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Vor Entscheidungen über Shutdown - Söder: Wir brauchen eine Hotspot-Strategie

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert beim Umgang mit Corona-Hotspots eine einhetliche Strategie. Im ZDF-Interview empfiehlt er: Weihnachten üppig feiern, Sylvester nicht.

Weihnachten großzügig denken – bei Feiern an Silvester aber rät Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zur Zurückhaltung. Außerdem brauche es, bei weiter hohen Infektionszahlen, eine klarere Hotspot-Strategie.

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ZDF: Warum hat man uns Anfang November nicht direkt reinen Wein eingeschenkt und gesagt also mindestens bis Mitte Ende Dezember, Januar wird das so weitergehen mit den Teil-Shutdowns?

Markus Söder: Zunächst einmal war das klare Ziel, das exponentielle Wachstum zu bremsen. Es ist auch gelungen, also wir können einen Teilerfolg vermelden, aber es reicht halt nicht aus. Es hatten alle auch gehofft, dass der Erfolg größer sein wird.

Fakt ist auf jeden Fall, wenn wir jetzt den Lockdown aufgeben würden, wenn wir einfach wieder zurückkehren, dann ist es nur eine Frage von Tagen, vielleicht ein, zwei Wochen, bis wir wieder im absoluten, exponentiellen Wachstum sind.

Und man sieht auch leider, dass nicht nur die Zahl der Infektionen hoch ist, sondern was eben zuläuft, sind die Krankenhäuser und vor allem die Intensivbetten, und die Zahl der Todesfälle ist sehr, sehr hoch. Also wir müssen jetzt handeln, um die Zahlen einfach runter zu kriegen.

ZDF: An Weihnachten dürfen sich zehn Leuten gegebenenfalls auch zehn aus zehn Haushalten treffen. Nach Weihnachten sollte man dann doch wieder zu strengeren Regeln kommen. Werden sie versuchen, das morgen so durchzusetzen?

Söder: Ja, das ist schon eine schwierige Abwägung, die ich auch verstehe. Auf der einen Seite gibt es jetzt mal klar: Bis Weihnachten eine klare Regelung, übrigens auch viele Regeln für die Hotspots.

Denn gerade in den Hotspots müssen wir deutlich runter, dann müssen wir auch mehr machen. Das steht im Papier noch viel zu wenig drin. Ehrlich gesagt, da muss man nachschärfen.

ZDF: Was meinen Sie damit? Was wollen Sie da nachschärfen?

Söder: Ja, wir brauchen eine klare Hotspot-Strategie. Die Vereinbarung beispielsweise, dass in den Bereichen und in den Regionen, wo es sehr hohe Inzidenzen gibt, zum Beispiel, was die Platzzahl betrifft, in den Geschäften, reduzieren. Dass wir bei der Schule über Wechsel-Unterricht reden, dort, wo die Infektionszahle sehr hoch sind und wo wir einfach mit mehr Masken operieren müssen. Wir brauchen da schon eine sehr klare Regelung, wie wir in diesen Hotspots reagieren.

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer haben sich auf gemeinsame Regeln für bis vor Weihnachten und eine Verlängerung des Teil-Shutdowns verständigt, mit dem Ergebnis sind aber nicht alle gleichermaßen zufrieden.

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ZDF: Wie denken Sie denn, wie "Hotspot" noch definiert werden sollte? Irgendwo sind wir ja inzwischen fast alle in Hotspots, selbst auf dem Land.

Söder: Ja, da haben wir zum Teil sehr hohe Inzidenzen, bei uns (in Bayern, Anm. d. Red.) insbesondere, und übrigens auch viele in Deutschland. An den Grenzen übrigens spüren wir zu Österreich, Tschechien, also in allen Bereichen, wo es auch einen sehr hohen Eintrag aus den Nachbarländern zumindest augenfällig geben kann. Da muss man auch besonders reagieren.

Und wenn man dann auch stärker reagiert, siehe Berchtesgaden, dann wirkt es auch. Das ist ja die generelle Philosophie, die man jetzt hat.

Je konsequenter man ist, desto kürzer dauert es, je weniger konsequent, je verträglicher man es versucht zu gestalten, desto länger kann es dauern.

Auch das ist eine Erfahrung aus den letzten Wochen, die uns bleibt und mit der wir umgehen müssen. Aber es bleibt ja auch eine Perspektive. Es ist nämlich der Impfstoff, der da ist. Deswegen ist es so wichtig, dass wir über Weihnachten und die Ferien kein Fehler begehen. Deswegen ist es sinnvoll, an Weihnachten das Familienfest zu feiern. Aber an Silvester müssen wir noch mal nachdenken, ob er nicht nur das Böllern ein Problem ist, sondern wirklich die ganz großen Feiern. Die sollten eigentlich nicht sein.

Bund und Länder wollen am Mittwoch den weiteren Kurs im Kampf gegen die Corona-Pandemie bis zum Jahresende beschließen. Dazu ZDF-Korrespondent Theo Koll.

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ZDF: Aus dem Kanzleramt gibt es den Vorschlag, ab 16. Dezember bereits alle in die Weihnachtsferien zu schicken, um dann quasi zu Hause zu bleiben. Wird sich das Durchsetzen morgen? Was ist Ihre Prognose?

Söder: Also das Wichtigste ist zunächst mal, dass wir uns einigen können, Weihnachtsferien vorzuziehen. Auf den 18. als letzter Schultag. Da gibt es einige Bundesländer, die noch skeptisch sind. Das wäre schon ein Erfolg.

Und was mir echt wirklich wichtig wäre, dass wir dort in den Fällen, wo nicht nur die Infektion an der Schule, sondern auch in der Region sehr hoch sind, dass wir bei den älteren Schülern Hybrid-Unterricht, Wechsel-Unterricht mit einbringen.

Denn wir haben auch dort gesehen, wo dann eine entsprechende Entschlankung und eine Teilung der Klassen stattgefunden hat, sinkt auch automatisch das Infektionsgeschehen. Nicht bei den Kleinen, aber bei den älteren Klassen. Und dann müssen wir auch noch mal überlegen und auch die Flexibilität haben, dass die Leistungsnachweise, der Leistungsdruck angepasst wird. Denn eines fällt mir auf: Lehrer streiten sich mit Eltern. Cool und wirklich gut reagieren die Schülerinnen und Schüler.

Das Interview führte heute journal-Moderatorin Marietta Slomka.

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