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Astrazeneca-Impfstopp - Virologin: Brauchen Studie zur Zweitimpfung

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Die Virologin Ulrike Protzer fordert im bei ZDFheute live eine schnelle Studie zur Verträglichkeit von mRNA-Zweitimpfungen bei Astrazeneca-Geimpften.

Auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Institutes wird vorerst deutschlandweit kein Astrazeneca-Impfstoff mehr verimpft. Was bedeutet das? Fragen an Virologin Ulrike Protzer.

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33 min
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Wie geht es weiter nach dem vorläufigen Impfstopp für Astrazeneca in Deutschland? Nach neuen Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa halte das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weitere Untersuchungen für notwendig.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA werde entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) heute auf einer Pressekonferenz weiter.

Bei ZDFheute live beantwortet die Virologin Ulrike Protzer die drängendsten Fragen zu dieser überraschenden Entscheidung. Lesen sie hier einen Auszug aus dem Gespräch.

ZDFheute: Was bedeutet der Impstopp für Astrazeneca?

Ulrike Protzer: Wir haben ja unabhängige Behörden in Deutschland. Das ist das Paul-Ehrlich-Institut, das auch unabhängig von der europäischen Arzneimittelbehörde arbeitet und die sich diese Dinge anschauen. Und die haben offensichtlich jetzt für sich gesagt: Wir haben so viel Evidenz, dass wir erstmal stoppen sollten, uns das Ganze in Ruhe anschauen sollen und dann auf wissenschaftlicher Grundlage beurteilen: Ist da etwas dran an diesem Verdacht, dass Astrazeneca diese Nebenwirkungen auslösen kann.

Oder ist da nichts dran, so wie die Briten das sagen, die ja immerhin schon 17 Millionen Menschen damit geimpft haben und schon eine erhebliche Erfahrung vorweisen können. Aber man muss das sicherlich ernst nehmen, wenn solche Dinge auftreten. Die Frage ist dann immer: Ist das ein zeitlicher Zusammenhang oder ist das eine wirkliche Nebenwirkung? Das müssen die Behörden jetzt klären.

ZDFheute: Die Europäischen Arzneimittelbehörde (Ema) sagt, dass es keine Kausalität gäbe. Ist das eine Sache, der jetzt die Experten weiter nachgehen müssen?

Protzer: Ganz genau. Die Frage die jetzt im Raum steht ist, ob das ein zufälliges Zusammentreffen von zwei Ereignissen ist oder gibt es einen Zusammenhang. Und das muss man jetzt einfach ganz sauber aufarbeiten. Und das muss man überprüfen und dafür haben wir in Deutschland eben eine unabhängige Behörde – das Paul-Ehrlich-Institut – die auch unabhängig von der Europäischen Arzneimittelbehörde arbeiten. Und deshalb auch unabhängig von der Ema sagen können: Wir möchten das nochmal überprüfen. Und ich denke das ist auch gut so.

ZDFheute: Wie sieht es denn jetzt mit der Zweitimpfung der 1,6 Millionen Deutschen aus?

Protzer: Das ist eine gute Frage. Also erstmal das Beruhigende: Alle die mit Astrazenca geimpft worden sind und bislang keine Komplikationen haben, die hatten keine. Das ist ja schon mal sehr beruhigend für jeden einzelnen, der die Impfung bekommen hat.

Die Frage, wird man mit dem Impfstoff weiter impfen können, kann ich auch nicht beantworten. Das wird jetzt das PEI untersuchen. Da werden wir in 14 Tagen oder vielleicht schon in einer Woche die Antwort dazu wissen. Und falls die Antwort ist: "Ja", dann hat das mit der Impfung nichs zu tun. Dann kann man ganz normal weiter impfen.

Hier sehen Sie das komplette Interview mit Ulrike Protzer:

Die Bundesregierung hat auf Anraten des Paul-Ehrlich-Institutes einen Impfstopp für Astrazeneca veranlasst. Virologin Ulrike Protzer hält eine neue Prüfung des Vakzins für richtig.

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16 min
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Falls die Antwort "nein" ist, dann ist natürlich schon die Frage: Wie kann dann diese "Booster-Impfung" aussehen. Und dann gibt es ja dann verschiedenen Möglichkeiten. Das gute ist, bei dem Astrazeneca-Impfstoff hat man ja zwölf Wochen Zeit, bis die Booster-Impfung passieren muss. Das heißt, man hat jetzt schon ein bisschen Zeit da erstmal rational dranzugehen, sich die Situation anzuschauen, zu bewerten und dann zu entschieden.

Falls dann die Entscheidung wäre, die Zweitimpfung kann nicht durchgeführt werden, dann bleibt ja noch immer die Möglichkeit mit einem der anderen Impfstoffe zu boostern. Und da kommen dann natürlich die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder auch von Moderna infrage, die in Deutschland zugelassen sind.

Ob man die mRNA-Impfstoffe so einfach mit Astrazeneca mischen kann, dass muss man sich auch in wissenschaftlichen Studien anschauen. Das heißt, das beste wäre, man würde jetzt sehr schnell eine Studie auf den Weg bringen, wo man bei einer gewissen Anzahl von Menschen, die den Astrazeneca-Impfstoff bekommen haben, jetzt nochmal boostert und sich anschaut, wie gut ist das verträglich, wie gut ist die Wirksamkeit. Und dann entschiedet: Ist das ein guter Weg oder wäre es dann besser den Janssen-Impfstoff zu nehmen.

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