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Schulen in Pandemiezeiten - "Kröte schlucken und auf Fächer verzichten"

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Jüngere Jahrgänge und Abschlussklassen sollten ab Februar an Schulen zurückkehren, so Bildungsexperte Olaf Köller. Unter welchen Bedingungen, erklärt er im ZDFheute-Interview.

Ein Schüler studiert am 21. Januar 2021 zu Hause
Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sind die Schulen in Deutschland geschlossen.
Quelle: epa

ZDFheute: Aktuell sinken die Corona-Fallzahlen. Wann sehen Sie den Zeitpunkt gekommen, die Schulen wieder zu öffnen?

Olaf Köller: Wenn die Inzidenzen weiterhin so zurückgehen wie aktuell, dann wird man im Februar - im Moment steht Mitte Februar im Raum - auch wieder loslegen können. 

ZDFheute: Aber unter welchen Bedingungen? Behandelt man alle Schulstufen gleich? 

Köller: Der tägliche Kontakt - ob im Klassenraum oder virtuell - bleibt wichtig. Ich denke, dass die Strategie der Kultusministerkonferenz nicht so schlecht ist: Erst die Klassen eins bis sechs und die Abschlussklassen wieder in die Schulen zu lassen. Man kann sie in Kleingruppen kommen lassen, sodass die AHA-Regeln eingehalten werden.

In diesem Zusammenhang halte ich für ganz wichtig: AHA heißt auch Maskenpflicht. Ob das FFP2-Masken sein müssen, sei mal dahingestellt.

ZDFheute: Stichwort Bildungslücken: Wir haben mit Eltern gesprochen, die sich eine Gewichtung auf einzelne Hauptfächer wünschen. Welche Vorschläge haben Sie? 

Köller: Ich bin auch ein Anhänger solcher Lösungen, dass man sich bis Ostern zumindest im Grundschulbereich oder den ersten sechs Schuljahren auf die Kernfächer beschränkt. Die Abschlussklassen sollten sich auf die Prüfungsfächer konzentrieren.

Warum nicht sieben Stunden Deutsch und sieben Stunden Mathematik pro Woche in der Grundschule, aber mehr nicht?

Das ist natürlich für viele Fächer nicht schön. Natürlich möchten die Musiklehrkräfte auch Musik unterrichten. Aber ich denke, auch mit Blick auf den Lebensverlauf der Kinder und Jugendlichen: Die Kompetenzen in Deutsch und Mathematik sind prägend und zentral für die berufliche Karriere. Und dann muss man in dieser besonderen Zeit auch mal die Kröte schlucken, dass man auf einzelne Fächer verzichtet.

Aufgrund der Corona-Pandemie sind bei den Schüler*innen in vielen Fächern Lücken entstanden. Der verpasste Schulstoff muss nun nachgeholt werden. Pläne, die Lehrpläne auszudünnen gibt es erst einmal nicht.

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ZDFheute: Mit einer guten technischen Ausrüstung kann an sicher auch digital viel vermitteln - aber klappt das immer?

Denken Sie an die erste Klasse in der Grundschule: Das Schreibenlernen, also mit der Hand - ich halte es für kaum möglich, das digital beizubringen.
Olaf Köller

ZDFheute: Manche Bundesländer überlegen, Ferien zu kürzen, um den Unterrichtsstoff nachzuholen - kann man das den Schülern zumuten? Gibt’s Alternativen? 

Köller: Das ist meines Erachtens nur über Zusatzangebote möglich und man hat dort verschiedene Optionen. Das eine: Die Kinder kommen auch am Wochenende. Die nächste Option: Sie kommen in den Ferien. Oder: Man lässt andere Fächer weg und versucht, es in den ganz normalen Vormittag hineinzubekommen.

Junge Menschen in der Ausbildung haben unter der Corona-Pandemie besonders zu leiden: Wir blicken nach Frankreich, Kenia und Indien.

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ZDFheute: Welche Lösung halten sie für die beste?  

Köller: Viele Schulen haben das schon gemacht und sind darauf vorbereitet, zumindest in den Ferien Zusatzangebote zu machen. Auch können die Nachmittage zusätzlich genutzt werden. Das Wochenende ist dagegen schwierig. Viele Schulen haben da kein großes Interesse oder neigen nicht dazu.

Schon lange ist klar: im Winter steigt die Corona-Ansteckung. Der Bildungsforscher Olaf Köller kritisiert mangelnde Konzepte und fordert Wechselunterricht.

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ZDFheute: Kann die, nennen wir sie einmal "Home-Schooling-Generation", auch Positives aus dieser schwierigen Situation ziehen?

Köller: In zwei, drei Jahren werden Sie kaum junge Menschen finden, die wirklich noch an den traumatischen Erlebnissen der Pandemie laborieren, sondern sie werden ganz normal psychisch wieder aufgestellt sein. 

Und sie werden vielleicht sogar rückblickend sagen: Wir waren dabei und es war eine aufregende Zeit damals.

Ich glaube, wir alle, die Gesellschaft insgesamt, wird auch massiv von diesem Digitalisierungsschub profitieren, den wir jetzt noch einmal bekommen haben.

Das Interview führte Alexandra Hawlin.

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