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Unabhängige Experten : Pandemie "hätte verhindert werden können"

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Wäre die Krise vermeidbar gewesen? Zumindest in diesem Ausmaß, sagen Experten. Und sie sehen die Schuld nicht nur bei der Politik - auch die WHO hätte früher Alarm schlagen müssen.

Das Logo der WHO auf einem Computer und ein Smartphone mit der Covid-19-Illustration.
WHO-Experten: Corona-Pandemie "hätte verhindert werden können"
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Die weltweite Verbreitung des Coronavirus mit ihren schrecklichen Auswirkungen hätte nach Ansicht unabhängiger Experten vermieden werden können. Dafür aber hätten die Warnsignale sofort beachtet, die WHO früher Alarm schlagen und die einzelnen Länder konsequenter reagieren müssen, heißt es in einem Bericht eines internationalen Expertengremiums. So konstatierten die von der Weltgesundheitsorganisation eingesetzten Experten:

Die Situation, in der wir uns heute befinden, hätte verhindert werden können.

Ein "toxischer Cocktail" aus Zaudern, fehlender Vorbereitung sowie schlechter Reaktion auf die Krise sei für das dramatische Ausmaß verantwortlich, erklärte die Ko-Präsidentin des Gremiums, Ellen Johnson Sirleaf. Nur so habe sich die jetzige "katastrophale humanitäre Krise" entwickeln können, die von den Experten als "Tschernobyl des 21. Jahrhunderts" bezeichnet wird.

Vorwurf: Staatliche Institutionen haben vielerorts "versagt"

An den Folgen einer Corona-Infektion starben weltweit inzwischen mindestens 3,3 Millionen Menschen. Staatliche Institutionen hätten vielerorts "versagt in der Aufgabe, Menschen zu schützen", heißt es in dem Bericht. Zudem hätten Erkenntnisse der Wissenschaft leugnende Staats- und Regierungsschefs beziehungsweise andere Verantwortliche das Vertrauen in die nötigen Maßnahmen zersetzt:

Schlechte strategische Entscheidungen, fehlender Wille zur Bekämpfung von Ungleichheiten und ein unkoordiniertes System schufen einen toxischen Cocktail, der es der Pandemie erlaubte, sich in eine katastrophale humanitäre Krise zu entwickeln.

So das Urteil der ehemaligen liberianischen Präsidentin Sirleaf, die gemeinsam mit der früheren neuseeländischen Premierministerin Helen Clark das Gremium leitet. "Es gab eine Spirale von Versagen, Lücken und Verzögerungen bei der Vorbereitung und der Reaktion."

WHO hätte Pandemie früher ausrufen müssen

Das Gremium aus 13 Experten war nach heftiger Kritik an der WHO von dieser ins Leben gerufen worden. Es untersuchte acht Monate lang die Ausbreitung des Coronavirus und die von der WHO und den einzelnen Staaten ergriffenen Maßnahmen. Auch die Experten kamen nun zu dem Schluss, dass die WHO den weltweiten Gesundheitsnotstand früher als am 30. Januar 2020 hätte ausrufen müssen.

Allerdings betonte die Ko-Vorsitzende Clark, dass dies wahrscheinlich nicht viel geändert hätte. Ohnehin hätten viele Länder erst reagiert, nachdem die WHO im März 2020 die Epidemie zur weltweiten Pandemie erklärt habe. Es habe also unmittelbar nach dem erstmaligen Auftreten des neuartigen Coronavirus Ende 2019 in Wuhan "ganz klar Verzögerungen in China" gegeben

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Reiche Länder sollen Milliarden Impfdosen spenden

Das Expertengremium zog allerdings nicht nur Bilanz, sondern richtete das Augenmerk auch in die Zukunft: Um das Virus weltweit einzudämmen, müssten die reichen Länder, in denen die Impfkampagne schon weit fortgeschritten sei, bis zum 1. September mindestens eine Milliarde Impfdosen an die ärmsten Staaten der Welt spenden. Mehr als zwei Milliarden weitere Dosen sollten bis Mitte 2022 zur Verfügung gestellt werden, forderten sie.

Zudem sollen nach Auffassung der Experten Vakzin-Produzenten freiwillig ihr Wissen weitergeben und beim Aufbau von Produktionskapazitäten helfen - sonst hlfe nur eines:

Wenn es da innerhalb von drei Monaten keinen Fortschritt gibt, sollte es eine Aussetzung des Patentschutzes geben.

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