Sie sind hier:

Infektionsschutzgesetz - "Es muss endlich eine Linie geben"

Datum:

Gelingt es dem Bund, beim Infektionsschutz die Zügel zu übernehmen? Schärfere einheitliche Maßnahmen seien dringend nötig, mahnen Experten.

Intensivmediziner Prof. Uwe Janssens warnt vor frühzeitigen Lockerungen. Eine Öffnung angesichts dieser Lage wäre „ein völliger Wahnsinn“ ist würde sich „als Irrtum“ erweisen.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Uwe Janssens mahnt: Noch sei die Lage auf den Intensivstationen im Griff. Aber sie werde dramatisch, wenn es so weiterginge, sagte der ehemalige Präsident der Intensiv- und Notfallmedizinervereinigung DIVI bei ZDF heute live. Der Experte fordert: "Wir brauchen einen durchgreifenden Lockdown." Öffnungen wie in Tübingen oder im Saarland seien aus epidemiologischer Sicht ein "völliger Wahnsinn".

Intensivmediziner: Belastung nicht austesten

Schärfere Maßnahmen soll es jetzt geben, vor allem keinen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen mehr - so zumindest der Plan der Bundesregierung. Nach zuletzt massivem Streit bahnt sich die Strategiewende an: Die für Montag vereinbarte Runde von Bund und Ländern fällt aus - stattdessen soll der Bundestag im Eilverfahren das Infektionsschutzgesetz nachschärfen.

Es müsse "endlich eine Linie geben", appelliert auch Janssens an die Politik: Ginge es mit den Infektionszahlen so weiter, gebe es "in Nullkommanichts 2.000 bis 3.000 zusätzliche Covid-Intensivpatienten. Er verweist auf das hohe Sterberisiko: Es liege bei beatmeten Covid-Patienten bei 50 Prozent.

Deutschland in der dritten Corona-Welle: Die hohen Infektionszahlen machen sich auch auf den Intensivstationen bemerkbar. Intensivmediziner schlagen Alarm.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Hier gehe es um Menschenleben. Und da müssten sich Gesellschaft und Wirtschaft fragen lassen:

Wollen wir das wirklich austesten?
Ehemaliger DIVI-Präsident Janssens

Das gelte auch für die Belastung der Mitarbeiter in den Kliniken. Das sei nicht fair und auch unmoralisch. Ein erheblicher Prozentsatz denke bereits über einen Jobwechsel nach, so Intensivmediziner Janssens.

Beim Impfen gebe es zwar große Fortschritte, fügt er hinzu, aber: Wir sind weit entfernt von einer ausreichenden Durchimpfung der Risikopopulation. Bis sich ein Impferfolg einstelle, brauche es seine Zeit.

Lauterbach kritisiert "Alibi-Modellversuche"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisiert in der Sendung die jüngsten "Alibi-Modellversuche". Die Lockerungen hätten zu mehr Infektionen geführt und zudem das Signal vermittelt, der Lockdown sei nicht wirklich ernst gemeint. Jetzt stehe man vor den Konsequenzen. "Es ist klar, dass die Intensivkapazitäten in den kommenden Wochen komplett ausgetestet werden wird."

Wir werden wahrscheinlich an die Grenzen kommen.
SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach

Lauterbach mahnt: Wir werden verschärfte Maßnahmen beschließen müssen. Dass der Bundestag tätig werde, reiche allein nicht. Im Gesetz müsse auch der richtige Inhalt stehen, dann "kann man damit arbeiten". Konkret fordert der SPD-Politiker, dass ab einer Inzidenz von 100 nicht mehr gelockert werden dürfe, auch nicht mehr mit Modellen. Zudem sprach er sich für eine Ausgangssperre aus sowie eine Testpflicht in Betrieben.

Wenn das ein Bundesgesetz verbindlich regele, "dann wäre das tatsächlich ein wesentlicher Schritt nach vorne".

"Wir werden an die Grenzen kommen“, sagt Karl Lauterbach angesichts der aktuellen Corona-Lage. Er spricht sich für die Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes aus.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Länder unter Zugzwang

Dass der Bundestag beim Infektionsschutz jetzt die Zügel in die Hand nehmen will, sei "letztendlich nichts anderes als eine Entmachtung der Länder", erläutert ZDF-Rechtsexperte Felix Zimmermann. Und es sei auch eine "Bankrotterklärung der Länder, dass sie es selbst nicht geschafft haben, und von oben quasi ein Gesetz brauchen".

Allerdings müsse auch der Bundesrat in irgendeiner Weise eingebunden werden. Tatsächlich hätte er die Möglichkeit, es herauszuzögern. Es dränge sich die Frage auf: Wenn die Länder in der Vergangenheit die Dinge nicht regeln wollten, warum sollten sie jetzt zustimmen, dass der Bundestag die Federführung übernehme, so Zimmermann. "Da fällt mir eigentlich nur eine Antwort ein: Die Verantwortung abzuschieben. Dann waren’s nicht wir, dann war’s eben der Bund."

Lauterbach formuliert es eher als Entlastung: Bislang sei es nicht möglich gewesen, die Länder auf eine Linie zu bringen. Wenn das nun durch ein Bundesgesetz gelinge, dann entlaste das die Länder in ihrer Verantwortung. "Ich glaube nicht, dass die Länder das blockieren oder auf Zeit spielen." Dann würden sie erläutern müssen, warum nichts passiert.

In Berlin ist eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes im Gespräch. Mit einer politischen Mehrheit könnte die schnell kommen. ZDF-Korrespondentin Shakuntala Banerjee hat Details.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.