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Söders Pleite - Wie konnte es dazu kommen?

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Corona-Tests in Bayern - Söders Pleite - Wie konnte es dazu kommen?

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Wegen der Testpanne in Bayern kannten mehr als 900 Corona-Infizierte tagelang ihre Ergebnisse nicht. Wie konnte es dazu kommen und was passiert jetzt? Die wichtigsten Antworten.

44.000 verzögerte Testergebnisse, davon über 1000 positiv: Im Chaos um die in Bayern durchgeführten Coronatests hat nun Ministerpräsident Söder, der bisher als Krisenmanager gesehen wurde, Stellung bezogen und sich entschuldigt.

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Wie konnte es zu der Panne kommen?

Der Wunsch der Regierung, Urlaubsrückkehrer möglichst flächendeckend zu testen, wurde hastig umgesetzt. Das Bayerische Rote Kreuz bemängelte, die "eigentlich gute Idee" hätte ein paar Tage mehr Vorbereitungszeit verdient gehabt. Hinzu kam, dass die Behörden in Bayern und die beteiligten Labore geradezu überrollt wurden von einer Flut von freiwilligen Tests - insgesamt mehr als 60.000 an Autobahnen, Bahnhöfen und Flughäfen. Die Zahl der Corona-Tests sei unterschätzt worden, räumte der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, ein.

Warum hat Bayern die Testzentren aufgebaut?

Bayern war bundesweit Vorreiter beim Aufbau von Testzentren für Urlaubsheimkehrer - Söder verwies mehrmals darauf, dass Bayern auch Dienstleister für andere Bundesländer sei, und zwar dann, wenn Rückkehrer Bayern durchquerten. Die Autobahnen Bayerns sind Hauptrouten in viele Urlaubsländer wie Österreich und Italien, aber auch für Zuwanderer auf Heimaturlaub in ihren Herkunftsländern etwa auf dem Balkan - und dort gibt es Risikogebiete. Unklar ist bis heute, warum dies beim lange im Voraus absehbaren Sommerferien-Termin nicht länger vorbereitet wurde.

Was genau ist das Problem?

Während es an den Flughäfen und teils auch an den Bahnhöfen offenbar vergleichsweise reibungslos lief, traten die Probleme vor allem an den drei Autobahn-Testzentren Donautal-Ost, Inntal-Ost und Hochfelln auf. Dort mussten die Reisenden vor dem Abstrich handschriftlich einen Testantrag ausfüllen Sie erhielten einen QR-Code, den sie in ihre Warn-App einlesen konnten, und sollten so das Ergebnis bekommen. Das beteiligte Labor hatte aber große Probleme, die Flut von handbeschriebenen Anträgen zu digitalisieren. So konnten die Testergebnisse nur schwer den betroffenen Personen zugeordnet werden.

Können positiv Getestete weitere Menschen angesteckt haben?

Die Gefahr ist sehr groß - die Frage ist nur: wie viele? Die Nachverfolgung der Betroffenen und deren Kontaktpersonen über die Gesundheitsämter hat noch nicht stattfinden können. Ob es sich bei den positiv Getesteten um Personen handelt, die sich in den vergangenen Tagen überwiegend zu Hause aufgehalten haben, oder um Menschen, die unter die Leute gegangen sind - das ist nicht bekannt. In Quarantäne müssen ja nur Urlauber, die aus Risikogebieten kommen.

[ZDFheute hat mit einem Reiserückkehrer gesprochen, der zu den Opfern der Testpanne ghört. Er hat an diesem Donnerstag erfahren, dass er sich mit Corona infiziert hat. Lesen Sie seine Geschichte hier.]

Könnte es noch mehr Reiserückkehrer geben, die Virusträger sind?

Ja, durchaus. Nicht alle Rückkehrer haben sich in Bayern testen lassen, und in anderen Bundesländern gibt es nur wenig freiwillige Tests für Menschen. Daher dürfte die Zahl derer deutlich höher sein, die infiziert sind und davon nichts wissen. Außerdem gehen die Tests ständig weiter.

Was will Bayern jetzt besser machen?

Jetzt sind alle acht Testzentrum in der Hand professioneller Dienstleister. Sie digitalisieren die eingehenden Testanträge mit den persönlichen Daten der Getesteten - damit sollte die Übermittlung deutlich schneller funktionieren. Gesundheitsministerin Melanie Huml erklärte am Nachmittag, von mehr als 1.000 positiven Tests seien 908 Getestete identifiziert worden. Um den Stau aufzuarbeiten, wurde das Landesamt für Gesundheit um 100 Leute aufgestockt. Zapf wurde ins Gesundheitsministerium versetzt.

Ändert Söder jetzt die Strategie?

Nein. Im Gegenteil. Neben den acht mobilen Testzentren für Urlaubsrückkehrer sollen in jedem Landkreis weitere Teststationen entstehen. Dies auch, um niedergelassene Ärzte zu entlasten. Die Oberaufsicht wandert ins Innenministerium, dort seien mehr Kapazitäten und es sei näher an den Kommunen, argumentierte Söder. Es solle so viel wie nur irgend möglich getestet werden. Bayern will in der Lage sein, binnen eines Monats einen Großteil der Bevölkerung durchzutesten, wenn nötig. Einem ersten Test soll innerhalb weniger Tage möglichst ein zweiter folgen, um die Sicherheit zu erhöhen.

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Corona-Tests: Söder räumt Panne ein
 

Ministerpräsident Söder räumt die Panne bei Corona-Tests ein, an Gesundheitsministerin Huml hält er fest. Sehen Sie hier die Pressekonferenz in voller Länge.

Videolänge:
47 min

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