Sie sind hier:

Vorgehen auf Intensivstationen : Bundestag verabschiedet Triage-Regelung

Datum:

Wer wird beatmet, wenn es in der Pandemie zu wenige Intensivbetten gibt? Das soll ein Triage-Gesetz regeln. Am Abend hat der Bundestag dem umstrittenen Entwurf zugestimmt.

Der Bundestag hat für das neue Triage-Gesetz gestimmt, welches die Prioritäten bei knappen Behandlungskapazitäten regelt. Entscheidend ist die „Überlebenswahrscheinlichkeit".

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Es ist eine Regelung am Rande des Regelbaren. Wonach entscheiden Ärzte, wer leben darf und wer sterben muss, wenn während einer Pandemie lebensrettende Ressourcen nicht für alle ausreichen?

Dass der Gesetzgeber diese Triage-Situation regeln muss, geht auf eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zurück. Eine der Klägerinnen war Nancy Poser. Die Juristin ist wegen ihrer Behinderung auf 24-Stunden-Assistenz angewiesen. Ihr Risiko, bei einer Covid-Infektion auf die Intensivstation zu müssen, ist hoch. Zugleich fürchtet sie, auf der Intensivstation schlechtere Chancen zu haben.

Bundesverfassungsgericht gab Klägern Recht

Das Bundesverfassungsgericht gab Poser und den anderen Klägern Ende letzten Jahres Recht. Der Gesetzgeber müsse Menschen mit Behinderungen und Vorerkrankungen für den Fall einer pandemiebedingten Triage besser vor Benachteiligung schützen.

Nancy Poser hatte daraufhin große Hoffnungen in die gerichtlich angemahnte Triage-Regelung gesetzt. Doch der heute im Bundestag beschlossene Entwurf, aus Posers Sicht verbessert er den Schutz vor Diskriminierung nicht.

Der Bundestag wird über ein Gesetz abstimmen. Es soll die Verteilung von medizinischer Hilfe, wie Beatmungsgeräten, bei knappen Kapazitäten regeln.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Kritik an Kriterium der "aktuellen und kurzfristigen Überlebenswahrscheinlichkeit"

Der Grund für ihre Kritik: Nach der neuen Regelung ist maßgebliches Kriterium für die Zuteilungsentscheidung die "aktuelle und kurzfristige Überlebenswahrscheinlichkeit". Kommen zwei Patienten auf die Intensivstation, ist dort aber nur noch ein Platz frei, dann erhält derjenige den Platz, dessen Chance mit intensivmedizinischer Behandlung zu überleben von den Ärzten höher eingeschätzt wird.

Zwar wird im Gesetzentwurf betont, dass es nur um das Überleben der aktuellen Erkrankung geht, nicht um die allgemeine Konstitution eines Patienten. Faktoren wie Behinderung, Alter oder Gebrechlichkeit dürfen ausdrücklich nicht berücksichtigt werden.

Komorbiditäten können Entscheidung beeinflussen

Vor- und Begleiterkrankungen, so genannte Komorbiditäten, hingegen können eine Rolle spielen, wenn sie die kurzfristige Überlebenswahrscheinlichkeit erheblich verringern. Gerade darin sieht Nancy Poser die Gefahr, dass doch von einer Behinderung auf schlechtere Genesungsaussichten für die akute Erkrankung geschlossen wird:

Wenn ich die kurzfristige Überlebenswahrscheinlichkeit beurteile, werde ich immer dazu kommen, dass jemand, der eine Behinderung hat, die eben zumeist mit Komorbiditäten verbunden ist, die schlechteren Chancen haben wird.
Nancy Poser, Juristin

Vier-Augen-Prinzip soll Diskriminierung verhindern

Der Diskriminierung entgegenwirken soll ein Vier-Augen-Prinzip. Betrifft die Entscheidung einen Menschen mit Behinderung, ist eine weitere Fachkraft hinzuzuziehen. Die entscheidungserheblichen Umstände müssen dokumentiert und die Entscheidung an die Gesundheitsbehörden gemeldet werden.

Aus Sicht von Poser und der Initiative "Runder Tisch Triage", für die sie sich engagiert, helfen diese Verfahrensregeln nicht, solange es beim Kriterium der Überlebenschance bleibt. Sie fordert stattdessen eine Entscheidung nach dem Prinzip "First come, first served". Bei zeitgleich eintreffenden Patienten soll nach ihrem Vorschlag das Los entscheiden.

Intensivmediziner Christian Karagiannidis warnt vor Einschränkungen der regulären Krankenhausversorgung. Aufgrund zahlreicher Personalausfälle in Kliniken ist die Lage auf den Intensivstationen angespannt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Ärzte fordern: Orientierung an der Überlebenschance

Für Ärztevertreter kommt das nicht in Betracht. Sie befürworten die Orientierung an der Überlebenschance, um möglichst viele Leben retten zu können.

Und doch stößt der Gesetzentwurf auch bei ihnen auf Kritik. Grund dafür ist das enthaltene Verbot der so genannten "Ex-Post-Triage". Wer einmal ein Intensivbett erhalten hat, dem darf es nicht zu Gunsten eines neuen Patienten mit besseren Überlebenschancen wieder entzogen werden.

Im bayerischen Deggendorf steigt die Corona-Infektionsrate derzeit wieder rasant an. Wie geht das Personal damit um?

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Ärztevertreter kritisieren geplantes Verbot von "Ex-Post-Triage"

Ärzte sehen dadurch ihre Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt und befürchten, das Verbot könnte medizinisch sinnvolle Therapiezieländerungen ausschließen, zum Beispiel die Verlegung eines absehbar sterbenskranken Patienten von der Intensivstation auf die Palliativstation.

Die Regierungsfraktionen passten kurzfristig die Gesetzesbegründung an. Dort wird nun klargestellt, dass "der Abbruch einer intensivmedizinischen Behandlung infolge einer Therapiezieländerung" vom Verbot der Ex-Post-Triage nicht erfasst ist. Ob das für ausreichend Klarheit sorgt, soll, wie die gesamte Triage-Regelung, spätestens 2025 evaluiert werden. 

Samuel Kirsch ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Recht und Justiz.

Touristen mit und ohne Maske in Cozumel, Mexiko
Grafiken

Corona-Lage in Reiseländern - 86 oder 3.100? Wie Europas Inzidenzen trügen 

In vielen Ländern Europas sind die Inzidenzen abgestürzt - in Portugal seit Monatsbeginn von 170 auf 0. Woran liegt das? Und welche Hinweise gibt es noch zur realen Corona-Lage?

von Gary Denk

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Corona-Test und Neuinfektionskurve in Deutschland
Grafiken

Wichtige Zahlen zum Coronavirus - Wie viele sich infizieren und sterben 

Wie viele Neuinfektionen gibt es in Deutschland? Wie hoch ist die Inzidenz? Wie ist die Lage auf den Intensivstationen? Die aktuellen Corona-Zahlen und Grafiken.

von R. Meyer, M. Zajonz
Eine Lehrerin und viele Kinder mit Maske

Nachrichten | heute 19:00 Uhr - Lehren aus der Pandemie 

Mittlerweile wurden Fehler der Corona-Pandemie benannt: Die Bedürfnisse der Kinder hatten keine Priorität. Um Langzeitfolgen zu verhindern, will die Regierung jetzt gegensteuern.

08.02.2023
von B. Buchholz / S. Bassler
Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du bist dabei, den Kinderbereich zu verlassen. Möchtest du das wirklich?

Wenn du den Kinderbereich verlässt, bewegst du dich mit dem Profil deiner Eltern in der ZDFmediathek.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.