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Hilferuf von Studierenden : "Es ist kein Studentenleben mehr da"

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Während immer mehr Corona-Einschränkungen gelockert werden, herrscht an Unis Stillstand. Das Leben von Studierenden besteht aus Online-Kursen, ausgefallenen Praktika und warten.

Aerchiv: Ein leerer Hörsaal der Ruhr-Universität Bochum am 05.04.2016
Viele Studierende leiden unter dem Lernen auf Distanz und geschlossenen Hochschuleinrichtungen.
Quelle: dpa

"Mehr als nur online muss möglich sein", sagt Katja Ruete, Lehramtsstudentin an der Universität Würzburg. Inzwischen ist es für die Studierenden bereits das dritte Semester, das fest im Griff der Corona-Beschränkungen stattfindet. Das bedeutet für die allermeisten, jegliche Vorlesungen und Seminare können sie ausschließlich virtuell besuchen. Eine Chance auf echtes Uni-Leben scheint weit entfernt.

Reaktion von Politik und Uni ernüchternd

Auch für die 21-jährige Würzburger Studentin Charlotte Jost ist eine Kombination aus Online- und Präsenzlehre die einzig akzeptable Perspektive für das kommende Semester. Das Studieren in den kleinen WG-Zimmern mit ständiger Rücksicht auf die Mitbewohner*innen sei kein dauerhafter Zustand.

Ich denke einfach ständig an die ganzen Sachen, die mir verwehrt bleiben.
Charlotte Jost, Studentin

Ihre Universität, früher ein Ort der Begegnung und des kritischen Austauschs, ist nun verwaist. Ihre Möglichkeiten, die Bibliotheken zu besuchen, sind stark eingeschränkt. Nun reicht es den Studierenden. Bereits im Dezember verfassten Katja Ruete und einige Kommiliton*innen Briefe an die bayerische Staatskanzlei und ihre Universität, die Antworten waren ernüchternd.

Sorge um Lehre und Abschlüsse

Von der Staatskanzlei habe es erst nach mehreren Monaten eine Rückmeldung gegeben, in der an den Zuständigkeitsbereich der Uni verwiesen wurde, berichtet Katja Ruete. Die Universität habe dann wiederum auf das bayerische Infektionsschutzgesetz verwiesen und gesagt, ihr seien aufgrund der Landes- und Bundesgesetzgebung die Hände gebunden. "Der eine sagt also, der andere ist schuld und umgekehrt", erklärt Katja Ruete.

Demnach sei das Ziel für das kommende Wintersemester eine 30-prozentige Präsenzlehre. Unzureichend, finden Katja und ihre Kommiliton*innen. Sie machen sich Gedanken, wie sie ihr Staatsexamen erfolgreich absolvieren sollen, ohne zuverlässigen Zugriff zu Bibliotheksbüchern oder anständige Diskussionen in Vorbereitungskursen, die online so nicht möglich seien.

Es ist einfach kein Studentenleben mehr da.
Katja Ruete

Besonders enttäuschend finden die Studierenden, dass erfolgreiche Konzepte aus der Vergangenheit aktuell nicht mehr berücksichtigt würden. So hätten sie im Winter eine Phase von circa vier Wochen Hybrid-Lehre gehabt, die gut funktioniert habe, meint Ruete. Es hätte Abstandsregeln gegeben, Laufwege in nur eine Richtung und erfolgreiche Kontaktnachverfolgung, all dies scheine nun wie vergessen.

Sie ärgern sich darüber, dass ihnen gerade jetzt keine Beachtung und Wertschätzung entgegengebracht werde. Sie seien anscheinend weniger relevant, da sie kaum von wirtschaftlichem Nutzen sind, meint Etienne-Fabrice Hees, ebenfalls Unterzeichner der Beschwerdebriefe.

Ich wünsche mir, dass wir mit einer ähnlichen Priorität behandelt werden wie andere gesellschaftliche Bereiche.
Etienne-Fabrice Hees

So arbeiten sie nun an einem Offenen Brief mit deutschlandweiter Vernetzung, um bis zum Bund auf ihre Ängste und Probleme aufmerksam zu machen. "Keiner fordert den direkten Rückgang zur vollen Präsenz, aber mehr als einfach nur online ist möglich", appelliert Katja Ruete.

Sie will hoffnungsvoll bleiben, dass sie irgendwann noch einmal mit ihren Freund*innen gemeinsam in einem Hörsaal sitzen wird, allerdings bröckelt dieser Traum jeden Tag ein bisschen mehr.

Der Autorin bei Twitter folgen @Alica_Jung

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