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Tschentscher zu falschen Zahlen : Der Zahlen-Erklärer in Zahlennot

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Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher hatte Ungeimpfte für die meisten Neuinfektionen verantwortlich gemacht. Nun spricht er von einer "Datenpanne" und "grob falschen" Zahlen.

Hamburg: Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, während eines Interviews im Bürgermeisteramtszimmer im Rathaus. Archivbild
Hamburg: Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg (Archivfoto).
Quelle: dpa

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte im ersten Jahr der Pandemie ziemlich viel richtig gemacht. Als langjähriger Labormediziner brachte er für das Amt des Regierungschefs das nötige Rüstzeug mit für das Analysieren und Erklären der komplexen Zahlen in der Pandemie. Und auch für die Schlussfolgerungen daraus.

Umso peinlicher wirkten da Zahlen über den angeblichen Anteil Ungeimpfter bei den Infizierten, die Tschentscher im November nannte. Nun musste er einen Fehler einräumen und nannte diese Zahlen "grob falsch".

Datenbasis laut Tschentscher viel zu dünn gewesen

Konkret ging es um die Bekanntgabe der Daten zu spezifischen Inzidenzen der Geimpften und Ungeimpften. In der Landespressekonferenz am 16. November letztes Jahr hatte Tschentscher gesagt, dass 90 Prozent der Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf Ungeimpfte zurückzuführen seien. "Grob falsch", wie er nun am Dienstag in der Landespressekonferenz einräumen musste.

Die Datenbasis sei damals viel zu dünn gewesen und hätte niemals zur dann eben falschen Berechnung herangezogen werden dürfen. Der verharmlosend wirkende Begriff "Datenpanne" wird nun zu Hilfe genommen, um dem Zahlendesaster einen Namen zu geben.

Der Hamburger Bürgermeister Tschentscher erklärt Details zur Corona-Datenpanne. Es seien aber "keine falschen Entscheidungen getroffen worden".

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Tschentscher gilt eigentlich als Zahlen-Profi

Hinter den Kulissen des Hamburger Rathauses hat es jedenfalls ziemlich gefunkt, hört man in den dunklen, pandemiebedingt weitgehend menschenarmen Gängen. Dass ausgerechnet der Schaltzentrale des bis dahin weitgehend makellosen Pandemie-Managers Tschentscher ein solcher Lapsus passiert, hat ihn selbst wohl am allermeisten verärgert.

Denn Tschentscher gilt schon lange und nicht nur in Hamburg, gerade was Zahlen angeht, als Profi. Unter seinem Vorgänger Olaf Scholz hatte er als Finanzsenator den Hamburger Haushalt über zwei Legislaturperioden hinweg so gut im Griff gehabt, dass Scholz ihn bei seinem Weggang nach Berlin 2018 als seinen besten Mann bezeichnete und eben als künftigen Statthalter auserkor.

Aussage zur Pandemie der Ungeimpften passte ins Konzept

Nun also Tschentschers "Datenpanne". Dabei passte ihm die Aussage, es handele sich um eine Pandemie der Ungeimpften, offensichtlich gut ins Konzept. Vielleicht auch deshalb wurde die Datenbasis dazu auch von seinem Umfeld nicht groß hinterfragt. Denn der Hamburger Regierungschef setzt schon lange auf die Impfung und auch die Auffrischimpfung als wichtigste Maßnahme im Kampf gegen Corona.

Und Druck zu machen auf die Ungeimpften, gehört, da ist er schon lange ganz ehrlich, mit zu seiner Strategie. "Wenn man ganz präzise gewesen wäre, hätte man sagen müssen, 90 Prozent der Infektionen beziehen sich auf Personen, von denen wir bisher nicht eindeutig wissen, dass sie geimpft sind. Auf die Idee sind wir zu dem Zeitpunkt gar nicht gekommen, dass man das so stark einschränken musste. Aber so ist die Zahl zustande gekommen", sagte Tschentscher nun vor der Landespressekonferenz.

Der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erklärt, warum er im November einen falschen Corona-Wert zu Ungeimpften genannt hat. Das Gesamtbild sei aber weiter richtig.

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Durch Meldeverzug kein zeitnahes Bild der Zahlen

Von den 3.462 Personen in der 45. Kalenderwoche letzten Jahres hatten die Hamburger Statistiker weniger als die Hälfte mit ihrem Impfstatus erfasst und diese eben zu geringe Datenbasis führte zu der falschen Aussage. Jetzt räumt Tschentscher ein, dass man an einer Interpretation der Zahlen festgehalten hatte, obwohl der Meldeverzug durch den starken Anstieg der Infektionszahlen immer größer wurde.

Mit anderen Worten: Die Gesundheitsämter und Zahlenlieferanten hatten kein zeitnahes Bild mehr davon, was tatsächlich geschah. Hamburg verpasste dann offensichtlich den Zeitpunkt, als das für die nationale Erhebung zuständige Robert-Koch-Institut diese Zahlen zum Impfstatus unter positiv Getesteten schon nicht mehr ermittelte. Erst am 7. Dezember stellte auch Hamburg die Ausweisung dieser Zahlen ein und damit legte auch Tschentscher seine immer wieder formulierte Behauptung auf Eis.

Der Bürgermeister von Hamburg Peter Tschentscher (SPD) hatte falsche Corona-Zahlen genannt - er versichert nun, noch vorsichtiger zu sein, bevor man Zahlen veröffentliche.

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Politische Konsequenzen? Sieht Tschentscher nicht

Nun also ist man auch in Hamburg wieder schlauer.

"Wir haben eine Transparenzpflicht, wir müssen Daten, die wir haben, zur Begründung und Beurteilung Dritter veröffentlichen. Das erwarten Sie, das erwartet die Öffentlichkeit, das erwartet das Transparenzgesetz. Aber ich werde persönlich noch vorsichtiger sein, wenn wir einzelne konkrete Zahlen präsentieren und in die Gesamtargumentation einbauen", so Tschentscher.

Und trotzdem legt Tschentscher wert darauf, dass aus den falschen Zahlen keine direkten oder "gesonderten" Entscheidungen abgeleitet wurden.

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Ein bisschen dünnhäutiger wirkte Hamburgs Regierungschef, als er sich nun ausführlich dazu äußerte. Die Notwendigkeit von politischen Konsequenzen sieht er nicht. Und die Pandemie sei schon etwas, "was wirklich auch den Senat sehr stark belastet, wahrscheinlich mehr belastet hat als jemals einen Senat zuvor". Bei dieser Aussage wirkt er gedrückt und zugleich kämpferisch, Hamburg und seine Bürgerinnen und Bürger weiter durch diese Krise führen zu wollen.

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