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Lieferungen, Dosen, Impfwillige - Wie läuft's mit der Impfkampagne?

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Bis Ende Juli sollen alle mindestens einmal geimpft sein, die es wollen. Wird das klappen? Und wird es ausreichen um die Delta-Variante einzudämmen? Ein Blick auf die Zahlen.

"Impfstelle" steht an einer Tafel am Eingang zum Impfzentrum in Weimar
Wie steht es um die Impfkampagne in Deutschland?
Quelle: dpa

Am 27. Dezember 2020 startete die deutsche Impfkampagne gegen das Coronavirus in Alten- und Pflegeheimen. Impfstoffe waren lange ein knappes Gut: Es wurde über Priorisierungsgruppen, Zulassungen und Empfehlungen diskutiert. Am gestrigen Samstag - etwa ein halbes Jahr später - wiederholte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einer Diskussionsrunde in Berlin sein bereits mehrfach geäußertes Versprechen:

Bis Ende Juli wird jeder Erwachsene in Deutschland, der geimpft werden will, auch eine erste Impfung erhalten haben können.
Jens Spahn

Außerdem rechne die Bundesregierung mit einer Beschleunigung der Impfkampagne durch eine größere Lieferung des mRNA-Vakzins von Moderna. Was bedeutet das in Zahlen und Impfdosen genau?

Gibt es im Juli mehr Impfstoff?

Tatsächlich wird erwartet, das der US-Pharmakonzern Moderna seine Lieferungen im Juli von 733.000 Dosen pro Woche auf 1,33 Millionen Dosen erhöht. Gleichzeitig liefert aber Biontech im Juli wesentlich weniger Impfdosen: nur rund drei Millionen Dosen wöchentlich statt rund fünf Millionen im Juni. Es wird also im Juli weniger mRNA-Impfstoff geben als noch im Juni.

In der kommenden Woche sollen zudem noch fünf Millionen Dosen des Impfstoffes von Astrazeneca und eine Million Dosen von Johnson & Johnson an die Impfzentren der Länder sowie an Arztpraxen und Betriebsärzte geliefert werden. Diese beiden Vektorimpfstoffe spielen in der Impfkampagne allerdings nur eine untergeordnete Rolle: Von den gut 20 Millionen verabreichten Impfdosen im Juni kamen nur etwa 15 Prozent von Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Ist Spahns Versprechen bis Ende Juli zu halten?

Ja. Mit den aktuell erwarteten Liefermengen kann rechnerisch jedem impfwilligen Erwachsenen in Deutschland bis Ende Juli eine Erstimpfung verabreicht werden - theoretisch sogar ausschließlich mit mRNA-Impfstoffen.

In Zahlen bedeutet das:

  • Es gibt 69.411.087 Menschen über 18 Jahren in Deutschland (Stand: 30.12.2020)
  • Die COSMO-Studie zur Untersuchung der Impfbereitschaft in Deutschland rechnet aktuell mit 76 Prozent Impfbereiten im Alter von 18 bis 74. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl kann also von etwa 52.7 Millionen Impfwillgen ausgegangen werden.
  • 44.363.821 Menschen haben bereits eine Erstimpfung oder eine Impfung mit dem Vakzin von Johnsons & Johnson erhalten, bei dem nur eine Dosis nötig ist (Stand 27.06.2021)
  • Es bleiben also noch knapp 8,4 Millionen Impfwillige, die im Juli eine Erstimpfung bekommen sollen.
  • Im Juli werden etwas mehr als 18 Millionen mRNA-Impfdosen von Biontech und Moderna erwartet. Selbst wenn man berücksichtigt, dass davon etwa 6,8 Millionen Dosen für Zweitimpfungen benötigt werden, wird es möglich sein, alle Impfwilligen zu impfen.
  • Es bleiben sogar knapp 2,8 Millionen Dosen übrig, die an Unter -18-Jährige verimpft werden könnten und die Lieferungen von Astrazeneca und J&J sind dabei auch noch nicht einbezogen.

Wie läuft die Impfkampagne bisher?

Trotz großer Impfstofflieferungen sind die durchschnittlichen Impfzahlen in den letzten Tagen leicht gesunken. Wurden Mitte Juni im Wochendurchschnitt noch etwa 840.000 Menschen täglich geimpft, waren es am letzten Freitag nur noch 784.300 im 7-Tage-Schnitt.

Wird Deutschland impfmüde?

Hausärzte beobachten, dass immer mehr Impftermine abgesagt werden. "Absagen oder No-Shows nehmen auch in den Hausarztpraxen zu", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Eine allgemeine Impfmüdigkeit könnten die niedergelassenen Allgemeinmediziner aber nicht feststellen. Bei Terminabsagen könnten sie anderen Patienten Impfungen anbieten, sodass keine Dosen vergeudet würden.

Wir brauchen jedoch weiter mehr Impfstoff und verlässliche Zusagen bei den Lieferungen.
Ulrich Weigeldt

Wie viele müssen sich impfen lassen, um die Pandemie zu beenden?

Diese Frage ist aktuell schwer zu beantworten. Zu Anfang der Pandemie rechnete das Bundesgesundheitsministerium damit, das 55 bis 65 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen, um eine Herdenimmunität zu erreichen.

Durch mehrere Virusmutationen ist das Sars-CoV-2-Virus mittlerweile aber sehr viel ansteckender geworden: Ging man beim Wildtyp noch von einem R-Wert von 2,8 aus, wird er für die indische Delta-Variante auf sechs bis sieben geschätzt.

Je nach Schutzwirkung der einzelnen Impfstoffe müssten Experten zufolge zwischen 80 und 90 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sein, um die Pandemie einzudämmen. Selbst für Länder mit einer guten Impfkampagne ist das eine sehr hohe Zielvorgabe.

Der Körper benötige Zeit, damit die Impfung wirkt, so Stürmer. Gerade bei Teilgeimpften mit mRNA-Impfstoffen brauche es eine rasche zweite Impfung.

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Sollten Zweitimpfungen wegen der Delta-Variante vorgezogen werden?

Einigen Studien zufolge ist die Wirksamkeit der Impfungen gegen die Delta-Variante leicht geringer als bei früheren Varianten, aber sie helfen - allerdings ist die zweite Dosis entscheidend. Jüngste Daten der britischen Regierung zeigen, dass zwei Impfspritzen bei Delta einen 96-prozentigen Schutz gegen eine Krankenhauseinlieferung wegen Covid-19 und einen 79-prozentigen Schutz gegen eine symptomatische Infektion bieten. Nach nur einer Impfspritze liegt der Schutz bei 35 Prozent.

Gesundheitsexperten der Opposition plädierten am Wochenende für eine frühere Zweitimpfung. Bei mRNA-Impfstoffen (Biontech/Pfizer und Moderna) solle diese bereits nach drei Wochen erfolgen, sagte der Grünen-Politiker Janosch Dahmen der "Welt am Sonntag". Es gebe "harte Daten", dass dies gegen die Delta-Variante sehr wirksam sei. Zu einer früheren Zweitimpfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca läge noch nichts vor.

Der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann sagte:

Die Ständige Impfkommission sollte ihre Empfehlung zu den Impfintervallen überarbeiten und den Zeitpunkt der Zweitimpfung vorziehen.
Andrew Ullmann

Die Ständige Impfkommission empfiehlt bislang längere Zeitabstände. Dafür sprach bisher unter anderem die Impfstoffknappheit.

Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus fordern Experten, Zweitimpfungen vorzuziehen. Nur wer zwei Mal geimpft ist, ist wirksam gegen eine Ansteckung geschützt.

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