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EU-Seuchenbehörde - "Corona-Lage ist alles andere als entspannt"

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Die Arbeit der EU-Seuchenbehörde ist derzeit stark auf die Corona-Pandemie konzentriert. Chefin Andrea Ammon fordert in der Krise einen stärkeren Dialog mit den Bürgern.

Ein Aufkleber, der daran erinnert, Abstand zu halten in einer U-Bahn in Stockholm (Schweden), aufgenommen am 09.11.2020
Corona-Warnhinweis in Stockholm (Schweden)
Quelle: epa

ZDFheute: Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen ist das öffentliche Leben nun auch in Schweden deutlich eingeschränkt. Das, was wir jetzt tun, wird darüber entscheiden, wie viele von uns an Weihnachten noch am Leben sein werden, sagte Regierungschef Stefan Löfven in einer Rede an die Nation. Sie arbeiten und leben in Stockholm. Wie haben Sie diese Worte aufgenommen? 

Andrea Ammon: Löfven hat recht drastisch in Worte gefasst, dass die Art und Weise, wie wir jetzt mit der Pandemie umgehen, darüber bestimmen wird, wie die Pandemie weiter verläuft. Ich würde es nicht so drastisch formulieren, aber im Prinzip stimmt es, dass unser Verhalten sehr ernsthafte Konsequenzen haben kann.

ZDFheute: Die Schweden sind in dieser Pandemie lange einen Sonderweg gegangen. Hätten Sie sich einen früheren Kurswechsel gewünscht?

Ammon: Wir als Agentur der Europäischen Union benennen auf wissenschaftlicher Basis die verschiedenen Handlungsoptionen, aber jeder einzelne EU-Mitgliedsstaat entscheidet selbst, welche Maßnahmen er letztlich treffen möchte, um seine Bevölkerung zu schützen.

ZDFheute: Wie ist die ECDC eingebunden im Kampf gegen die Corona-Pandemie in der EU?

Ammon: Basierend auf der gesetzlichen Grundlage identifizieren und bewerten wir generell Infektionskrankheiten und kommunizieren darüber mit den nationalen Gesundheitsbehörden und Gesundheitsinstituten in den EU-Mitgliedsstaaten wie etwa dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland.

Aktuell konzentriert sich vieles auf die Corona-Pandemie. Darüber hinaus beobachten wir aber noch 56 weitere Infektionskrankheiten.
Andrea Ammon

ZDFheute: Wie arbeitet die Behörde?

Ammon: Neben dem Sammeln und Bewerten von Daten über das Pandemiegeschehen in Europa sind wir involviert in das europäische Frühwarnsystem, in dem sich die Gesundheitsbehörden austauschen. Zudem durchkämmen wir das Internet weltweit, um Informationen über Infektionskrankheiten zu sammeln. Darüber hinaus bewerten wir die Risiken solcher Krankheiten.

ZDFheute: Welche Eindrücke haben Sie beim aktuellen Blick auf die Corona-Landkarte der EU?

Ammon: Durch die Anti-Corona-Maßnahmen sehen wir beim Infektionsgeschehen in vielen Mitgliedsstaaten eine Stabilisierung der Situation, allerdings bewegen wir uns immer noch auf hohem Niveau.

Die Lage ist also alles andere als entspannt.
Andrea Ammon
Österreich, Wien: Menschen in der Innenstadt von Wien.

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Ammon: Ich sehe diese Reaktionen erstmal als natürlich an, weil die aktuelle Situation das Leben vieler Menschen stark einschränkt, und die einen trifft es härter als andere. Es braucht da auch ein besseres "Community Engagement", also einen Dialog mit den Bürgern, die besonders betroffen sind, um gemeinsam Wege durch diese Krise zu finden.

Es gilt anzuerkennen, dass jeder ein Opfer bringt - aber nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst.
Andrea Ammon

Die Maßnahmen dienen ja auch dem eigenen Schutz.

ZDFheute: Nicht wenige bestreiten generell die Gefahr des Virus. Was entgegnen Sie jenen?  

Ammon: Es gibt viele Menschen, die haben ganz leichte Symptome und kommen schnell über eine Covid-19-Infektion hinweg. Es gibt aber auch viele Menschen mit schweren bis hin zu tödlichen Krankheitsverläufen. Aktuell steigt die Zahl der Todesfälle weiter an. Oder denken wir an die Menschen, die relativ gut durch die akute Krankheitsphase kommen, danach aber noch lange über Müdigkeit, Hitzeanfälle et cetera klagen.

Wir wissen bei weitem noch nicht alles über dieses Virus, aber die Gefahren, die von ihm ausgehen können, sind aus meiner Sicht unbestreitbar.
Andrea Ammon, Leiterin ECDC

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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