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Umgang mit Corona-Variante - Was Deutschland von England lernen kann

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Die Corona-Variante B.1.1.7 hat das britische Weihnachtsfest ruiniert, der Januar wurden zum schlimmsten Monat der Pandemie. Weil Fehler im Umgang mit Corona sich knallhart rächen.

Menschen warten vor einem Impfzentrum in London.
Mehr als 20 Millionen Menschen wurden in Großbritannien bereits geimpft.
Quelle: Yui Mok/PA Wire/dpa/Archiv

Es ist Mitte Dezember. In einem Interview erklärt der britische Gesundheitsminister, im Land sei eine Corona-Variante aufgetaucht, die viel ansteckender sei. In einer Schockreaktion schließt Europa die Grenze zum Vereinigten Königreich.

Wenige Tage zuvor hatte Premierminister Boris Johnson noch versprochen, die Briten würden Weihnachten feiern können. Fünf Tage Lockerungen, Familientreffen. Kurz vor dem Fest knickt der Premier ein. Keine Lockerungen, die regional unterschiedlich strikten Teil-Lockdowns gelten weiter. Viel zu wenig gegen B.1.1.7, so damals die Mahner.

Corona in Großbritannien: Horrormonat Januar

In nur wenigen Wochen verdrängt B.1.1.7. alle anderen Varianten in Großbritannien. Erst steigen die Infektionszahlen auf nie gekannte Werte. Zu Beginn regional in Südengland, wo die Variante erstmals nachgewiesen wurde. Dann überall.

Etwa ein Fünftel der Schotten ist Teil einer Studie von Geimpften mit dem BioNTech/Pfizer- oder Astrazeneca-Wirkstoff. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Das Risiko, wegen Covid-19 ins Krankenhaus zu müssen, sank im Schnitt um mehr als 89 Prozent.

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Rund eine Woche darauf steigen die Einweisungen ins Krankenhaus dramatisch. Später die Todeszahlen. Das Gesundheitssystems kollabiert teilweise. Im Januar sterben 33.000 Menschen - fast so viele wie in der gesamten ersten Welle. Eine verheerende Bilanz. Aus der man Lehren ziehen kann:

1. Wer zu spät kommt, den bestraft die Variante

Schon im November warnten Virologen vor B.1.1.7. - warnten die Regierung, einen Teil-Lockdown nicht aufzuheben, den geplanten Dezember der Freiheiten (Geschäfte auf, Weihnachtsshopping erlaubt etc.). abzusagen. Denn die Variante sei bis zu 70 Prozent ansteckender. In Modellrechnungen wurde aufgezeigt, wie schnell sie sich ausbreiten würde. Anstatt Lockerungen ein landesweiter Lockdown, forderten die Wissenschaftler. Der kam erst am 6. Januar.

2. Ganz oder (wie) gar nicht

Als B.1.1.7 im Dezember zur dominanten Form wird, antwortet die Politik mit einer Verschärfung im Rahmen des damals gültigen Systems - also Einschränkungen je noch regionaler Lage.

Die britische Regierung hat einen Stufenplan zur Öffnung vorgestellt.

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Es entsteht ein Flickenteppich von vier Stufen. Doch das Virus lässt sich so nicht aufhalten. Ein regionaler Ansatz von Beschränkungen scheint gegen B.1.1.7 ungeeignet.

3. Ein Virus schläft nicht

Ein nationaler Shutdown im November war nötig gegen die zweite Welle. Immer mehr Menschen aber waren die Beschränkungen leid. Hygiene- und Abstandsregeln wurden Umfragen zufolge laxer gehandhabt. Auch, weil das umständliche System - Einschränkungen je nach regionaler Lage - viele überforderte.

Ständig geändert wurde, was erlaubt ist und was nicht. Dazu mehrere Kehrtwenden der Politik. Lockdown-Müdigkeit, die ein Ende findet in Bildern von eilig ausgehobenen Friedhöfen und verzweifeltem Krankenhauspersonal.

4. Wo ein Virus, da ein Weg

Schulen öffnen oder offen halten während hoher Inzidenz - gefährlich. Sie gelten als der Ort, an dem sich B.1.1.7 ausbreiten konnte, und zwar während des November-Teillockdowns. Von den damals offenen Schulen konnte er in die Familien getragen werden. In der anschließenden Öffnung überall hin.

5. Impfen, was das Zeug hält

Der britische Weg: Notfallzulassungen von Impfstoffen, was kein Risiko für Leib und Leben darstellte, so die Behörde. Gegen den Impfstoffmangel den Zeitraum zwischen erster und zweiter Impfung von drei auf zwölf Wochen strecken. Als die britische Regierung das entschied, ein Risiko. Jetzt sinnvoll, denn die Daten aus dem Impfprogramm zeigen, dass das sogar besser sei, was die Schutzwirkung angeht. Die bei allen zugelassenen Impfstoffen sehr hoch ist. Und wohl zumindest auch bei B.1.1.7 hoch bleibt.

Dazu hat das Land alle Kräfte mobilisiert. Bis zum Sommer könnten so alle Erwachsenen geimpft sein. Was neue Mutationen weniger wahrscheinlich macht. Die Impfstoffe dürften gegen andere Varianten weiterentwickelt werden. Corona verschwindet damit nicht, es könnte beherrschbar werden. Eine saisonale Endemie, ähnlich der Grippe. Aber nichts mehr, was ganze Nationen lahmlegt.

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