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Corona-Maßnahmen - Welche Alternativen es zum Teil-Shutdown gibt

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Das öffentliche Leben liegt brach und das noch für Wochen. Der Teil-Shutdown zehrt an den Nerven. Geht es nicht auch anders? Vorschläge liegen auf dem Tisch.

Tische und Stühle stehen vor einem geschlossenen Restaurant in der Innenstadt von Hannover
Deutschland ist mit seinem Teil-Shutdown im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch zurückhaltend.
Quelle: dpa

Der Teil-Shutdown ist in die Verlängerung gegangen. Genauer: in die Verlängerung der Verlängerung - bis zum 10. Januar sollen die Corona-Maßnahmen jetzt gelten. Zugleich sind die Infektionszahlen unverändert hoch, immer mehr Menschen sterben an oder mit Covid-19. Motivierend ist das nicht.

"Die Menschen sollen jetzt immens große Opfer bringen, aber sie erkennen nicht immer wofür. Der Erfolg bleibt weitgehend aus, insbesondere was die hohen täglichen Todesraten betrifft", sagt Michael Witthöft, Psychologe an der Universität Mainz. Er sieht vor allem in zwei Bereichen Defizite: in Evaluation und Kommunikation.

Die Leute sind zu extrem viel bereit, wenn sie verstehen wofür.
Michael Witthöft, Psychologe

Die Zielsetzung sei nicht mehr klar. "Sind es zum Beispiel die Intensivstationen, die nicht überlastet werden sollen, oder muss der Inzidenzwert unter 50 bleiben?"

Viele fühlten sich auch ungleich behandelt. So ständen einerseits Gastronomen oder Künstler vor dem Ruin, andererseits säßen Schüler zitternd in stoßgelüfteten Klassenräumen, weil die Schulen kategorisch offengehalten werden sollten.

Mit Tee und Decke in der Schule - so geht es in der kalten Jahreszeit vielen deutschen Schülern. Wegen Corona muss in den Klassenzimmern regelmäßig stoßgelüftet werden.

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Psychologe: Daten werden zu wenig berücksichtigt

Dass zudem nicht umgedacht werde, wenn auch nach Wochen der Anstrengungen eindeutig messbare Erfolge ausblieben, kann der Psychologie-Professor nicht verstehen.

Manchmal erscheint es mir, dass einige Entscheidungen politisch und nicht datengestützt getroffen würden.
Michael Witthöft, Psychologe

Eigentlich wollten sich Bund und Länder auf eine Corona-Langfriststrategie verständigen. Doch statt des großen Wurfes einigte man sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

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Aber gibt es denn eigentlich eine Alternative? Scheinbar nicht. Schaut man sich zum Beispiel in Europa um, sieht der Kampf gegen die Corona-Pandemie in den meisten Ländern relativ gleich aus: Die Devise heißt Shutdown.

Europa setzt auf das Modell Shutdown

Nur die Schärfe der Maßnahmen variiert - von einer Beschränkung der Teilnehmerzahlen bei Versammlungen in Schweden bis hin zu teils strikten Ausgangssperren in Frankreich. Deutschland bewegt sich dabei mit seinen vergleichsweise milden Regeln durchaus am unteren Rand.

Belgien hat mit harten Beschränkungen geschafft, das Coronavirus erstmals einzudämmen.

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Der Bundesvorsitzende des Jungen Wirtschaftsrates der CDU, Krisenmanager Marcus Ewald, hat mit seinem "Plan C" zumindest einen Vorschlag gemacht. Seine Idee: eine Woche lang strenger Lockdown, drei Wochen dann relativ freies Agieren.

Alternativ-Vorschläge zielen auf kurze Lockdowns mit Unterbrechungen ab

Die Idee gibt es auch in anderen Variationen. Virologe Christian Drosten hatte im Herbst in seinem Podcast das Modell eines so genannten Circuitbreakers ins Spiel gebracht und dafür auch Unterstützung vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach bekommen.

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  • Circuitbreaker: kurze, zeitlich befristete Shutdowns, die die Ausbreitung des Coronavirus bremsen und zugleich die wirtschaftlichen Folgen möglichst gering halten sollen.
  • Ähnlich das Szenarium des Epidemiologen Rajiv Chowhury von der Universität Cambridge: 50 Tage Lockdown und 30 Tage Entspannung.
  • Das Weizman-Institut in Israel um den Systembiologen Uri Alon warnt vor einem "Lockdown mit Jojo-Effekt". Alon schlägt einen Rhythmus von fünf Tagen Lockdown und zwei normalen Tagen vor.

Für wirtschaftsschwache Länder geeignet

Solch intermittierende Shutdowns, wie von Chowhury oder Alon vorgeschlagen, gab und gibt es in Indien, die WHO hat sie Ländern wie zum Beispiel Pakistan empfohlen.

In Großbritannien hatte man ähnliches versucht. Ende Oktober war zum Beispiel Wales in einen 17-tägigen Teil-Lockdown gegangen, um die Fallzahlen zu senken. Allerdings ohne Erfolg - jetzt wurden auch hier die Zügel aufs Neue angezogen.

Angesichts steigender Corona-Infektionen plädiert die Bundesregierung für ein Überdenken der vorgesehenen Lockerungen an Weihnachten und Silvester. Mit den bisherigen Maßnahmen komme das Land nicht durch den Winter.

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In Deutschland aber war das offenbar bislang kein größeres Thema. Warum nicht? Dazu äußert sich die Bundesregierung nur vage. Die Erfahrungen anderer Länder würden in die Überlegungen mit einbezogen. Man habe "alle verfügbaren fachlich-wissenschaftlichen Erkenntnisse" berücksichtigt, teilte ein Regierungssprecher auf ZDFheute-Anfrage lediglich mit.

Sehr wohl diskutiert worden ist dagegen eine Verschärfung der Regeln. So sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder:

Die Frage ist, ob wir das Land die ganze Zeit in dieser Art von Halbschlaf halten können oder ob wir nicht irgendwann auch mal überlegen müssen, an einigen Stellen sehr deutlich und konsequent tiefer heranzugehen.
CSU-Chef Markus Söder

Söder ist am Sonntag mit seinem Kabinett zu Taten geschritten und hat den zweiten Katastrophenfall für Bayern ausgerufen, durch den die Corona-Maßnahmen ab 9. Dezember verschärft werden sollen - und hat damit eine bundesweite Debatte angestoßen.

Deutschland ist im Teil-Shutdown, doch die Zahlen sind nach wie vor hoch – zu hoch. In Bayern kommen deswegen jetzt Maßnahmen-Verschärfungen – Ausgangsbeschränkungen inklusive.

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"Lockdown light hat nicht gereicht"

Der Mainzer Psychologe Witthöft hat Verständnis für Söders Überlegungen: "Man muss über jede Alternative sprechen", sagt er. Er selbst würde für noch einen strengeren Lockdown, über eine kürzeren Zeitraum hinweg, plädieren.

Die Zulassung eines möglichen Corona-Impfstoffs läuft in Deutschland auf Hochtouren. Doch bevor der Impf-Marathon beginnen kann, müssen letzte Fragen beantwortet werden: wie genau wirkt die Impfung? Sind Nebenwirkungen zu erwarten?

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So wie es das Max-Planck-Institut empfohlen hat. Von dort heißt es: "Der sogenannte Lockdown light war einen Versuch wert, aber das hat nicht gereicht."  

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