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Aggressive Social-Media-Kampagne - Wie Russland mit Sputnik V die EU spaltet

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Russlands Impfstoff Sputnik V macht in den sozialen Medien aggressiv Werbung. Ein selbstloser Helfer ist Russland nicht. Die Strategie richtet sich gegen die Europäische Union.

In Russland sind erst 5,7 Prozent der Bevölkerung mit Sputnik V geimpft, trotzdem wird munter exportiert. In Deutschland sorgt die bayerische Vakzin-Bestellung für Kritik. Der politische Streit in Europa, kommt dem Kreml sehr gelegen.

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Bayern kauft Sputnik V. 2,5 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs, produziert im schwäbischen Illertissen, sicherte sich das Bundesland am Mittwoch. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will mit Russland über Impfstoffe verhandeln.

Impfstoff aus staatlicher russischer Entwicklung

Auf den Social-Media-Kanälen von Sputnik V wird diese Ankündigung gefeiert: "Russland wie Deutschland verstehen, dass es Priorität hat, Leben zu retten." Es ist ein vergiftetes Lob, das anderen Regierungen unterstellt, sie hätten andere Prioritäten.

Der Impfstoff wurde vom nationalen Forschungszentrum Gamaleya und dem staatlichen Russian Direct Investment Fund (RDIF) entwickelt. In den sozialen Medien betreiben sie seit Monaten eine aktive und konfrontative Kampagne für ihren Impfstoff, schalten Anzeigen und interagieren direkt mit Nutzern.

Mehr als andere Impfstoffhersteller will Sputnik V die breite Öffentlichkeit außerhalb Russlands für sich gewinnen. Zentrale Botschaft: Russland schafft, was die EU nicht hinbekommt.

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Aggressive Kommunikation soll EU spalten

Sarah Pagung, Russland-Forscherin bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, beschreibt das Vorgehen als "gezielte, teils auch aggressive Public Diplomacy". "Die Kampagne von Sputnik V ist auf jeden Fall ein Problem. Sie ist sehr politisch. Es wird kommuniziert, dass es in der EU eine Art Komplott gegen russische Impfstoffe und Russland insgesamt geben würde", sagt Pagung ZDFheute. Die Sputnik-V-Kampagne sei ein sehr typisches Beispiel für russische Auslandskommunikation in den letzten zehn Jahren.

Es wird versucht, die EU als Ganzes auseinander zu dividieren, indem man immer wieder einzelne Staaten gezielt anspricht. Das ist ein Risiko, weil es den Zusammenhalt innerhalb der EU gefährdet.
Sarah Pagung, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

"EU-Staaten, die sich entschieden haben, ihr Covid-Impfstoff-Portfolio unabhängig zusammenzustellen, weisen höhere Impfraten der Bevölkerung auf", schrieb Sputnik etwa am 1. April auf Twitter und verweist in der Grafik auf Ungarn und Beitrittskandidat Serbien.

Mit klassischen Falschinformationen arbeite man aber nur selten – meist würden mit tendenziösen Informationen Zusammenhänge suggeriert, wo keine seien, so Pagung.

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von Phoebe Gaa, Moskau

"EU-Bürokraten" und "Pharma-Lobby" als Gegenspieler

Auch EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton, der sich immer wieder kritisch zu Sputnik-V-Lieferungen positioniert hat, ist ein beliebtes Ziel. "An unseren großen Unterstützer und Fan Thierry Breton", beginnt ein Tweet vom 6. April – eine ungewöhnliche Ansprache für einen global agierenden Hersteller, zumal einer, der vorgibt, der EU gerne seinen Impfstoff verkaufen zu wollen.

"Die Art, wie über Personen wie Breton gesprochen wird, ist nur ein Echo ähnlicher Aussagen staatlicher und staatsnaher Stellen in Russland", sagt Dr. Susan Stewart, Forschungsgruppenleiterin Osteuropa und Eurasien bei der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Das sind Botschaften des russischen Staates, nicht nur die Botschaften eines Impfstoff-Herstellers.
Dr. Susan Stewart, Stiftung Wissenschaft und Politik

Sputnik V stellt die EU als anti-russisch und von Pharma-Lobbyisten unterwandert dar. "Die Pharma-Lobby und anti-russische Bürokraten haben einen Propaganda-Krieg gegen Sputnik V gestartet, bevor er überhaupt zugelassen wurde", so ein Post am 31. März. Regelmäßig werden kritische Medienberichte als "Fake News" und "organisierte Kampagne" bezeichnet.

Big Pharma und die Politik-Lobbyisten haben Angst, da sie wissen, dass Sputnik V einer der weltbesten Impfstoffe ist.
Sputnik V am 7. April auf Twitter

Teils werden Zweifel an anderen Impfstoffen impliziert

Negative Äußerungen über andere Impfstoffe habe Sputnik V inzwischen etwas zurückgefahren, sagt Pagung. "Im September 2020 wurde Astrazeneca vom RDIF-Leiter Dmitriev noch negativ als Affen-Impfstoff bezeichnet."

Aktuell sind die Botschaften weniger explizit: "91,6 Prozent ist größer als 91,3 Prozent", kommentierte Sputnik V einen Reuters-Bericht über die Wirksamkeit des Pfizer-Biontech-Impfstoffs. Aber das sei ja kein Wettbewerb, so die augenzwinkernde Relativierung des Sputnik-V-Accounts weiter.

Eine am 2. April auf Twitter verbreitete Umfrage unter russischen Ärzten gab an, dass Astrazeneca, Moderna und Pfizer lediglich 13, 20, beziehungsweise 28 Prozent der Befragten vertrauen würden. Sputnik V hingegen 69 Prozent.

Der gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Peter Liese (CDU), zum russischen Impfstoff Sputnik V: "Er ist noch nicht ausreichend geprüft". Eine Notzulassung hält er für "gefährlich".

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Man gibt vor, unpolitisch zu handeln

Bei all dem betont Sputnik V stets seine lauteren Absichten. Kirill Dmitriev, CEO von RDIF, sagte "CNN" etwa Anfang März: "Es geht nicht um Politik. Uns kommt es vor, als seien den Gegnern des Impfstoffs alle anderen Argumente ausgegangen. Sie haben nur noch das Politik-Argument, um gegen Sputnik zu sein."

Und auch die Social-Media-Accounts greifen die Vorwürfe direkt auf: "Manche Leute denken, ich bin hier für PR oder Propaganda. (…) Ich denke, wir sollten zusammenarbeiten, um Impfstoffe zu entpolitisieren und Leben zu retten." Diese Kommunikationsstrategie ist überaus erfolgreich.

Es geht auch nicht darum, ob Impfstoff am Ende in großen Mengen geliefert wird. Es geht darum, Nachrichten zu generieren, wie Russland dem armen Europa hilft.
Sarah Pagung, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Über kaum einen Impfstoff gebe es so eine breite Diskussion. "Mit de facto sehr kleinen Lieferungen hat man einen maximalen politischen Effekt ausgelöst."

Ein medizinscher Angestellter hält den Covid-19-Impfstoff Sputnik V am 02.04.2021

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