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Diskussion um Zero-Covid : Drohen in China 1,5 Millionen Corona-Tote?

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China steckt im Dilemma: Die Zero-Covid-Strategie sorgt für Chaos und schwächt die Wirtschaft - doch Omikron ist dadurch kaum in den Griff zu kriegen. Wie geht es weiter?

Eine blockierte Straße am 11.05.2022 in Shanghai
Blockierte Straße in Shanghai - China schottet sich seit über zwei Jahren ab.
Quelle: picture alliance / Kyodo

Die Studie der chinesischen Wissenschaftler klingt alarmierend: Würde die strenge Zero-Covid-Strategie in China aufgehoben, drohte dem Land eine "Tsunami"-Welle an Infektionen mit schlimmstenfalls über eineinhalb Millionen Toten. Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin "Nature Medicine" veröffentlicht und warnt vor mehr als einhundert Millionen symptomatischer Ansteckungen innerhalb eines halben Jahres, die das Gesundheitssystem Chinas völlig überlasten würden. Allein bei den Intensivstationen wäre der Bedarf fast sechzehnmal höher als die Kapazität. 

Doch wie kommen die Forscher zu diesem Horrorszenario? Und warum ist die Situation in dem Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern anscheinend anders als im Rest der Welt, wo die Pandemie in vielen Ländern ihren Schrecken verliert? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Keine Durchseuchung in China

"Durch die strenge Zero-Covid-Strategie war China bis Anfang 2022 weitgehend frei von Corona, kleinere Ausbrüche konnte die Regierung schnell unter Kontrolle bringen", erklärt die China-Korrespondentin des ZDF Christiane Hoffmann. So wurde allerdings in der Bevölkerung auch keine natürliche Immunität aufgebaut, die jetzt andernorts die Fallzahlen und die Schwere der Krankheitsverläufe deckelt.

China weitet seine Maßnahmen gegen das Coronavirus aus. In Peking soll es eine Testpflicht für öffentliche Orte geben. Landesweit wurden mehr als 10.000 Neuinfektionen gemeldet.

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Impflücke bei älteren Menschen

Landesweit sind zwar über 90 Prozent der Menschen geimpft, aber nur gut die Hälfte auch geboostert. Zum Vergleich: In Deutschland haben etwa zwei Drittel der Menschen mindestens eine Auffrischungsimpfung erhalten. Gerade in der älteren Bevölkerung Chinas gibt es eine weit verbreitete Skepsis gegenüber der Impfung.

Chinesischer Impfstoff weniger wirksam

Bisher kommen nur in China entwickelte, klassische Impfstoffe auf Basis abgetöteter Erreger zum Einsatz. Diese sind wahrscheinlich weniger wirksam als westliche Impfstoffe, sagt Timo Ulrichs, Experte für Globale Gesundheit an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin im Gespräch mit ZDFheute. Die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech sind in China nicht zugelassen, so wie auch umgekehrt chinesische Vakzine nicht in Europa verwendet werden dürfen.

Der anhaltende Corona-Lockdown in Shanghai führt zu Unruhen in der Bevölkerung. Es wird berichtet von verheerenden Zuständen in den Quarantäne-Unterkünften und mangelnder Versorgung der Infizierten. Die staatliche Propaganda zeigt ein anderes Bild.

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China im Dilemma

Dazu kommt: Etwa die Hälfte der Menschen in China wohnt in ländlichen Gegenden, wo das Gesundheitssystem weniger gut ausgebaut ist, viele leben auf engstem Raum zusammen - darum fürchten Experten, dass das Gesundheitssystem unter der Last der Omikron-Infektionen zusammenbricht.

China steckt in einem Dilemma: Lange Zeit galt der Staatsführung die Zero-Covid-Strategie als die effektivste Maßnahme gegen die Pandemie. Doch die deutlich ansteckendere Omikron-Variante ist nur mit riesigem Aufwand in Schach zu halten und trifft nun auf eine Bevölkerung, die weder über ausreichenden Impfschutz noch über eine natürliche Immunität verfügt. Und die Zero-Covid-Strategie hat einen immensen Preis: Millionen Menschen sind seit Wochen im Lockdown, die Wirtschaft leidet, Menschen verarmen.

Durch Chinas Null-Covid-Strategie haben viele Wanderarbeiter keine Möglichkeit auf Arbeit. Viele werden immer ärmer, haben kaum etwas zu essen.

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Studie mahnt Umdenken an

Die Studienautoren stützen mit ihrer Warnung nun einerseits die harte Politik Chinas, mahnen aber gleichzeitig ein Umdenken an: "Ob oder wie lange eine Zero-Covid-Politik aufrechterhalten werden kann, ist fraglich", schreiben sie. Ihr Rat: China solle "einen eigenen Weg für den Übergang von einer Pandemie zu einer endemischen Phase" entwerfen.

"Irgendwann muss China halt mal aufmachen", sagt Ulrichs. Man könne sich nicht dauerhaft von der Welt abschotten. China müsse sich überlegen, "wie man eine Grundimmunität in die Bevölkerung bekommt". Aber würde die Abschaffung der Zero-Covid-Strategie dann nicht zu über eineinhalb Millionen Todesopfern führen? Ulrichs relativiert: Das sei ja zunächst einmal nur eine Hochrechnung. Notwendige Öffnungsschritte könnten ja "fein abgestimmt erfolgen" und nicht auf einen Schlag.

Und so warnen auch die WHO und der Internationale Währungsfonds China schon länger davor, die Zero-Covid-Strategie weiter stur zu verfolgen. Doch ZDF-Korrespondentin Hoffmann vermutet, dass sich diese Politik erst im Herbst maßgeblich ändern könnte, nachdem beim 20. Parteitag Xi Jinping für eine dritte Amtszeit als Parteivorsitzender ernannt wurde: "Bis dahin werden Lockerungen vielleicht erstmal in ein paar Orten angetestet, China arbeitet zudem an einem eigenen mRNA-Impfstoff. Aber China wird wohl erst mal bei der Zero-Covid-Strategie bleiben."

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