Die USA und Präsident Trump sind wegen Corona, Rassismus und Schulden in einer ernsthaften Krise - mit außenpolitischen Folgen. USA-Experte Braml erklärt, was das konkret bedeutet.
ZDFheute: Hat Donald Trump im Umgang mit der Pandemie eine Chance für seine Wiederwahl verspielt?
Braml: In Krisen-Zeiten gewinnt die Exekutive an Zuspruch. Wir sahen bereits erste Anzeichen eines "rally around the flag"-Effekts, im Zuge dessen sich die Amerikaner um ihren Präsidenten scharen, weil sie ihm zutrauen, sie zu schützen. Wegen seines mangelhaften Krisenmanagements hat Trump jedoch diese Chance verspielt.
ZDFheute: Braucht Trump jetzt einen anderen Schuldigen?
Braml: US-Präsident Trump hat die Konfrontation mit China verschärft, auch um einen Sündenbock für sein eigenes Versagen in Stellung zu bringen. Als idealistischer Mensch hätte man denken können, dass angesichts einer lebensbedrohlichen Pandemie die wichtigsten Länder gemeinsam dagegen vorgehen. Ebenso wäre internationale Kooperation angesagt, um der drohenden Weltwirtschaftskrise zu begegnen.
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ZDFheute: Die Wirtschaft der USA leidet bereits unter hoher Arbeitslosigkeit.
Braml: Das sind weitere schlechte Nachrichten für Trump, der ja bislang mit guten wirtschaftlichen Zahlen auf Stimmenfang gehen konnte. Die US-Wirtschaft sieht momentan nicht gut aus, aber es könnte sein, dass sie sich nach dem herben Einbruch im zweiten Quartal dann im Herbst vor der Wahl doch wieder ein bisschen erholt und Trump diesen Effekt für sich beansprucht.
- Donald Trump
Donald Trump polarisiert wie kaum ein anderer US-Präsident vor ihm. Alle Infos zu Trump auf dieser Themenseite.
ZDFheute: Und wenn nicht?
Braml: Für diesen Fall baut er vor. Da ist zunächst der innere Kulturkrieg. Trump instrumentalisiert die Rassenunruhen nach der brutalen Tötung George Floyds durch weiße Polizisten. Das war aber nur der berühmte Funke, der das Ganze zum Explodieren brachte. Die Lage war schon vorher angespannt, weil überproportional viele Afroamerikaner an Corona gestorben sind. Trump bezichtigt nun diejenigen, die gegen diese Ungerechtigkeit und für Gleichbehandlung auf die Straßen gehen, als linke Extremisten und flirtet gleichzeitig mit Rassisten, die ihm zur Wiederwahl verhelfen könnten. Um von inneren Problemen abzulenken, könnte Trump auch weitere außenpolitische Scharmützel suchen. China ist bereits im Fadenkreuz - der Kritiker beider Parteien in den USA. Auch die Deutschen und Europäer müssen aufpassen, um nicht noch mehr den Zorn des US-Präsidenten zu erregen. Trump hat bereits europäische Aluminium- und Stahlexporte in die USA als nationale Sicherheitsbedrohung erklärt; Automobile könnten folgen.
ZDFheute: Die USA sind doch auf Im- und Export angewiesen?
Braml: Trump hat eine Milchjungen-Rechnung aufgemacht. Er kritisiert einseitig Länder, die im Handel mit den USA Überschüsse erwirtschaften. Er ignoriert die grundlegende Logik der Außenwirtschaftsbeziehungen.
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ZDFheute: Die da wäre?
Braml: Solange Amerika über seine Verhältnisse lebt, wird es Außenhandelsdefizite benötigen. Außenhandelsdefizite und Haushaltsdefizite oder die Verschuldung der Amerikaner sind nur zwei Seiten derselben Medaille. Mit seinem kurzsichtigen Vorgehen gefährdet Trump jedoch Amerikas kreditfinanzierten American Way of Life. Denn die USA haben in den vergangenen drei Jahrzehnten gut davon gelebt, dass vor allem Exportländer wie Deutschland in großem Umfang Güter nach Amerika exportiert und dafür Papier erhalten haben - Forderungen, die bald nicht mehr so viel Wert sein werden.
ZDFheute: Ist die Verschuldung der USA ein größeres Problem?
Braml: Ja, allein die Staatsschulden der USA sind atemberaubend. Das Defizit wird sogar noch größer, weil Trump weitere Steuersenkungen durchgedrückt hat und noch mehr für das Militär ausgeben will, um gegen China zu rüsten. Die USA werden auf absehbare Zeit ihre massive Verschuldung nicht in den Griff kriegen. Amerikas Staat droht handlungsunfähig zu werden.
Das Interview führte Florence-Anne Kälble.
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