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Das Corona-Jahr in Singapur : Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

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Erst schien Corona weit weg, dann gab es Tausende Erkrankte innerhalb kürzester Zeit. Doch Singapur zeigte, wozu es fähig ist: Die aktuellen Fälle liegen fast bei null.

Singapur: Besucher der Poinsettia Wishes Blumenausstellung werden an das Tragen der Schutzmasken erinnert.
Strenge Vorschriften auch bei der Blumenausstellung Poinsettia Wishes in Singapur.
Quelle: Reuters

Da saß ich mit Freunden in einer Bar, wir lachten im Liegestuhl und guckten aufs Meer. Das Bier kalt, der Blick ein Traum, die Stimmung bestens. Und Corona war weit weg. Als Deutschland im März in den Shutdown ging, lief das Leben in Singapur (fast) normal weiter.

Denn der Staat hatte frühzeitig hart durchgegriffen: Urlauber wurden nicht mehr ins Land hinein gelassen, Rückkehrer mussten in Quarantäne. [Wie unser Autor die Quarantäne erlebt hat, lesen Sie hier.] Und das Nachverfolgen der positiven Fälle betrieben die Gesundheitsbehörden mit enormen Aufwand und Hilfe der Polizei. Schulen, Geschäfte und Restaurants blieben geöffnet. Und eben auch meine Lieblings-Strandbar.

Von Nepal bis Australien: Urlaubsträume ausgeträumt

Die vorerst letzte Dienstreise führte kurz zuvor nach Neu-Delhi zum Besuch von US-Präsident Trump bei Indiens Premier Modi. Wir ahnten bereits, dass das unbeschwerte Reisen der Vergangenheit angehören könnte. Doch dass wir nach der Rückkehr bis heute nicht mehr in einem Flieger sitzen sollten - das ahnten wir nicht.

Wir schmiedeten vielmehr Pläne: Reportagen über den Massentourismus am Mount Everest, ein Rückblick auf die Buschfeuer bei Melbourne. Doch dann machte Nepal dicht, dann machte Australien dicht. Und dann machte auch Singapur dicht.

Wenn Singapurer sich gegenseitig anschwärzen

Das war am 7. April, ein wochenlanger Lockdown mit strikten Bestimmungen folgte. Die Singapurer nannten ihn beschönigend "Circuit Breaker". Treffen durfte man nur noch Personen aus dem eigenen Hausstand. Pech für Singles, die alleine lebten. Mit dem Corona-Ausbruch in den Massenunterkünften der Fremdarbeiter änderte sich die Lage - und die Stimmung im Land.

Viele hatten nichts Besseres zu tun, als über Social Media mitzuteilen, wer wann und wo gegen die Verordnungen verstieß. Vermeintliche Gesetzesbrecher wurden bei der Regierung denunziert, Expats, die sich beim gemeinsamen Biertrinken in der Öffentlichkeit erwischen ließen, vor Gericht gestellt und aus dem Land geworfen.

Shutdown in Singapur, wenn andere Urlaub machen

Als sich im Frühsommer die Situation in der Heimat scheinbar entspannte und halb Deutschland in den Süden in Urlaub flog, guckte ich neidisch auf die Fotos mit türkisfarbenem Wasser, die die eigene Familie aus dem Kroatien-Urlaub schickte.

Obwohl Thailand und Bali quasi um die Ecke liegen, sind die beiden Sehnsuchtsorte doch momentan verdammt weit weg. Meine Bilder aus Singapur glichen denen aus Deutschland im Frühjahr: leere Straßen, hochgeklappte Tische und geschlossene Kneipen.

Archiv, Singapur: Menschenleere Strandpromenade im Merlion Park.
Die Strandpromenade im Merlion Park - menschenleer.
Quelle: Reuters

Corona-Zahlen in Singapur niedrig

Seit zehn Monaten sitzen wir in Singapur fest - ein Land so groß wie Hamburg, ein goldener Käfig. Und haben nur die Chance ihm zu entkommen, wenn wir bei Rückkehr eine streng kontrollierte zweiwöchige Hotelquarantäne auf uns nehmen, mit täglichen Kontrollanrufen und drakonischen Strafen bei Missachtung der Regeln. Doch wer sitzt schon gerne freiwillig im Gefängnis? Und zahlt dafür auch noch über 1.300 Euro?

Und nun, kurz vor dem Jahreswechsel? Während Deutschland die Feiertage im Shutdown-Modus verbringt und die Zahlen durch die Decke gehen, liegen sie hier fast bei null. Singapur hat Erfolg mit seinem Kampf gegen das Virus.

Alle Urlaubsüberlegungen zurück auf null

Doch immer wieder gibt es Rückschläge. Die weltweit erste Travel Bubble zwischen Singapur und Hongkong - verschoben auf unbestimmte Zeit. Kreuzfahrten ins Nirgendwo - ein GAU, nachdem ein Schiff nach einem vermeintlichen Corona-Fall schnurstracks in den Hafen zurückkehrte.

Was bleibt ist das erste Weihnachten ohne Eltern seit 48 Jahren, das erste Mal aber auch bei 30 Grad am Pool. Und das in einer Stadt, in der Corona kaum vorkommt. In der Schulen, Restaurants und Geschäfte geöffnet sind. In der man keine Ausgangssperren kennt. Es gibt Schlimmeres.

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