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Neue Studie der Uni München : War der Shutdown unnötig?

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Eine neue Studie sorgt für Zündstoff: Forscher der Uni München halten den Effekt der Corona-Maßnahmen für überschätzt. Doch manche interpretieren ihren Bericht völlig falsch.

Das Wort "Lockdown" ist in einem Schaufenster zu sehen, aufgenommen am 17.03.2021
Schaufenster in Tübingen - was haben die Maßnahmen gebracht?
Quelle: epa

Was haben die Shutdown-Maßnahmen und die Bundesnotbremse im Kampf gegen das Coronavirus tatsächlich gebracht? Darüber gibt es seit Monaten Streit. Statistiker der Ludwig-Maximilians-Universität München sorgen mit einer neuen Studie für Aufsehen: In ihrem Bericht sehen die Forscher keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Maßnahmen und dem Infektionsgeschehen.

"Neue Studie beweist - Lockdown und 'Notbremse' waren unnötig", postet prompt die AfD Bayern am Dienstag bei Facebook. Doch gegen solche Interpretationen ihrer Arbeit verwahren sich die Wissenschaftler: Von "Beweisen" für irgendetwas könne man nicht sprechen, sagt Ralph Brinks, Mitautor der Studie, im Gespräch mit ZDFheute:

Dass der Lockdown unnötig war, kann man so aus den Daten nicht sagen.
Ralph Brinks, Lehrstuhl für Medizinische Biometrie und Epidemiologie der Universität Witten/Herdecke

Man habe nur festgestellt, dass "das Einsetzen der Lockdown-Maßnahmen und das Absinken des Infektionsgeschehens nicht zusammenfallen".

R-Wert sank jeweils schon vor den Maßnahmen

Für ihre Forschung hatten die Statistiker beobachtet, wie sich der R-Wert während des sogenannten Lockdown light im November, während des Shutdowns im Dezember und der Bundesnotbremse im April entwickelte. Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt.

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Die These der Wissenschaftler: Wenn die Maßnahmen wirken, dann müsste sich das auch in den Zahlen niederschlagen. "Man würde sich ja wünschen, dass sich zu diesen drei Zeitpunkten etwas beim Infektionsgeschehen verändert hat. Das konnten wir nicht beobachten. Gerade beim 'Lockdown light' sehen wir, dass der R-Wert bereits deutlich vor dem Inkrafttreten sank", fasst Brinks die Ergebnisse zusammen.

Zahlen sinken aus vielen Gründen

Dennoch hätten die Maßnahmen das Infektionsgeschehen durchaus beeinflusst, genau wie weitere Faktoren auch, so Brinks. "Aber das können wir mit den Daten nicht auseinanderdröseln."

Als eine mögliche Erklärung dafür, dass die Infektionszahlen bereits vor Inkrafttreten von Maßnahmen sanken, nannte das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits im Mai die öffentliche Diskussion um die Maßnahmen. Auch Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes und der Berliner Physiker Dirk Brockmann sagten gegenüber ZDFheute, dass schon die Debatte und die Ankündigung von Maßnahmen eine Wirkung haben könnten, weil viele Menschen daraufhin ihr Verhalten änderten.

Corona-Regeln hatten offenbar positiven Einfluss

Für sinkende Infektionszahlen sind laut RKI auch die zunehmende Anzahl von geimpften Personen und die Saisonalität verantwortlich. Vor allem das Wetter kann die Infektionszahlen drücken: Bei besserem Wetter hielten sich die Menschen mehr draußen auf, sagt auch Annika Hoyer, die ebenfalls an der Münchner Studie beteiligt war. Es sei aber immer schwierig zu sagen, welche Maßnahme was genau bewirkt.

Insgesamt gehen die Forscher in ihrer Studie davon aus, dass die "ergriffenen Maßnahmen den Verlauf des Infektionsgeschehens durchaus positiv beeinflusst haben könnten, jedoch nicht allein ursächlich für den Rückgang verantwortlich sind". Und so ist der Bericht geeignet, die Debatte um die Verhältnismäßigkeit von Grundrechtseingriffen noch einmal anzuheizen.

Autoren wollen nicht politisch vereinnahmt werden

Doch Brinks stellt klar: Er und seine Kollegen wollen "nur wissenschaftliche Daten auswerten" und "keine politische Agenda" verfolgen.

Wir wollen nicht irgendwelchen Leugnern oder Extremisten in die Karten spielen.
Ralph Brinks, Lehrstuhl für Medizinische Biometrie und Epidemiologie der Universität Witten/Herdecke

"Und wenn es von Extremisten für ihre Zwecke genutzt wird, dann tut einem das natürlich weh", sagt Brinks.

mit Flatterband abgesperrte Stühle
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