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Chaos Communication Congress - Wahl-Hacks in der Pandemie

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2021 gilt als Superwahljahr in Deutschland. Aber wie können Wahlen sicher organisiert werden? Das wird auch auf dem virtuellen Chaos Communication Congress diskutiert.

Chaos Communication Congress in Leipzig (Archiv)
Der Schriftzug "Hackerspace" als Laufschrift, aufgenommen beim Chaos Communication Congress in Leipzig (Archiv 2018).
Quelle: dpa

Gleich am ersten Kongresstag geht es im virtuellen Kongressraum rc1 zur Prime Time ans Eingemachte: Wahl-Software. Zwei engagierte Wahlhelfer und IT-Sicherheitsforscher zeigen noch einmal, wie anfällig die eingesetzte Stimmenzählsoftware oft ist.

Hacker sind gern Wahlhelfer

"Wahlen sind ein Schlüsselelement jeder Demokratie", lautet die Überzeugung der beiden Vortragenden Johannes und Tobaem. Deshalb muss Software, die bei Wahlen eingesetzt wird, besonders abgesichert sein.

Vor allen Dingen bei kommunalen Wahlen ist die Auszählung der Stimmen manchmal ziemlich kompliziert. Wenn ein Wahlbürger dann zum Beispiel bis zu 60 Stimmen vergeben kann, diese auch noch panaschieren, also auf Kandidaten unterschiedlicher Wahllisten verteilen, und kumulieren kann, dann wird es kompliziert.

Und zwar spätestens bei der Stimmauswahl. Deshalb greifen Wahlleiter gerne auf digitale Helferlein zurück. Und wie leicht die manipuliert werden können, das erstaunt Wähler und Politiker immer wieder.

Digitale Wahlen sind aufwändig

Wenn Manipulation schon bei der Zählsoftware möglich ist, um wie viel schlimmer sind dann Wahlcomputer. Das Bundesverfassungsgericht hat deshalb ja auch nicht ohne Grund digitale Wahlgeräte vor zehn Jahren verboten.

Gleichzeitig wird in Pandemie-Zeiten wieder stärker darüber diskutiert, wie sich digitale Abstimmungen und Wahlen durchführen lassen. "Denn die Demokratie muss handlungsfähig bleiben", begründet der Informatiker Henning Tillmann, Co-Vorsitzender des Zentrums für digitalen Fortschritt D64.

Wenn aber keine Vereinssitzungen oder Parteitage stattfinden können, müssen Wahl-Verfahren entwickelt werden, die keine Präsenz voraussetzen und dennoch sicher und nachvollziehbar sind. "Für Bundestagswahlen und andere staatliche Wahlen gibt es keine digitale Alternative zur Briefwahl oder zum Gang zur Wahlurne", stellt Henning Tillmann sofort klar.

Anders sieht das bei Parteien oder Vereinen aus. "Prinzipiell gilt dabei, dass eine Wahl dann mit Stift und Papier erfolgen muss, je näher sie einer staatlichen Wahl ist", erläutert Informatiker Tillmann. Das heißt, der Vorstand des örtlichen Schachvereins könnte gut digital gewählt werden, wenn die Satzung das hergibt.

Für die Sicherheitsprobleme der ersten Wahlmaschinen gibt es mittlerweile viele neue Lösungsansätze – doch reicht das, um sie gefahrlos einsetzen zu können?

Beitragslänge:
13 min
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Wahlurne bleibt der Goldstandard

Bei Vorstandswahlen in Parteien findet Tilmann das auch noch machbar. Wenn eine Kandidatenliste für eine staatliche Wahl aufgestellt werden soll, wird er skeptisch. Allerdings sind auch geheime Personalwahlen bisher digital viel zu oft angreifbar oder nicht nachvollziehbar gewesen.

D64 hat deshalb einen Verfahrensvorschlag für digitale geheime und nachvollziehbare  Wahlen gemacht. „Die Wahl bleibt dabei geheim, weil keine Wählerangaben veröffentlicht werden, sondern nur Prüfzahlen, die den Wählern nicht zugeordnet werden können“, meint Henning Tillmann. Und die Wahl nachvollziehbar, weil jeder Wähler und jede Wählerin nachprüfen kann, ob ihre Wahlentscheidung auch richtig im System gespeichert du angezeigt wird.

"Es kommt natürlich auf die konkrete Umsetzung an", gibt der D64-Co-Vorsitzende gleich eine Einschränkung mit auf den Weg. Über solche Umsetzungen diskutiert die Gemeinschaft der IT-Sicherheitsforscher jetzt sehr engagiert und aufgeschlossen.

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