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Corona am Bosporus - Türkei kämpft gegen hohe Infektionszahlen

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Die türkische Regierung beschließt neue Corona-Maßnahmen, schreckt aber vor allzu harten Einschränkungen zurück. In der Bevölkerung herrscht vor allem eins: Verwirrung.

Die türkische Regierung versucht ab Samstagabend einen eigenwilligen neuen Weg: Ausgangssperre von Samstag 20 Uhr bis Sonntag 10 Uhr. Außerdem müssen Restaurants und Cafés ab Freitagabend schließen und dürfen nur tagsüber Außer-Haus-Verkauf anbieten.

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"Wir sehen uns in Istanbul einem Tsunami gegenüber," meint Sait Goenen, Mitglied im Beratergremium des türkischen Gesundheitsministeriums. Von den über 435.000 Corona-Kranken und mehr als 12.000 Toten im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion sollen rund 40 Prozent auf die Wirtschaftsmetropole am Bosporus entfallen.

Die wirkliche Infektionszahl liegt wahrscheinlich noch viel höher. Seit September veröffentlicht das Ministerium nur noch die Zahl der Infizierten, die Symptome aufweisen. Seit Wochen reagiert Präsident Erdogan nur in kleinen Schritten auf die dramatisch ansteigenden Zahlen.

Erdogan verhängt Ausgangsperren für jung und alt

Ausgangssperren für die Altersgruppen über 65 und unter 20 Jahren wurden bereits wieder eingeführt. Es gelten jeweils nur vier Stunden Ausgang für diese Gruppen am Tag, zeitlich versetzt. Nun wurden in einem nächsten Schritt weitere Maßnahmen verkündet.

Am Dienstag ordnete der Regierungschef an, dass Restaurants und Cafés ab Freitagabend schließen und nur tagsüber zwischen 10 und 20 Uhr Außer-Haus-Verkauf anbieten dürfen. Von Samstag 20 Uhr bis Sonntag 10 Uhr gilt zudem landesweit eine Ausgangssperre.

Das Coronavirus breitet sich in der Türkei weiter aus - auch unter den Mitarbeitern im Gesundheitswesen.

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Türkische Bevölkerung beklagt Regelwirrwarr

In der Bevölkerung herrschte tagelang Ratlosigkeit und Verwirrung. Welche Verbote wann und für wie lange gelten sollen, war vielen nicht klar. In den sozialen Medien kursieren Satire-Zeichnungen, die das Maßnahmen-Chaos auf die Spitze treiben. Das Regelwirrwarr sei inkonsequent, die Entscheidungen seien Trippelschritte, aber nicht der große Wurf, wurde moniert.

Tatsächlich schreckt die Regierung davor zurück, so wie im April und Mai das öffentliche Leben zumindest an den Wochenenden komplett lahmzulegen - aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen. Man ergreife Maßnahmen, "ohne dass die Lieferketten unterbrochen werden", hatte der Präsident dann auch erklärt.

Die Corona-Pandemie setzt der türkischen Wirtschaft zu, denn die Touristen bleiben weg und damit wichtige Einnahmen.

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Gesundheitsminister Koca setzt Maßnahmen-Ultimatum

Erdogans Beratergremium aber warnt und setzt ein Ultimatum. "Wenn wir in zwei Wochen immer noch da sind, wo wir jetzt angefangen haben", so der Arzt Emre Kayipmaz, "wenn die Zahl der Schwerkranken weiter wächst und wir an die Grenzen unseres Gesundheitssystems kommen, dann müssen härtere Maßnahmen getroffen werden."

Gesundheitsminister Koca schließt sich der Meinung seiner Experten an und droht:

Wenn sich die Menschen nicht an die neuen Maßnahmen halten und nicht vorsichtig sind, sind härtere Entscheidungen unausweichlich.
Fahrettin Koca

Trotz Appellen volle Parks, Cafés und Restaurants

Bislang blieben die Appelle, sich nicht mehr in größeren Gruppen zu treffen oder Familienfeiern zu verschieben, ungehört. Öffentliche Verkehrsmittel sind an Wochentagen oft überfüllt. Restaurants und Cafés waren abends wieder gut besucht, ebenso wie an den Wochenenden die Parks und Uferpromenaden.

"Die folgenden zwei Wochen sind sind sehr wichtig", sagt Regierungsberater Sait Goenen und rät:

Telefonieren statt treffen!

Noch aber gilt das nur für die Zeit zwischen 20 Uhr und 10 Uhr morgens, und auch das erst mal nur samstagnachts. Dass diese Maßnahme reicht, um die Infektionszahlen wirksam zu senken, ist wohl eher unwahrscheinlich.

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