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Interview

Hamburgs Bildungssenator : "Schulschließung ist keine gute Idee"

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Kommende Woche beginnt in Hamburg wieder der Unterricht. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe hält die Schulen in der Hansestadt für gut gerüstet.

Ties Rabe
Dienstältester Bildungsminister in Deutschland: Ties Rabe (SPD), arbeitete als Lehrer und ist seit 2011 Schulsenator in Hamburg.
Quelle: dpa

ZDFheute: Die Schule fängt wieder an - blicken Sie mit einem bangen Gefühl auf die Schulöffnungen?

Ties Rabe: Eigentlich gucken alle mit Freude auf die Schulöffnung, die Eltern, die Kinder. Die Lehrkräfte freuen sich auf einen ordentlichen Unterrichtsbetrieb, der dringend nötig ist. Und wir haben mit einem fünffachen Sicherheitspaket eigentlich alles dafür getan, dass es an den Schulen auch wirklich sicher ist.

ZDFheute: Sie haben von Luftfiltern lange Zeit nicht viel gehalten, warum haben Sie Ihre Meinung geändert?

Rabe: Es hat sich gezeigt, dass in den letzten Wochen die Experten die Luftfilter anders bewertet haben. Die Skepsis ist doch deutlich zurückgegangen. Und es ist in mehreren Stellungnahmen auch eine Empfehlung ausgesprochen, diese Geräte einzusetzen. Das gibt es nicht einheitlich, leider nicht, sondern die Experten sind nach wie vor hin und hergerissen. Aber eine Mehrheit neigt doch dazu, zu sagen, die Geräte sind sicher. Und ich als Schulsenator tue wirklich alles, damit wir die Schulen nicht wieder schließen müssen.

ZDFheute: Die Fallzahlen steigen, bei einer Inzidenz von 100 müsste es ja wieder Wechselunterricht geben. Wird er kommen?

Rabe: Ich glaube nicht. Denn es zeigt sich mittlerweile, dass die Inzidenz-Werte, die uns früher Sorgen machen mussten, heute keineswegs mehr so viele schwere Krankheitsverläufe nach sich ziehen, auch nicht mehr zu den schrecklichen Todeszahlen führen. Sondern - das sehen wir an anderen Ländern - die Inzidenz an sich neu justiert werden muss. Weil die vielen Risikogruppen geimpft sind, hat Corona nicht mehr die gleiche verheerende Wirkung wie früher.

ZDFheute: Was halten Sie von einer Impfpflicht bei Lehrern?

Rabe: Wir haben bereits eine Impfpflicht bei Masern eingeführt, und wir würden auch nicht zögern, eine Impfpflicht bei Corona einzuführen, wenn sich herausstellt, dass das wirklich wichtig ist. Aber im Moment hat Deutschland eigentlich andere Sorgen, weil wir insbesondere die Impfmüdigkeit der Gesamtbevölkerung ansprechen müssen.

Es macht wenig Sinn, die letzten zehn Prozent Lehrkräfte zu jagen und auf der anderen Seite sich damit abzufinden, dass 50 Prozent der Bevölkerung noch nicht geimpft sind. Hier müssen wir uns erst mal um die große Gesamtheit kümmern.

ZDFheute: Die Ständige Impfkommission (Stiko) gibt bislang keine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, wie sehen Sie das?

Rabe: Ich finde es bedauerlich, dass es in Deutschland zwei Lager gibt. Die einen sagen, Corona ist gefährlich, Schüler sind gefährdet, dann muss man aber auch impfen. Die anderen, wie die Stiko sagen, Corona ist für Kinder und Jugendliche überhaupt nicht gefährlich, man braucht nicht zu impfen. Da ist mein dringender Appell, dass Klarheit dringend nötig ist.

Entweder Schule ist gefährlich, dann muss geimpft werden, oder Schule ist nicht gefährlich. Dann muss man sie aber auch nicht mehr schließen.

ZDFheute: Plant Hamburg, auch mobile Impfteams an die Schulen zu schicken?

Rabe: Ja, wir wollen in einem ersten Schritt an allen Berufsschulen ein Impfangebot machen. Dort sind die Schüler älter. Dort haben wir 45.000 Schülerinnen und Schüler, sodass wir eine große Zahl erreichen.

ZDFheute: Können Sie ausschließen, dass es in Zukunft zu erneuten Schulschließungen kommt?

Rabe: Ein Hamburger lernt früh: Man soll nicht immer immer sagen und nie nie. Aber ich habe wirklich den festen Eindruck aus den vielen Gespräch mit der Politik: Wir haben alle dazugelernt. Und wir wissen, dass das mit der Schulschließung keine gute Idee ist.

Das Interview führte Kristina Hansen.

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