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Debatte um Patent-Aussetzung - Steutel: "Verheerende Folgen für Deutschland"

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Die Aussetzung des Patentschutzes hätte "verheerende Folgen", so vfa-Präsident Steutel im ZDF. Und: Niemand könne in Kürze die Produktion von Corona-Impfstoffen hochfahren.

Die Aussetzung des Corona-Patentschutzes hätte verheerende Folgen. Die mRNA-Technologie ginge verloren, sagt vfa-Chef Steutel, Auch führe dies kurzfristig nicht zu mehr Impfstoff.

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Deutsche Pharma-Firmen lehnen den Vorschlag von US-Präsident Biden, Patentrechte auszusetzen rundweg ab. Niemand könne in weniger als sechs Monaten eine Produktion hochziehen, betont der Chef des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) im ZDF.

Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Han Steutel zu ...

... der plötzlichen Kehrtwende der USA

Patentschutz für Pharmaprodukte ist natürlich in Amerika sehr, sehr wichtig, denn es ist der größte Markt weltweit. Ich denke, das hat auch viel zu tun mit der Lage in Amerika selber. Die sind mittlerweile sehr erfolgreich beim Impfen.

US-Präsident Joe Biden spricht sich für die temporäre Aufhebung des Patentschutzes von Corona-Impfstoffen aus. Daraufhin stürzen die Aktienkurse einiger Pharmakonzerne ab.

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Und wahrscheinlich schauen die Amerikaner jetzt mehr auf den Rest der Welt - etwas, was sie vorher noch nicht so gemacht haben. Denn im Gegensatz zu Deutschland haben die Amerikaner keine Impfstoffe exportiert, sondern sie nur im eigenen Land verwendet.

... der Wirksamkeit einer Aussetzung der Patentrechte

Das ist kein guter Schritt und auch überhaupt nicht wirksam. Das ist etwas, von dem man vielleicht denkt, es kurzfristig umsetzen zu können. Aber das geht überhaupt noch nicht - nicht einmal mittelfristig. Pharmaindustrie mit einer hochwertigen Technologie - das dauert einfach, bevor man wirklich etwas aufbauen und dann auch so eine schwierige biotechnologische Produktion von Impfstoffen hinkriegen kann.

... der Geschwindigkeit in der Bewältigung der Pandemie

Vor 14 Monaten kannten wir die Krankheit noch nicht. Und in 14 Monaten ist es der forschenden Pharmaindustrie gelungen, Moleküle zu erfinden, sie erfolgreich zu dokumentieren, in die klinische Prüfung zu gehen und die Produktion hochzufahren. In einem Tempo, das wir noch nie gesehen haben. Es kann nicht schnell genug gehen, das verstehen wir natürlich alle. Aber es geht schneller als je zuvor in der Vergangenheit.

... dem Gedanken, dass demnächst Vakzine rund um den Globus hergestellt werden

Also auch heute wird schon über die ganze Welt hinweg produziert - auch in Südamerika, in Südafrika und Indien. Wir haben natürlich im Moment extrem große Probleme in Indien.

Der Präsident vom Verband forschender Pharma-Unternehmen, Han Steutel, plädiert für Geduld: "Wir können nicht auf Knopfdruck die Produktion erweitern", sie sei aufwendig.

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Es ist aber ein Denkfehler, zu meinen, dass jeder, der auf der Welt die Arzneimittel produziert und dann besonders Generika, also meistens Pillen oder Kapseln, dass der dann auch auf einmal biotechnologische Impfstoffe herstellen kann.

... der Annahme, dass eine Aussetzung der Patente zu einer schnellen Erhöhung der Produktion führt

Jedenfalls irren sie sich, wenn sie denken, ganz ganz schnell in einem eigenen Land so eine Produktion, die wirklich sehr kompliziert ist, hochfahren zu können.

Das haben wir in Deutschland selber auch gesehen. Marburg ist ein sehr gutes Beispiel davon. Da gibt es eine Produktionsanlage, die in der Vergangenheit schon Impfstoffe hergestellt hat. Aber nichtsdestotrotz hat es Biontech noch immer acht Monate gekostet, dort die Produktion hochfahren zu können.

...zur Bedeutung der Aussetzung für die deutsche mRNA-Technik

Das wäre verheerend für Deutschland. CureVac forscht seit 20 Jahren an dieser Technologie, Biontech seit 2008, also seit mehr als einem Jahrzehnt.

Und dann gelingt es endlich, ein Produkt auf den Markt zu bringen und dann müssen wir auch bedenken, eigentlich waren oder sind diese Firmen ja in der Krebsforschung tätig. Sie haben sehr schnell umgestellt, um diese Pandemie angreifen zu können, auf Basis dieser Technologie und auch sehr erfolgreich.

Es wäre natürlich verheerend, wenn das, was die Hersteller jetzt auch in der Produktion gelernt haben und umsetzen, wenn das ganze Wissen auf einmal umsonst Deutschland wieder verlassen würde.

Das Gespräch führte heute journal up:date-Moderatorin Nazan Gökdemir

Das Rennen um den rettenden Corona-Impfstoff sehen Sie in dieser Dokumentation:

Das Coronavirus hält die Welt weiter in Atem. Nur ein wirksamer Impfstoff würde in absehbarer Zeit die Krise aufhalten, der Kampf um das rettende Serum ist zum Politikum geworden.

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Zu sehen die Infektionswellen der Corona-Pandemie in Schweden, Deutschland und England.

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