ZDFheute

"Die spielen mit der Gesundheit von Kollegen"

Sie sind hier:

Corona in AfD-Bundestagsfraktion - "Die spielen mit der Gesundheit von Kollegen"

Datum:

Die AfD streitet, darüber wie ernst Corona zu nehmen ist. Nachdem das Virus nun in der eigenen Bundestagsfraktion angekommen ist, regt sich Wut unter Mitarbeitern und Mitbewerbern.

AfD Fraktion im Bundestag.
Quelle: epa

"Corona ist vorbei, und Corona wird auch nicht wiederkommen", hatte Björn Höcke vor einem Monat im MDR-Sommerinterview verkündet. Doch Corona will dem Thüringer AfD-Landeschef und Anführer der rechtsextremen Parteiströmung, dem inzwischen offiziell aufgelösten "Flügel", einfach nicht folgen. Die Zahlen steigen. Der Umgang mit dem Virus spaltet die an parteiinternen Streitigkeiten kränkelnde Partei zusätzlich.

Corona in AfD-Fraktion angekommen

"Jüngste Äußerungen, Corona sei vorbei und käme auch nicht wieder, entsprechen nicht der Realität und helfen deshalb auch nicht weiter", sagte Parteichef Jörg Meuthen zu ZDFheute. "Was wir brauchen, ist ein verhältnismäßiger Umgang mit der bis auf Weiteres bestehenden Realität des Virus und dessen Risiken." Die bestehende Realität des Virus ist, dass es nun in der AfD-Bundestagsfraktion angekommen ist.

Bei den Protesten gegen Corona-Maßnahmen mischten auch AfD-Politiker mit.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Anfang der Woche wurde der erste AfD-Bundestagsabgeordnete positiv getestet: Norbert Kleinwächter aus Brandenburg. Zahlreiche MdBs haben sich in Quarantäne verabschiedet, unter anderem der außenpolitische Sprecher Armin-Paul Hampel und der Landesvorsitzende aus Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm.

Kritik an Informations-Kette

Ein AfD-Mitarbeiter der Fraktionsführung klagt gegenüber ZDFheute: "Die meisten Abgeordneten und Mitarbeiter verweigern demonstrativ die Maskenempfehlung und spielen Vabanque mit der Gesundheit der Kollegen." Die Fraktionsführung schaue achselzuckend zu, gehe intransparent mit den nun aufgetauchten Fällen um und versuche eher, zu vertuschen.

"Man erfährt nebenbei im Flur, wenn einer positiv getestet wurde, und diejenigen, die in Quarantäne sollen, machen daraus ein Staatsgeheimnis, das soll bloß nicht öffentlich werden, weil die AfD Corona ja eigentlich kleinhalten will." Von den Corona-Infektionen in den eigenen Reihen hätten manche gar erst durch den Anruf des Gesundheitsamts erfahren, das die Kontaktliste abtelefonierte, nicht aber von den eigenen Leuten.

Die Fraktionsführung widerspricht dieser Darstellung. Man habe die eigenen Mitarbeiter über die Entwicklung der Corona-Fälle in der eigenen Fraktion stets transparent informiert.

Reden halten - trotz positivem Testergebnis

Angestellte der AfD-Fraktion berichten zudem, dass am Donnerstag der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré im Plenum noch eine Rede gehalten habe und dann erst in Quarantäne verschwand. Dabei habe Kotré schon vorher gewusst, dass einer seiner Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden war.

Es war der zweite von Kleinwächter unabhängige Fall im erweiterten Fraktionskreis der AfD. Kotré selbst widerspricht laut Fraktions-Pressesprecher dieser Darstellung: Er habe erst nach der Rede von dem positiven Test seines Mitarbeiters erfahren.

Schäuble: Eine Frage der Rücksichtnahme

In den anderen Fraktionen wächst die Wut auf die AfD. Am Freitagmorgen rief Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu Beginn der Sitzung die Mitglieder des Parlaments "mit Nachdruck" zur Einhaltung der Corona-Regeln auf: "Das betrifft insbesondere das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in allen Liegenschaften des Bundestages." Das sei eine Frage der "gegenseitigen Rücksichtnahme".

Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt mahnt gegenüber dem ZDF: "Diejenigen, die das nicht tun, verhalten sich unverantwortlich, weil wir darauf angewiesen sind, dass wir die Arbeitsfähigkeit des deutschen Bundestags erhalten".

Abstand bei namentlichen Abstimmungen schwierig

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann, deren Fraktion direkt neben der AfD im Plenum sitzt, fordert gegenüber ZDFheute in Richtung Sitznachbarn: "Ich bin der Meinung, es muss eine Pflicht für einen Mund-Nasen-Schutz im Gebäude geben."

Das ist so unvorstellbar rücksichtslos.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP)

Im Plenum säße man zwar weit genug auseinander, nicht aber bei namentlichen Abstimmungen: "Die AfD drängt sich ostentativ ohne Maske dazwischen. Das ist unerträglich."

Weidel nimmt Kollegen in Schutz

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel betont gegenüber ZDFheute: "Für mich ist das eine Frage des Anstands, wenn wir unsere eigenen Fälle haben, dass ich, wenn ich mich im öffentlichen Raum bewege, weitestgehend die Maske auch trage." Anderseits nimmt Weidel Abgeordnete ihrer Fraktion in Schutz, die die den Mund-Nasen-Schutz weiterhin ablehnen:

Die Viren können ja durch die Maske durchgehen. Deshalb kann ich schon die Kollegen verstehen, die die Sinnhaftigkeit der Maske hinterfragen.
Alice Weidel, AfD-Fraktionsvorsitzende

Das Corona-Virus ist, zumindest laut einiger AfD Vertreter, eigentlich längst "vorbei" - in der eigenen Bundestagsfraktion ist es dafür gerade umso präsenter.

Mundschutz-Masken. Symbolbild

Chrupalla-Aussage im Faktencheck -
Wissenschaftler uneins über Maskenpflicht?
 

Tino Chrupalla bestreitet, dass es einen wissenschaftlichen Konsens über den Nutzen von Masken gibt. Die Aussage des AfD-Bundessprechers aus dem ZDF-Sommerinterview im Faktencheck.

von Oliver Klein

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Kommentar: Wulf Schmiese zu den neunen Corona-Maßnahmen

Kommentar zu Corona-Maßnahmen -
Gewagter Sprung ins Nichts
 

Der Winter wird hart. Hunderttausende könnten ihren Job verlieren, ihre Lebensgrundlage. Zu hoffen ist, dass …

von Wulf Schmiese
Videolänge:
1 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.