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Verlängerte Ferien: "Was für ein Unsinn"

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Länger schulfrei im Winter? - Verlängerte Ferien: "Was für ein Unsinn"

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Sollen die Winterferien wegen Corona verlängert werden? Diesen Vorschlag aus der Union findet die Linke "beschämend". Und Schüler fürchten bereits um ihr Abi.

In Karlsruhe am Max-Planck Gymansium findet der Unterricht nach den Sommerferien bei einer zehnten Klasse Mitte September unter Corona-Bedingungen mit geöffnetem Fenster statt.
Eine Schulklasse am Karlsruher Max-Planck Gymnasium.
Quelle: dpa

Anfang April ist Dario Schramm noch halbwegs motiviert. Um kurz vor acht fährt er seinen Rechner hoch, Sowi-Leistungskurs, Darios Klasse trifft sich per Videokonferenz. "Zu Beginn des Lockdowns hatten wir noch alle unsere Kameras eingeschaltet, doch das wurde von Tag zu Tag weniger", sagt er. Jeden Tag ein schwarzer Bildschirm mehr. "Der eine oder die andere lag vielleicht noch im Bett."

Dario Schramm ist 19 Jahre alt und Mitglied der Landesschülervertretung. Kommendes Jahr macht er Abitur in NRW. Doch er fühlt sich schlecht vorbereitet auf seine Prüfungen. Eine Situation wie im Frühjahr dürfe sich nicht wiederholen, sagt er: "Wir hatten schon so viel Unterrichtsausfall und sehr darunter gelitten, jede weitere Kürzung des Unterrichts in der Zukunft finde ich nicht richtig."

Dario Schramm
Dario Schramm
Quelle: Privat

Winterferien wegen Corona zu verlängern - dieser Vorschlag kommt für ihn einer temporären Schulschließung gleich. Mit weitreichenden Folgen:

Wenn Kinder vier Wochen zu Hause sitzen, haben sie weniger soziale Kontakte. Jede Woche ist verlorene Zeit.
Dario Schramm, Landesschülervertretung NRW

Kipping findet die Idee "beschämend"

Auslöser der Diskussion ist Christoph Ploß, der neue Chef der CDU Hamburg. Er plädiert dafür, wegen Corona die Winterferien um zwei Wochen zu verlängern. CSU-Mann Stephan Pilsinger hatte sich dem Vorschlag angeschlossen und Weihnachtsferien von vier Wochen vorgeschlagen. Im Gegenzug könne man die Sommerferien 2021 verkürzen. Die Idee: In der kalten Jahreszeit sollen die Schulen länger geschlossen bleiben, weil das Lüften dann schwerer möglich ist als im Sommer.

Wort "ferien" auf einer Schultafel

Vorschlag von Unionspolitikern -
Längere Winterferien gegen Corona?
 

Unionspolitiker schlagen vor, die Winterferien für Schüler zu verlängern. So sollen Corona-Infektionen verhindert werden. Im Gegenzug könnten die Sommerferien kürzer ausfallen.

Für Linken-Vorsitzende Katja Kipping ist die Idee "beschämend", sagt sie ZDFheute und attackiert auch Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU). "Mit dem Vorschlag kapituliert die CDU vor der Untätigkeit der eigenen Bildungsministerin. Statt mit Engagement das Versäumte nachzuholen, erwägt man mehrwöchige Schulschließungen."

Und auch Christian Dürr, Fraktionsvize der FDP, lehnt den Vorschlag ab, spricht von Unsinn. "Eine Verlängerung der Winterferien ist nichts anderes als eine Schulschließung." Die Versäumnisse der Bundesregierung dürfe man nicht noch einmal auf dem Rücken der Schüler austragen, so Dürr weiter.

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Und wer betreut die Kinder?

Verlängerte Weihnachtsferien treffen nicht nur die Schüler. Gerade bei kleineren Kindern belastet das auch die Eltern. "Die Kinder müssen ja auch betreut werden", sagt der Vorsitzende des Bundeselternrats Stephan Wassmuth ZDFheute.

In den Schulen gibt es wieder Präsenzunterricht. Trotz Hygienekonzepten wachsen die Sorgen vor dem Winter.

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2 min
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Dennoch hält er den Vorschlag, die Ferien im Winter möglicherweise zu verlängern durchaus für überlegenswert. Denn unter den Eltern gehen die Meinungen auseinander. "Es gibt diejenigen, die das Problem mit der Betreuung haben und es gibt diejenigen, die ihre Kinder gerne zu Hause lassen aus Sorge um die Gesundheit."

Warum Eltern inzwischen resignieren

Problematisch aber findet Wassmuth das Hin und Her der Politik. Im Frühjahr hätten viele Eltern beruflich zurückstecken müssen, weil die Schulen geschlossen wurden und die Kinder betreut werden mussten. Dann öffneten die Schulen wieder. Jetzt könnten sie wieder schließen. Wassmuth sagt:

Die Frustration bei den Eltern ist da, da brauchen wir uns nichts vormachen.
Stephan Wassmuth, Bundeselternrat

Auch bei ihm ganz persönlich. Was er mit seinen eigenen vier Kindern bei längeren Weihnachtsferien machen soll? Das wisse er auch noch nicht so genau.

Den Autoren auf Twitter folgen: @Nils_hgm und @dominikrzepka

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