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Studie zu Wirtschaft und Corona - Mehr Homeoffice könnte Infektionen halbieren

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Privatleben eingeschränkt, Büros und Fabriken geöffnet. So läuft der zweite Shutdown. Es fahren mehr Menschen auf die Arbeit als bei der ersten Welle. Muss die Wirtschaft mehr tun?

Homeoffice wird auch für die Mitarbeitern von Behörden verlangt. Archivbild
Homeoffice kann wesentlich dazu beitragen, die Infektionszahlen zu senken.
Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Deutschland im Shutdown - und die Infektionszahlen wollen einfach nicht spürbar sinken. Doch während das Privatleben der Menschen mit Kontaktbeschränkungen und Bewegungseinschränkungen stark reglementiert wird, läuft das Arbeitsleben in weiten Teilen mehr oder weniger normal weiter: Menschen fahren in vollen Bussen und Bahnen ins Büro oder die Fabrikhalle.

Wie hart der Shutdown den Alltag betrifft, kann jeder und jede aktuell spüren. Wie wenig die Wirtschaft aktuell heruntergefahren wird, zeigen aktuelle Daten zum Homeoffice, zur Mobilität und zur Kurzarbeit.

Deutlich weniger Menschen im Homeoffice als im Frühjahr

Der Anteil der Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten, ist seit dem vergangenen Frühjahr drastisch gesunken. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Dezember ergab: Während kurz nach Beginn der Corona-Krise im April 27 Prozent der Beschäftigten angaben, "ausschließlich oder überwiegend" von zuhause zu arbeiten, ist deren Anteil bis November auf 14 Prozent gesunken - trotz des "Shutdown light" und trotz des Appells der Politik an die Arbeitgeber, mobile Arbeit zu ermöglichen.

Im Frühjahr arbeiteten deutlich mehr Menschen zu Hause
Quelle: ZDF/iStock

Doch Homeoffice ist eine der effektivsten Maßnahmen, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Das zeigt eine Studie der Uni Mannheim aus dem Dezember: Bereits "ein Prozentpunkt mehr Arbeitnehmer im Homeoffice kann die Infektionsrate um bis zu 8 Prozent verringern", schreiben die Autoren. Studienautor Harald Fadinger, Professor für VWL und Business Economics an der Universität Mannheim, erklärt im Gespräch mit ZDFheute:

Hätten wir eine so hohe Quote an Homeoffice wie im Frühjahr, dann hätten wir die Hälfte an Infektionen in Deutschland. Wir hätten also maximal eine Inzidenz von 80 in Deutschland - statt 160 wie im Moment.

Die vorhandenen Daten zur Mobilität sind nicht so eindeutig. Laut dem "Google-Mobility-Report", der die Bewegungsdaten von Menschen während der Corona-Epidemie erfasst, wurde zwischen November und erster Dezemberhälfte mehr gependelt als noch im Frühjahr. Damals ging das Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz um fast 30 Prozent zurück. Vor Weihnachten waren es nur minus 15 Prozent verglichen mit vor der Pandemie.

Der Dezember-Shutdown hingegen zeigte laut Daten des Robert-Koch-Instituts Wirkung: Im Dezember waren wir erstmals wieder so wenig unterwegs wie im ersten Shutdown, so das Fazit. Das lag auch daran, dass über die Feiertage viel weniger Menschen zur Arbeit mussten. Weitere Details zu den jüngsten Mobilitätsdaten lesen Sie hier:

Vogtlandkreis - Auerbach: Schnee bedecktes Autos auf dem Marktplatz

Datenanalyse der Feiertage - Wie der Shutdown die Mobilität verändert hat 

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von Johanna Sagmeister

Kurzarbeit verhinderte auch Infektionen

Während Arbeitnehmer mit Bürojobs vergleichsweise einfach ins Homeoffice wechseln können, ist das für Beschäftigte in vielen Branchen nicht so leicht möglich.

Was im Frühjahr half, Infektionen zu bekämpfen: Wegen wegbrechender Aufträge beantragten zahlreiche Industrieunternehmen Kurzarbeit und ließen ihre Mitarbeiter teils mehrere Tage die Woche daheim. Im April gab es etwa sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit. Mehr als 20 Milliarden Euro kostete die Maßnahme bis Ende 2020.

Kurzarbeit hat weitgehend ausgedient

Auch hier hat sich das Bild verändert: Trotz Pandemie füllen sich die Auftragsbücher der deutschen Industrie mehr und mehr. Laut Bundesministerium für Wirtschaft hat das Neugeschäft im November zum siebten Mal in Folge zugenommen.

Entsprechend betrifft die Kurzarbeit aktuell auch deutlich weniger Arbeitnehmer als während der ersten Welle. Im verarbeitenden Gewerbe waren im Mai 29,2 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit, im Dezember waren es laut Daten des ifo-Instituts 8,4 Prozent. Lediglich im Gastgewerbe stieg der Anteil der Kurzarbeiter ab November erneut deutlich an.

Kommt die Homeoffice-Pflicht?

Trotz Rekord-Infektionszahlen den gesamten Dezember über ist die deutsche Industrie also vergleichsweise wenig heruntergefahren. Immer mehr Stimmen werden deshalb laut, Unternehmen strengere Regeln bis hin zu einer Homeoffice-Pflicht aufzuerlegen - zumindest da, wo es geht.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will konkrete Zielvorgaben, um mehr Homeoffice zu ermöglichen. Voraussichtlich an diesem Mittwoch wird er bei einem "Homeoffice-Gipfel" mit Wirtschaft und Gewerkschaften darüber sprechen.

Eine gesetzliche Pflicht zum Homeoffice, wo es irgendwie möglich ist, hält auch Ökonom Fadinger von der Universität Mannheim für eine gute Idee. Doch wäre eine solche Regelung überhaupt kontrollierbar? Würden sich Unternehmen nicht massenweise herausreden, dass betriebliche Abläufe Homeoffice gar nicht zulassen? "Man muss einfach die Beweislast umdrehen", schlägt Fadinger vor. "Ein Unternehmer, der seine Arbeitnehmer ausschließlich im Betrieb arbeiten lassen möchte, müsste beweisen, dass es nicht anders geht."

Eine Frau im Homeoffice. Symbolbild

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