben.

Experte: Vierte Welle würde Großteil Nicht-Geimpfter anstecken

Professor Kai Nagel von der TU Berlin, der bereits im Frühjahr beschrieben hatte, wie regelmäßige Corona-Tests an Schulen die Corona-Welle flach halten können, fürchtet, dass sich bei einer möglichen vierten Welle "ein Großteil aller Nicht-Geimpften" anstecken werde. Gegenüber ZDFheute sagt er:

Wenn die nochmals ansteckendere Delta-Variante auf eine vollständige Schulöffnung trifft, dann ergibt sich, zusammen mit 20 Prozent Ungeimpften bei den Erwachsenen, in unserem Modell ab Herbst eine stabile vierte Welle, bei der sich ein Großteil der Nicht-Immunen ansteckt.
Professor Kai Nagel, TU Berlin

Wenn man das an den Schulen vermeiden wolle, benötige man laut Modell eine Kombination vieler Maßnahmen: Dazu gehöre häufiges Lüften, flächendeckendes Testen mehrfach pro Woche, gegebenenfalls Masken im Unterricht. Doch selbst dann könne es eng werden, so Nagel. "Allerdings würde dies das Problem nur um ein Jahr verschieben, es sei denn, dass wir bis dahin dann doch eine Impfung von Kindern und Jugendlichen empfehlen."

RKI: Lolli-Tests sind Antigentests vorzuziehen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt in seinen aktuellen Empfehlungen bezüglich der Testpflicht an Schulen, dass nach den Sommerferien für die Aufrechterhaltung des Regelbetriebs und Präsenzunterrichts an Kitas und Schulen weiterhin regelmäßiges, systematisches Testen helfen kann.

Kindergartenkinder in der emsländischen Gemeinde Lathen werden durch sogenannte Lolli-Tests auf Corona getestet. Statt des unangenehmen Rachenabstrichs lutschen die Kinder 30 Sekunden auf dem Lolli, der ein Wattestäbchen enthält.

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Und zwar mittels der Pool-PCR-Methode, das sind die sogenannten Lolli-Tests. Die sind laut RKI leicht anzuwenden und besitzen "eine höhere Sensitivität als Antigentests". So können diese Tests "als Teil eines umfangreichen Präventionskonzepts Infektionen früh erkennen und dazu beitragen, Übertragungen zu verhindern bzw. frühzeitig einzugrenzen". Auch würden diese Tests weniger fehleranfällig sein als Antigentests, so das RKI.

Eine regelmäßige Anwendung der Lolli-Tests würde somit die Unterbrechung von Infektionsketten ermöglichen und dazu führen, die Inzidenzen in der Gruppe oder Klasse effektiv niedrig zu halten. Auch die Virologin des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, Melanie Brinkmann, hatte sich am Wochenende für PCR-Tests an Schulen stark gemacht.

Die Methode, leicht symptomatische Kinder per Schnelltest "frei zu testen" und bei negativem Test dennoch zu betreuen, empfiehlt das RKI ausdrücklich nicht. Hier müsse zur Absicherung immer ein PCR-Test folgen.

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