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Virologe zu Corona-Maßnahmen - Martin Stürmer: "Mehr auf die Bremse treten"

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Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken, das Impftempo zieht an. Ist die Pandemie bald überstanden? Virologe Stürmer bleibt im ZDF skeptisch und beharrt auf Kontaktbeschränkungen.

Der Virologe Dr. Martin Stürmer plädiert dafür, "private Kontakte weiterhin zu reduzieren". Normalität könne wieder gelebt werden, wenn jeder, der möchte, geimpft werden könne.

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Die Corona-Lage in Deutschland hat sich zuletzt ein wenig entspannt, die Sieben-Tage-Inzidenz fällt bundesweit Tag für Tag. Gleichzeitig steigt der Anteil der Geimpften rapide an, bald ist jeder Dritte zumindest einfach gegen Covid-19 geimpft. Sollen jetzt alle Corona-Beschränkungen fallen und deutliche Lockerungen verkündet werden?

Noch diese Woche sollen Erleichterungen für Geimpfte und Genesene verabschiedet werden. Doch für eine Entwarnung sei es noch zu früh, meint der Frankfurter Virologe Martin Stürmer im Gespräch mit dem ZDF:

Ich bin ungern der, der Wasser in den Wein schütten möchte, aber ich sehe momentan noch das Problem, dass wir uns zu viele Infektionen leisten.

Gefahr für Mutationen durch zu schnelle Öffnungen

Dadurch habe das Virus "zu viele Möglichkeiten, sich zu vermehren" und möglicherweise Mutanten zu bilden, auf die der Impfstoff nicht mehr so gut anspricht. "Ich würde jetzt noch lieber etwas mehr auf die Bremse treten, damit wir den Sommer dann etwas entspannter genießen können."

Wie könnte das aussehen, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass draußen das Infektionsrisiko deutlich geringer ist als in Innenräumen? "Genau da liegt das Problem", sagt Stürmer.

Wir haben nach wie vor zu viele Infektionen im familiären Kontext, da müssen wir definitiv aufpassen.

Deshalb seien mögliche Lockerungen bei Kontaktbeschränkungen für Geimpfte kontraproduktiv. "Da öffnen wir Tür und Tor, dass da wieder möglicherweise mehr Infektionen stattfinden und da müssen wir sehr aufpassen."

Forscher betonen immer wieder, dass erst mit dem Erreichen der sogenannten Herdenimmunität durch Impfungen und durchgemachte Infektionen die Pandemie unter Kontrolle gebracht ist. Stürmer geht davon aus, dass mindestens 70 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Virus sein müssten, "um tatsächlich einen Pandemiebruch erreichen zu können". Und fügt hinzu: "Das wird ein sportliches Ziel".

Bisher wurde von einer Impfquote von 70 Prozent ausgegangen, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Das RKI hält nun einen höheren Wert für nötig.

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Stürmer: Aktuell mehr Schwangere auf Intensivstationen

Viele Gruppen werde man niemals für eine Impfung überzeugen können, glaubt er. Die Zulassung von Impfstoffen für jüngere Zielgruppen könne allerdings helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Gleichzeitig plädiert Stürmer dafür, über eine Erweiterung der Impfempfehlung nachzudenken. Konkret: "Auf den Intensivstationen sieht man deutlich mehr Schwangere jetzt aktuell." Dabei sei der "Impfstoff wahrscheinlich nicht gefährlich für die Schwangerschaft", argumentiert er.

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