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Wissenschaftler von "The Lancet" : Experten rechnen mit Trumps Corona-Politik ab

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40 Prozent der Corona-Toten in den USA wären vermeidbar gewesen, schreibt das Medizinjournal "The Lancet". Für viele trage Ex-Präsident Trump Verantwortung - aber nicht für alle.

Trump ist nicht mehr im Amt.
Ex-US-Präsident Donald Trump wird von den Wissenschaftlern bei "The Lancet" kein gutes Zeugnis für sein Krisenmanagement ausgestellt.
Quelle: Gerald Herbert/AP/dpa/Archivbild

Es ist ein vernichtendes Urteil, das mehrere Wissenschaftler im britischen Medizinjournal "The Lancet" über das Krisenmanagement von Ex-US-Präsident Donald Trump fällen. 40 Prozent der fast 500.000 Covid-19-Todesfälle in den USA im vergangenen Jahr seien vermeidbar gewesen, heißt es in ihrer Analyse.

Darin beschäftigen sich 33 Ärzte und andere Experten der "Lancet-Kommission für öffentliche Ordnung und Gesundheit" unter anderem mit den Auswirkungen der Gesundheitspolitik auf die amerikanische Bevölkerung. Es geht aber auch um andere Themen: Die Kritik reicht vonm Rassismus bis zum Klimawandel.

USA überproportional hart von Covid-19 getroffen

Die USA sind die Nation mit den meisten Covid-Todesfällen weltweit und mit mehr als 27 Millionen auch führend bei den bestätigten Infektionen. Im Vergleich zu den anderen G7-Staaten - Deutschland, Kanada, Frankreich, Italien, Japan und Großbritannien - ist das Land unverhältnismäßig stark von der Pandemie getroffen.

Die Wissenschaftler von "The Lancet" kommen daher zu der Einschätzung: Die USA hätten Hunderttausende Menschenleben retten können, wenn sie sich nur ähnlich wie ihre wirtschaftlich vergleichbaren Partnerländer verhalten hätten.

Der Bericht kritisiert Trump wegen seiner Handlungen in der Pandemie, betont jedoch auch, dass die katastrophale Reaktion auf die Ausbreitung des Virus das Ergebnis jahrelanger destruktiver Entscheidungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit war, die lange vor den Trump-Jahren stattgefunden haben.

Im Detail kritisiert "The Lancet" folgende Handlungen des Präsidenten:

  • Anstatt die US-Bevölkerung zur Bekämpfung der Pandemie zu motivieren, spielte Präsident Trump die Bedrohung durch das Coronavirus öffentlich herunter (obwohl er sie privat anerkannte)
  • Seine Maßnahmen seien "mutlos" gewesen als sich die Infektionen schnell ausbreiteten
  • Er verzichtete auf internationale Zusammenarbeit, etwa auf die Zusammenarbeit mit der WHO
  • Er weigerte sich, eine nationale Strategie zu entwickeln. Dadurch habe sich der Mangel an Schutzausrüstung und Corona-Tests weiter verschärft.
  • Präsident Trump politisierte das Tragen von Masken und die Wiedereröffnung von Schulen
  • Er lud zu (Wahlkampf)Veranstaltungen in Innenräumen ein, an denen Tausende teilnahmen, bei denen das Tragen einer Maske jedoch verpönt war und es unmöglich war, Abstandsregeln einzuhalten.

USA haben schon lange höhere Sterblichkeitsrate als die G7-Staaten

Die Entwicklung der USA in Bezug auf die Lebenserwartung im Vergleich zu den anderen G7-Staaten sei jedoch nichts Neues und die Kluft habe sich in den letzten zehn Jahren stetig vergrößert, lange bevor das das Coronavirus die bestehenden Mängel im US-Gesundheitssystem so offen zu Tage gefördert hat.

Die Zahl der Menschen, die noch am Leben wären, wenn sich die Sterblichkeitsraten wie in den anderen G7-Staaten entwickelt hätten betrug - laut der Berechnung von "The Lancet" - allein im Jahr 2018 bereits mehr als 450.000. Und diese Zahl steige seit Jahrzehnten. Die meisten dieser unnötigen Todesfälle in den USA seien bei Menschen unter 65 Jahren zu verzeichnen. The Lancet schreibt dazu:

Wenn die Sterblichkeitsraten in den USA denen anderer G7-Staaten entsprechen würden, könnten zwei von fünf Todesfällen vor dem 65. Lebensjahr abgewendet werden.

Die Zahl der vermeidbaren Todesfälle pro Jahr übersteigt also schon seit vielen Jahren die Gesamtzahl der COVID-19-Todesfälle in den USA im gesamten Jahr 2020.

Fehlende Krankenversicherungen und Ungleichheit

Unter Trump kamen zusätzlich zu den 28 Millionen Amerikanern, die bereits bei seinem Amtsantritt nicht krankenversichert waren, weitere 2,3 Millionen Menschen ohne Krankenversicherung hinzu. Darüber hinaus ist der Unterschied bei der Sterblichkeit zwischen weißen und schwarzen Amerikanern während der Pandemie um 50 Prozent gewachsen. Die Lebenserwartung der Lateinamerikaner ist um 3,5 Jahre gesunken ist.

Auch der Klimawandel ist für die Wissenschaftler eine große Bedrohung für die Lebenserwartung der Amerikaner. Gezeigt hätte sich das auch deutlich in den beispiellosen Waldbränden im Westen der USA im Jahr 2020. Städte, Vororte und ländliche Gebiete, in denen eher ärmere Menschen lebten, könnten sich nicht adäquat an diese Veränderungen anpassen. Gehe dieser Prozess ungebremst weiter, würden sich die gesundheitliche Ungleichheit weiter vergrößern und zu noch mehr vermeidbaren Todesfällen führen.

Das Fazit der meinungsstarken Lancet-Kommission gibt klare Handlungsempfehlungen an den Trump-Nachvolger Joe Biden:

"Um die Gesundheitsdefizite in den USA zu beheben, müssen wir Wohlstand und Einkommen durch Steuern umverteilen, soziale Programme und Vorschriften stärken, den strukturellen Rassismus beseitigen, von dem Schwarze, Lateinamerikaner und Indigene betroffen sind, und die US-Demokratie heilen, indem wir Wahlhindernisse beseitigen."

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