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Coronaviren überleben Aufbereitungsverfahren

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Atemschutzmasken - Coronaviren überleben Aufbereitungsverfahren

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Das von der Regierung empfohlene Aufbereitungsverfahren von Atemschutzmasken ist unsicher. Eine Behörde fordert nun, unverzüglich zu handeln - um Ärzte und Pfleger zu schützen.

Archiv, NRW, Essen: Krankenpfleger bekleiden sich mit Schutzkleidung vor einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums Essen.
Längst nicht virenfrei: Das Aufbereiten und Wiederverwenden von Atemmasken birgt Risiken für das medizinische Personal.
Quelle: DPA

Weil Atemschutzmasken derzeit Mangelware sind, hat der Corona-Krisenstab der Bundesregierung am 1. April ein Aufbereitungsverfahren von Einweg-Atemmasken erlaubt. Seitdem dürfen Masken wiederverwendet werden, nachdem sie mittels trockener Hitze bei 65 bis 70 Grad Celsius aufbereitet wurden. Entsprechend wurde und wird in zahlreichen Krankenhäusern, Arztpraxen sowie Pflegeheimen und Pflegediensten mit den Atemschutzmasken verfahren.

Internes Papier zerpflückt Regierungsempfehlung

Doch in einem internen Papier aus dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das dem ZDF-Magazin Frontal 21 exklusiv vorliegt, heißt es, dass das bisherige Aufbereitungsverfahren "nicht ausreicht, um eine vollständige Inaktivierung infektiöser Viruspartikel auf den inkubierten Masken zu erzielen". Somit könne dieses Verfahren nicht mehr für die Dekontamination von Masken empfohlen werden.

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Das Schreiben datiert vom 24. April 2020 und ist an das übergeordnete Bundesgesundheitsministerium gerichtet. Das BfArM empfiehlt darin, außerdem den Krisenstab der Bundesregierung sowie das Bundesarbeitsministerium unverzüglich über das Ergebnis zu informieren und eine Korrektur zu veröffentlichen. Trotzdem ist Stand heute das Aufbereitungsverfahren per Trockenhitze bei 70 Grad immer noch erlaubt. Auf Nachfrage von Frontal 21 äußerten sich die beiden Ministerien nicht zu dem umstrittenen Verfahren.

Kritik am Aufbereitungsverfahren

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatten das Aufbereitungsverfahren in einer Pressemitteilung vom 1. April gelobt: "Der Schutz des Personals im Gesundheits- und Pflegebereich hat oberste Priorität. Es ist gut, dass wir hier schnell und vorausschauend eine sichere Lösung für mögliche Lieferengpässe finden konnten."

Der Fachverband DGSV (Deutsche Gesellschaft für Sterilgutversorgung) hatte dagegen das Verfahren schon kurz danach in einer Stellungnahme kritisiert:

Eine Dekontamination mittels trockener Hitze bei 65-70°C / 30min stellt auch für diese besondere Situation keine praktikable, hygienische und gesicherte Methode dar.

Vorbild Österreich?

Expertinnen wie Anja Demnick, Geschäftsführerin einer Online-Plattform für die Aufbereitung von Medizinprodukten, empfehlen eine andere Methode. Das Dampfsterilisationsverfahren bei 121 Grad, das auch in Österreich angewendet wird, sei sicher.

Dazu werden Atemschutzmasken in so genannten Zentralen Sterilgutversorgungsabteilungen wiederaufbereitet, entweder intern in einem Krankenhaus oder extern für mehrere Krankenhäuser. Normalerweise sterilisieren diese Abteilungen OP-Besteck zur Wiederverwendung. Nach Demnicks Ansicht ist es theoretisch möglich, in den etwa 1500 Sterilgutversorgungsabteilungen in Deutschland bei Vollauslastung bis zu 15 Millionen Masken in der Woche wiederaufzubereiten.

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