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Kinder und Corona - Wie kann die Politik Kindern helfen?

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Die Schulen sollen offen bleiben, Impfungen kommen für Kinder unter zwölf Jahren aber nicht in Frage. Was können Gesellschaft und Politik für die Jüngsten tun?

Erster Schultag nach Sommerferien in Rostock am 02.08.2021.
Kinder in der Schule - für die meisten ist eine Corona-Impfung nicht möglich.
Quelle: dpa

Die Schulen bleiben auf jeden Fall offen, wird die Politik nicht müde zu betonen - trotz Corona. Dass das in diesem zweiten Pandemie-Herbst und -Winter funktionieren könnte, sagen auch Fachleute. Allerdings müssen dafür Bedingungen erfüllt werden, auf die die Jüngsten kaum Einfluss haben.

Experten mahnen Impfungen an

Stichwort Impfen: Die Impfung von Erwachsenen sei für den Verlauf der vierten Welle entscheidend, so der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Tobias Tenenbaum.

Kinder haben das Pandemiegeschehen zu keiner Zeit so beeinflusst wie die Erwachsenen.
DGPI-Vorsitzender Tobias Tenenbaum

Ähnlich sieht es Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften. "Dieses 'Ich warte lieber mit der Impfung noch ab' kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Das ist grob unsolidarisches Verhalten".

Professor Tobias Tenenbaum gibt eine vorsichtige Entwarnung im Blick auf Corona-Erkrankungen bei Kindern: "Wir können Kinder sicher durch den Winter bringen". Er begrüßt die Einigung der Gesundheitsminister für einheitliche Quarantäne-Regeln an Schulen.

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Man brauche jetzt möglichst viele geimpfte Erwachsene, um diejenigen zu schützen, die sich - wie Kinder unter 12 Jahren - nicht impfen lassen können. Es sei geboten, dass sich die Erwachsenen zum Wohle der Jüngsten angemessen vorsichtig verhalten, so Ulrichs.

"Wir sind diejenigen, die die Kinder schützen müssen, und nicht umgekehrt", betonte auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch. Es seien die Kinder gewesen, die Erwachsene mit geschützt hätten, als es noch keinen Impfstoff gab. Das Ansteckungsrisiko für Kinder sei im familiären Bereich deutlich höher als in der Schule.

Politik steht in der Pflicht

Infektiologe Tenenbaum sieht die Politik bei den Schulen in der Pflicht, die Ressourcen für eine angemessene Teststrategie bereitzustellen. Da Antigen-Schnelltests bei Kindern weniger zuverlässig als bei Erwachsenen seien, plädiert er für PCR-Pooltests.

Bei diesen werden die Proben einer Klasse gemeinsam auf Erbmaterial des Virus untersucht. Wenn der Pool positiv ist, wird individuell nachgetestet. Diese Art der Testung sollte ein Teil von Maßnahmen sein, "die den spezifischen Bedürfnissen dieser Altersgruppe gerecht werden".

"Kinder und Familien haben unglaublich gelitten in den letzten Monaten und dazu darf es jetzt nicht wieder kommen", appelliert Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht, SPD.

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Kinderarzt Jakob Armann von der Dresdner Uniklinik wünscht sich einen pragmatischeren Umgang mit der Situation. "Was ist das Ziel? Diese Frage kommt mir viel zu kurz." Man müsse nicht mehr jede Infektion um jeden Preis verhindern wie in der Phase, als die Risikogruppen noch nicht geschützt waren.

Gesunde Kinder und Jugendliche haben fast kein Risiko. Aber sie sind massiv betroffen von den Rahmenbedingungen. Kinder brauchen soziale Teilhabe.
Kinderarzt Jakob Armann

Das bestätigt auch DGKJ-Präsident Dötsch: Derzeit müssten nur sehr wenige Kinder in Deutschland wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden.

Sekundärfolgen meist schlimmer

"Für die weitaus meisten Kinder sind die sekundären Krankheitsfolgen, nämlich die psychische Belastung durch Lockdown-Maßnahmen, ungleich belastender als die Erkrankung selbst", so Dötsch. Man müsse erreichen, dass der Unterricht unter möglichst hoher Sicherheit so ungestört wie möglich stattfinden kann.

Es gilt also, eine Balance zu finden - bei der zwar nicht alle Infektionen vermieden werden, aber das Ganze nicht einfach laufen gelassen wird. Dötsch fordert: "Bevor noch einmal eine Schule geschlossen wird, müssen auch alle anderen Bereiche des öffentlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens geschlossen werden."

Auf der Illustratioin ist eine Person zu sehen, die ein Schutzschild hält. Das Schutzschild ist zum Teil gerisssen, Coronaviren dringen durch das Schild.

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