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Argentinien in der Corona-Abwärtsspirale

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Grabenkämpfe, Armut, Gewalt - Argentinien in der Corona-Abwärtsspirale

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Massenhafte Landbesetzung, wachsende Kriminalität - und nun auch eine Rekord-Anzahl an Corona-Infektionen. In Argentinien braut sich etwas zusammen.

Gesundheitspersonal eines Krankenhauses in Buenos Aires, Argentinien, hält während einer Schweigeminute Luftballons für an Covid-19 verstorbenes Gesundheitspersonal
Gesundheitspersonal demonstriert in Argentinien.
Quelle: Reuters

Die Zahlen sind besorgniserregend. Ausgerechnet das Land, das vor Monaten noch für seinen restriktiven Kurs zur Eindämmung der Corona-Pandemie international gelobt wurde, erlebt eine schwere Woche. Erstmals seit Ausbruch der Pandemie verzeichnet Argentinien an drei Tagen hintereinander über 11.000 Neu-Infektionen.

Die täglichen Todeszahlen pendeln sich bei rund 250 ein. Das erinnert inzwischen - umgerechnet auf die Bevölkerungszahl - an Verhältnisse wie zu schlimmsten brasilianischen Zeiten.

Unicef: Millionen Kinder von Armut bedroht

Der harte Corona-Kurs führt auch zu einem Absturz der argentinischen Wirtschaft. Laut argentinischer Zentralbank wird für das laufende Jahr ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 12,5 Prozent prognostiziert. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef erwartet einen sprunghaften Anstieg der Armut. Ende des Jahres sollen 8,3 Millionen Kinder und Jugendliche in Armut leben. Das wären 62,9 Prozent dieser Altersgruppe.

Kalte Statistiken, die bei einem Blick auf ein großes Gelände im Hinterland von Buenos Aires lebendig werden. Hier haben wie in anderen Landesteilen rund 3.000 verzweifelte arme Familien Land besetzt.

Präsident Fernandez in der Kritik

Erzbischof Victor Fernandez, ein enger Berater von Papst Franziskus, sagt mit Blick auf die vielen Arbeitslosen:

Die neuen Armen gehörten bis vor kurzem zur Mittelklasse.

Und weiter: "Viele von ihnen waren Facharbeiter und Kleinunternehmer, die plötzlich unter die Armutsgrenze gerutscht sind."

Für Präsident Alberto Fernandez wird das zum Problem. Der Linkspolitiker trat noch vor der Corona-Krise mit dem Versprechen an, die Armut und den Hunger zu bekämpfen. Nun werfen ihm Kritiker vor, mit seinem harten Kurs in der Pandemie zum Absturz der Wirtschaft mitbeigetragen zu haben. Die Wut im Land wächst.

In Argentinien hat sich die wirtschaftliche Lage durch die Corona-Krise weiter verschlechtert. Trotz kurzfristiger Abhilfe gegen die Staatspleite ist die Situation für die Bevölkerung weiter schwierig.

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Politische Grabenkämpfe verschärfen Probleme

Weil kein Geld in den Kassen ist, haben die Verteilungskämpfe begonnen. Fernandez kürzte die Zahlungen an die Hauptstadt Buenos Aires, um sie der Provinz Buenos Aires zukommen zu lassen. Fernandez nimmt damit dem der Opposition zugehörigen Hauptstadt-Bürgermeister Horacio Rodríguez Larreta Geld weg, um es zu seinem politischen Weggefährten und Provinz-Gouverneur Axel Kicillof zu leiten.

Während Larreta dagegen juristisch vorgehen will, begründet das Regierungslager das Vorgehen damit, die Ungleichheit zwischen Stadt und Land verringern zu wollen. Das politische Klima verschärft sich, wie bei einem Protest der chronisch unterbezahlten Polizeibeamten in der Provinz Buenos Aires vor wenigen Tagen abzulesen war.

Gefährlicher Cocktail könnte in Gewalt münden

Mit der wachsenden Armut steigt auch die Kriminalitätsrate im Land. Für Erzbischof Fernandez ist das eine besorgniserregende Entwicklung, die in einer gefährlichen gesellschaftlichen Entwicklung enden kann:

Wir wissen, dass fehlende Arbeit sich nicht nur in Armut widerspiegelt, sondern sich auch leicht in Verzweiflung, Gewalt und Abhängigkeiten verwandeln kann.

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