Sie sind hier:

Zeitweiser Astrazeneca-Impfstopp - Jens Spahn in der Defensive

Datum:

Der Impfstoff von Astrazeneca ist sicher. Für Jens Spahn eigentlich eine gute Nachricht. Trotzdem ist er politisch angezählt - wegen seiner Kommunikation und seines Hin und Hers.

Jens Spahn am 12.02.2021 in Berlin
Bundesgesundheitminister Jens Spahn verkündete in dieser Woche den vorläufigen Stopp des Astrazeneca-Impfstoffs.
Quelle: Imago

Es ist gerade einmal sechs Tage her. Freitag, Bundespressekonferenz, Jens Spahn kritisiert den Impfstopp mit Astrazeneca in Dänemark. "Mit dem, was wir bisher wissen, ist der Nutzen bei weitem höher als das Risiko", sagt Spahn. Er beruft sich auf die Europäische Arzneimittelbehörde EMA.

Montagmorgen, CDU-Präsidiumssitzung, Jens Spahn kritisiert die vielen negativen Berichte über schleppende Impfungen in Deutschland. Man müsse jetzt auch einmal positive Geschichten erzählen, sagt er. Jeder kenne doch inzwischen jemanden in der eigenen Familie, der geimpft sei. Hat Deutschland also kein Impfproblem? Sondern ein PR-Problem? Allein, dass Spahns Zitat öffentlich wird, zeigt: Nicht alle in seiner eigenen Partei können Spahns Argumentation folgen.

Spahns Kommunikation wird politisch gefährlich

Es sind diese beiden Geschichten, die Jens Spahn politisch jetzt gefährlich werden können. Denn am Montagnachmittag erzählt er, der Gesundheitsminister, keine positiven Geschichten mehr. Spahn stoppt Astrazeneca in Deutschland auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts. Bereits aufgezogene Spritzen mit Impfstoff werden verworfen, Impfstoff wird vernichtet. Tausende Impflinge haben das Gefühl, Spahn nehme ihnen die Impfung weg.

Die Impfungen mit Astrazeneca wurden ausgesetzt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Spahns Problem: Die EMA empfiehlt den Impfstoff weiterhin. Das sagt sie am Montag, am Dienstag und auch jetzt nach einer Prüfung. Auch die WHO sagt das. Spahn widerspricht seiner eigenen Argumentation von Freitag. Er begründet das heute Abend damit, dass er auf Nummer Sicher gehen wollte. Bereits ab morgen soll Astrazeneca in Deutschland wieder verimpft werden.

Es ist allerdings nicht der erste Widerspruch des Gesundheitsministers. Schon bei den Selbsttests hatte er mit dem 1. März ein Datum genannt, das er nicht halten konnte. Spahns Kommunikation ist erkennbar dem Druck geschuldet, unbedingt gute Nachrichten liefern zu müssen. Selbst wenn diese guten Nachrichten nicht ausreichend mit Fakten untermauert sind.

Die vielen Fehler des Jens Spahn

Spahn macht noch andere Fehler. Die ARD berichtet, Apotheken hätten sich mit der kostenlosen Abgabe von Schutzmasken "dumm und dämlich" verdient. Spahn gewährte ihnen eine überteuerte Erstattung, trotz Warnungen seines eigenen Ministeriums. Die Maskenaffäre der Union könnte ihm ebenfalls noch gefährlich werden - denn hier geht es um Korruptionsvorwürfe.

In der Maskenaffäre der Union wird nun auch gegen Bayerns ehemaligen Justizminister Alfred Sauter ermittelt. Das Landtagsbüro des 70 Jahre alten CSU-Abgeordneten wurde durchsucht. Die CSU fordert von Sauter die Niederlegung aller Parteiämter.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Noch eine ungemütliche Ungemütlichkeit: Das Spendendinner im Herbst 2020, einen Tag bevor Spahn einen positiven Corona-Test erhielt. Wer mit am Tisch saß? Man weiß es nicht. "Das Büro von Jens Spahn hat unsere Anfrage nach den Namen der zwölf Jünger, pardon, spendierfreudigen Unternehmer, denen eine gesellige Corona-Mahlzeit mit dem Minister je 9.999 Euro wert war (genau ein Euro unter der Veröffentlichungsschwelle) noch immer nicht beantwortet - oder besser gesagt: komplett ignoriert", schreibt der Tagesspiegel. Und weiter:

Vielleicht gab Spahn den Herrschaften ja, so wie einst Helmut Kohl, sein Ehrenwort.
Tagesspiegel zu Spahns Spendendinner

Wie Spahn seine Glaubwürdigkeit verspielt

Spahns Pech: Es gibt eine Alternative zu ihm. Karl Lauterbach. Der SPD-Gesundheitsexperte sagt, er hätte als Gesundheitsminister Astrazeneca erst einmal weiter verimpft. Lauterbach will das nicht als Kritik verstanden wissen, es ist aber trotzdem eine. Denn Lauterbach zeigt auf, welche Alternative Spahn gehabt hätte. Spahn hätte auf das jetzige Votum der EMA warten können. Und sollen.

Die EMA nennt den Impfstoff sicher. Der Nutzen überwiege nach wie vor das Risiko, teilt die EMA mit. Es ist genau die Haltung, die Spahn noch am Freitag selbst vertrat. Seine Kritiker sagen inzwischen: Spahns widersprüchliche Kommunikation sei das Hauptproblem, Spahn sei überfordert. Rücktrittsforderungen aus SPD und FDP und offene Kritik aus der CSU. Spahn ist angezählt.

Dem Autor auf Twitter folgen: @dominikrzepka

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.