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Sind 1.000 am Tag wirklich beherrschbar?

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Tägliche Corona-Neuinfektionen - Sind 1.000 am Tag wirklich beherrschbar?

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Bundesgesundheitsminister Spahn hält 1.000 Corona-Neuinfektionen am Tag für "unkritisch", obwohl die Zahlen seit Mai nie so hoch waren. Warum ist die Situation heute eine andere?

Angesichts steigender Corona-Infektionen scheint besondere Wachsamkeit angebracht. In Mecklenburg-Vorpommern mussten zwei Schulen wieder schließen.

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Die Zahlen steigen wieder. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet den drittten Tag in Folge wieder mehr als 1.000 Neuinfektionen - so viele wie seit Anfang Mai nicht mehr. "Diese Entwicklung ist sehr beunruhigend", schreibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht zu Covid-19.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält den Anstieg bei den Neuinfektionen derzeit aber noch für beherrschbar: "Mit um die 1.000 Neuinfektionen pro Tag kann das Gesundheitswesen umgehen", sagte er im ZDF heute journal. Doch warum sollen 1.000 Neuinfektionen derzeit nicht problematisch sein, obwohl Anfang Mai - als die Zahlen zuletzt so hoch waren - weitreichende Kontaktbeschränkungen verlängert wurden? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Kliniken sind besser aufgestellt

"Wir haben viel gelernt", sagt der Virologe Uwe Lieber von der Universität Leipzig im ZDF-Interview. Es seien ausreichend Intensivkapazitäten und Beatmungsplätze aufgebaut worden. Die vergangenen Monate seien "gut genutzt" worden. Auch die Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund Susanne Johna sagte der "Augsburger Allgemeinen", die Krankenhäuser seien auf eine zweite Welle gut vorbereitet.

Steigende Fallzahlen und unklare Infektionsketten lassen die Sorgen vor einer sogenannten zweiten Corona-Welle in Deutschland wachsen. Aber "wir haben viel gelernt", sagt der Virologe Uwe Liebert.

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Anders als bei der ersten Welle sollen Krankenhausbetten diesmal nicht pauschal, sondern am Bedarf orientiert freigehalten werden. "Weil sich das Pandemiegeschehen langsam aufbaut, müssen wir für Covid-19-Patienten gestuft Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, also eine zeitliche Staffelung der Vorhaltung einführen", sagte Johna.

"Wir sind in Krankenhäusern noch nie so dicht zusammengerückt wie jetzt und haben uns wirklich auch national gut verbunden" erklärt Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, im NDR-Podcast.

Mehr Tests - mehr entdeckte Infektionen

Die gestiegene Zahl der Infektionen geht zum Teil auch auf mehr durchgeführte Tests zurück. Die Zahl der Tests ist in den vergangenen Wochen und Monaten kontinuierlich gestiegen. Mehr Tests entdecken in der Regel auch mehr Infektionen - entscheidend für die Einschätzung des Infektionsgeschehens ist jedoch vor allem der Anteil der positiven Tests.

Und der ist ebenfalls deutlich gestiegen: Von 0,6 Prozent Anfang Juli auf 1 Prozent in der letzten Juli-Woche, wie das Portal Statista berichtet. Nach einem Bericht von "Bild" liegt die Positivquote bei Tests an Flughäfen in Nordrhein-Westfalen sogar bei 2,5 Prozent. Die gestiegene Zahl der Infektionen kann zumindest teilweise, wenn auch nicht allein durch mehr Tests erklärt werden.

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Es gibt mehr harmlose Infektionen

Bedingt durch das warme Sommerwetter und weil Menschen vermehrt Hygieneregeln einhalten, wird die sogenannte "Infektionsdosis" heruntergesetzt, also die Menge an Viren, zum Beispiel pro Tropfen auf einer Oberfläche. Es spielt in der Regel eine Rolle für den Krankheitsverlauf, ob sich ein Patient über eine große oder eine geringere Anzahl von Viren ansteckt.

Diesen Zusammenhang erklärt der Virologe Hendrik Streeck im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": Durch niedrigere Infektionsdosen "kommt es vermehrt zu asymptomatischen Infektionen. Der Zusammenhang von Infektionsdosis und Symptomen sowie Übertragungswahrscheinlichkeit ist die Grundlage der Hygienelehre."

Bundesgesundheitsminister Spahn sieht keinen Anlass für einen erneuten Lockdown. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen wieder steigt, könne man damit umgehen. Bei Ausbrüchen seien lokale Maßnahmen derzeit ausreichend.

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Infektionszahlen sind nicht alles

Streeck weist auch darauf hin, dass nur der Blick auf die reine Anzahl der positiven Tests nicht ausreiche: Wichtiger sei es, anhand der stationären Belegung und Intensivbettenbelegung in den Krankenhäusern das Infektionsgeschehen zu bemessen.

Zurzeit haben wir keine wesentliche Zunahme von schweren Coronafällen auf den Intensivstationen zu verzeichnen, obwohl seit gut einer Woche die Infektionszahlen gestiegen sind.
Hendrik Streeck, Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn

Man werde in Deutschland "auch mittelfristig nicht den Punkt erreichen, an dem es keine Infektionen mehr gibt", so Streeck. Ähnlich argumentiert auch Spahn: "Wir müssen uns ja daran gewöhnen, dass dieses Virus dauerhaft mit uns ist."

Dem Autor folgen: @OliverKlein

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